Stand: 27.04.2018 18:53 Uhr

Himmlische Kunst? Lüpertz-Fenster vorgestellt

Die evangelische Marktkirche in Hannover rechnet mit kontroversen Diskussionen über das Buntglasfenster, das Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Kirche schenken will. Das von Künstler Markus Lüpertz entworfene Fenster ist am Freitag vorgestellt worden. "Wir hoffen, dass die Hannoveraner dieses Fenster am Ende mögen und schätzen und vielleicht sogar lieben", sagte Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann.

Schenkung im Wert von mehr als 100.000 Euro

Der Altbundeskanzler will der Marktkirche das rund 13 Meter hohe Buntglasfenster schenken. Allein die Kosten für Material, Herstellung und Einbau werden auf rund 100.000 Euro geschätzt. Bevor das Fenster bei einer Kunstglas-Manufaktur in Auftrag gegeben wird, müssen Denkmalpfleger beurteilen, ob das Werk in die spätmittelalterliche Kirche passt. Das letzte Wort hat dann die hannoversche Landeskirche.

Kirche erhofft sich Diskussionen "auf hohem Niveau"

Pastorin Kreisel-Liebermann ist Schröder dankbar und weiß, dass es auch Kritiker der Idee gibt, moderne Kunst in einer historischen Kirche fest zu installieren: "Wir wünschen uns, dass die Diskussionen auf hohem Niveau geführt werden", sagte sie. Für Kunsthistoriker Ulrich Krempel gibt es auf jeden Fall viel zu entdecken auf Hannovers möglichem neuen Kirchenfenster: "Unten eine stehende Figur mit erhobenen Händen, im Segensgestus, dahinter eine Figur, die eher skelettiert erscheint." Dazu ein Tintenfass und schließlich fünf Fliegen, die förmlich über das ganze Bild krabbeln - für Krempel, den ehemaligen Direktor des Sprengel Museums, so etwas wie die "Stellvertreter des Bösen".

Schlichte Schönheit: Hannovers Marktkirche

Pastorin: Eine Frage der Gewöhnung

Ist das mögliche neue Fenster gar eine Art kirchliches Wimmelbild? Für Pastorin Kreisel-Liebermann, an deren Arbeitsplatz das Fenster demnächst vielleicht hängt, keine schlechte Vision: "Kirchen sind nie so geblieben, wie sie sind. Und das wird auch in diesem Fall so sein: Wenn man sich daran gewöhnt, wird man sagen: Ach, wunderbar."

Bischöfin: Mehr über das Böse reden

Entworfen wurde das "Reformationsfenster" von dem Maler, Grafiker und Bildhauer Lüpertz (76), einem persönlichen Freund Schröders. Lüpertz gehört zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. "Das Fenster wird die Atmosphäre in der Kirche verändern", sagte Kunsthistoriker Krempel. Regionalbischöfin Petra Bahr betonte, in der Theologie sei lange nicht mehr über das Böse geredet worden. "Und das gibt uns dieses Bild jetzt auf." Das Verhältnis von moderner Kunst und Kirche sei immer noch spannungsreich.

Finanzierung durch Vortragshonorare

Zur Finanzierung des Fensters will Schröder Vortragshonorare von Verbänden und Unternehmen in Deutschland weitergeben. Das Honorar für den Künstler werde ein persönlicher Freund des Altkanzlers zahlen, sagte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Reinhard Scheibe. Schröder ließ mitteilen, er habe als Ehrenbürger von Hannover seiner Stadt ein Geschenk machen wollen und dafür die Marktkirche ausgewählt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 27.04.2018 | 17:00 Uhr

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