Stand: 16.11.2017 14:13 Uhr

Kader K.: "Die ganze Wahrheit erfahren"

Fast ein Jahr ist es her, dass Kader K. in Hameln Opfer eines brutalen Verbrechens wurde. Ihr Ex-Mann griff die junge Frau zunächst mit einem Messer und einem Beil an, band sie dann mit einem Seil an sein Auto und schleifte sie an seinem Auto durch die Stadt. Die Mutter eines kleinen Jungen hat offenbar nur überlebt, weil sich das Seil nach ein paar Hundert Metern löste. Über ihre Erlebnisse hat K. gemeinsam mit dem Hamelner Journalisten Ulrich Behmann mittlerweile ein Buch geschrieben: "Die Leute sollen die ganze Wahrheit und alle Hintergründe erfahren", sagte K. im Interview mit NDR 1 Niedersachsen.

"Frauen müssen respektiert werden"

Ihr Ex-Mann habe sie unterdrückt und sie auch nicht in Ruhe gelassen, als sie sich bereits von ihm getrennt hatte. Mit ihrem Buch wolle sie Männern wie ihrem Ex-Mann, von denen es durchaus einige gebe, zeigen, "dass sie mit ihrer bösen Art und solchen Taten nicht weiterkommen. Sie schaden sich, ihrer Familie und allen Angehörigen. Frauen müssen respektiert werden."

Kader K.: Traumatisiert und oft Schmerzen

Der 29-Jährigen gehe es immer noch nicht gut. Sie sei traumatisiert, habe oft Schmerzen, müsse aber nach vorne schauen, sagte sie im Interview. Auch wegen ihres Sohnes. Wenn er komme und sie umarmen wolle, wolle sie ihn nicht noch mehr leiden sehen. "Er ist ja sowieso schon traumatisiert. Dann soll er nicht auch noch denken: 'Meiner Mama geht es schlecht'." K. und ihr kleiner Sohn hatten bisher viel Unterstützung von K.s Eltern.

"Ich brauche meine Eltern"

Die Mutter von Kader K. ist nach Angaben der Stadt Hameln noch bis Ende März geduldet. Sie werde aber wohl so lange hier bleiben können, bis die Sache mit ihrem Mann entschieden sei, sagte ein Stadtsprecher. "Ich brauche meine Eltern, meine Eltern sind mein Ein und Alles. Ich bin traumatisiert und manchmal kraftlos - sowohl physisch als auch psychisch - und da hilft mir jeden Tag meine Mutter. Mir und meinem Kind", sagte K. im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Die Stadt Hameln hat angekündigt, sich für die Familie einsetzen zu wollen. Man werde mit dem niedersächsischen Innenministerium sprechen, um eine humanitäre Lösung zu finden, hieß es.

Ex-Mann strebt Wiederaufnahme-Verfahren an

Unterdessen strebt der verurteilte Ex-Mann von Kader K. eine Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens an. Er war bei dem Prozess im vergangenen Mai nur deshalb nicht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, weil er einem Täter-Opfer-Ausgleich zugestimmt hatte. Er sollte sein Haus verkaufen und der Frau rund 140.000 Euro zukommen lassen. Er sei wohl nicht damit einverstanden, was er alles zahlen soll, sagte Thomas Klinge von der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Behörde hat den Antrag bereits geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass es für die Wiederaufnahme keine ausreichenden Gründe gibt. Mittlerweile liegt der Vorgang beim Landgericht Hildesheim: Es muss entscheiden, ob der Prozess wieder aufgerollt wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 16.11.2017 | 17:00 Uhr

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