Stand: 31.07.2020 06:50 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Fall "Maddie": Ein Großeinsatz, nur offene Fragen

Eine Kleingarten-Parzelle ist nach einer Polizeidurchsuchung abgesperrt. © dpa Foto: Peter Steffen
Die Polizei hat das Gelände des Kleingartens komplett umgegraben.

Zwei Tage lang haben Ermittler das Gelände einer Kleingarten-Parzelle in Seelze (Region Hannover) durchsucht. Der Einsatz steht im Zusammenhang mit dem Verschwinden des kleinen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann vor 13 Jahren in Portugal. Was haben die Beamten gesucht? Haben sie etwas gefunden? Liefert der Einsatz gar entscheidende Beweise gegen Christian B., den heute 43-Jährigen, der verdächtigt wird, das Mädchen getötet haben? Gegen ihn ermittelt das Bundeskriminalamt seit 2013.

Polizei wertet Ergebnisse aus - ansonsten schweigt sie

Die Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet von der Polizei, die den Garten in den vergangenen Tagen nahezu blickdicht durch Zelte und Zäune abgeriegelt hatte. Nur so viel meldete sie am Donnerstag: Die Ergebnisse der Grabungen würden ausgewertet. Man wolle zunächst keine Wasserstandsmeldungen zu der Durchsuchung abgeben, sagte eine Sprecherin. Tags zuvor hatten die Ermittler ihren Einsatz genauso still beendet, wie sie ihn Dienstag begonnen hatten. In Schweigen hüllt sich ebenso die federführende Staatsanwaltschaft Braunschweig. Das nährt Spekulationen.

Profiler": "Mitwisser könnten Spuren verwischen"

Ein Bagger steht hinter einem Zaun. © dpa Foto: Julian Stratenschulte
Die Polizei rodete das Gelände, fällte Bäume und grub das Erdreich um.

Sicher an dieser Stelle ist: Die Ermittler wollen selbst entscheiden, wann sie Informationen herausgeben. "Das kann durchaus ermittlungstaktische Gründe haben, denn es ist nicht ausgeschlossen, ob es Mittäter oder zumindest Mitwisser gibt, die nicht im Gefängnis sitzen", sagt Profiler Mark T. Hofmann im Gespräch mit dem NDR Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen". Diese hätten dann noch die Möglichkeit, Spuren zu verwischen oder die Ermittlungen anders zu beeinflussen.

Ermittler legen Kellerraum frei

Während des Einsatzes wurde das Grundstück gerodet, mit einem Bagger und Schaufeln umgegraben, Bäume gefällt. Nach NDR Informationen wurde dabei eine Bodenplatte freigelegt, unter der sich ein Kellerraum befinden soll. Möglicherweise handelt es sich dabei nur um einen kleinen Verschlag. Ein Spürhund kam zum Einsatz.

Was war Ziel der Grabungen?

Nach was gesucht wurde, darüber kann zu diesem Zeitpunkt und der Informationslage nur spekuliert werden: Kleider des verschwundenen Mädchens zum Beispiel - oder eine Tatwaffe, zumal die Ermittler sich sicher sind, dass "Maddie" ermordet wurde, wie sie Anfang Juni mitgeteilt hatten. Auch Speichermedien könnten die Polizei weiterbringen. Bei einer früheren Durchsuchung wurde in einer Lagerhalle in Magdeburg, die laut Medienberichten Christian B. gehören soll, ein USB-Stick sichergestellt. Darauf wurde kinderpornografisches Material gefunden.

Videos
Christoph Hamann berichtet aus Seelze.
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Christian B. soll im Garten gelebt haben

Der durchsuchte Garten ist nicht Teil einer Kleingartenkolonie, sondern wird wie die benachbarten Grundstücke vom Land verpachtet, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet. Laut eines direkten Parzellennachbarn hätte ein rothaariger Mann zwischen 2005 und etwa 2008 den durchsuchten Garten gemietet, so die HAZ weiter. Zum Ende des Zeitraums soll sich laut des Berichts ein unbekannter Mann dort aufgehalten haben. Möglicherweise Christian B., zumindest will eine Frau aus Letter ihn auf einem Foto erkannt haben, berichtet die HAZ. Demzufolge soll der Hauptverdächtige im Fall "Maddie" mit zwei Hunden und einem Campingbus dort gewesen sein.

Großes Interesse und Details in britischen Medien

Das britische Boulevard-Blatt "The Sun" zitiert ebenfalls einen direkten Nachbarn der Parzelle: Der 73-Jährige erzählt, dass Christian B. dort in dem Zeitraum lebte, ohne dass jemand davon gewusst hätte.

Ab 2010 soll Christian B. laut HAZ im Stadtteil Linden gewohnt haben, nur wenige Kilometer entfernt von der Garten-Anlage. "The Mirror", ebenfalls ein britisches Medium, berichtet von einem Mann, der angibt, der Garagen-Nachbar von Christian B. gewesen zu sein. Ihm zufolge soll der heute 43-Jährige in Linden regelmäßig an seinem Campingbus gearbeitet haben.

Verdächtiger will vorzeitig aus der Haft

Christian B. sitzt derzeit wegen Drogendelikten in Kiel in Haft. Er hat nach zwei Dritteln seiner Strafe am Donnerstag einen weiteren Antrag auf Entlassung gestellt. Einen ersten Antrag hatte er am Dienstag zurückgezogen. Seinem Anwalt zufolge, weil Christian B. kein Vertrauen in die hiesige Justiz habe. Für den neuen Antrag sei nun das Landgericht Kiel zuständig.

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Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. © dpa - Bildfunk Foto: Carsten Rehder

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 30.07.2020 | 19:30 Uhr

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