Stand: 16.05.2018 20:01 Uhr

Baby totgeschüttelt? Vater streitet Tat ab

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Bückeburg hat ein 23 Jahre alter Vater aus dem Landkreis Schaumburg bestritten, sein Kind zu Tode geschüttelt zu haben. Dem drei Monate alten Baby sei es nach einer Impfung zunehmend schlechter gegangen, sagte er am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann in ihrer Anklage vor, den kleinen Jungen im November vergangenen Jahres so stark geschüttelt zu haben, dass der Säugling Hirnblutungen erlitt und trotz einer Notoperation zwei Tage später starb. Der Vorwurf lautet auf Totschlag.

"Wir haben sofort den Notarzt gerufen"

Zum Tatzeitpunkt soll die Mutter für zwei Stunden nicht in der Wohnung gewesen sein. Der junge Vater sagte aus, er habe Playstation gespielt. Sein Sohn habe zugedeckt neben ihm auf dem Sofa geschlafen. Als seine Freundin wieder da war, will der Vater seinen Sohn hochgenommen und dabei bemerkt haben, dass er bleich war und einen starren Blick hatte. "Wir haben natürlich sofort den Notarzt gerufen", erklärte der Angeklagte. Der Arzt hatte das Kind sofort in eine Klinik eingewiesen, wo es jedoch nicht mehr gerettet werden konnte.

Kind soll sich ständig übergeben haben

Die 21-jährige Mutter berichtete als Zeugin im Prozess, dass das Kind im November blass gewesen sei und sich ständig übergeben habe. Im Krankenhaus sei jedoch nichts festgestellt worden und auch der Hausarzt habe nur einen Virus vermutet. Die Mutter führte die Symptome auf die vom Vater angesprochene Impfung zurück, die das Kind etwa drei Wochen vor seinem Tod bekommen habe. Ein vorläufiges Gutachten kommt zu einem anderen Schluss. Demzufolge soll das Kind bereits zuvor geschüttelt worden sein. Bei der Obduktion des Babys waren Hirnblutungen und blaue Flecken festgestellt worden. Zudem wies der Körper der Untersuchung zufolge nicht nur frische, sondern auch ältere Verletzungen auf.

Vater lenkt Verdacht auf Mutter

Der Angeklagte sagte, er habe dafür keine Erklärung. Gegen Ende seiner Aussage lenkte er jedoch den Verdacht auf die Mutter des Babys: Sie sei sehr impulsiv und sei mit dem Kind manchmal grob umgegangen. Die 21-Jährige wies das zurück. Ermittlungen gegen sie waren zuvor eingestellt worden. Ein neues Ermittlungsverfahren gegen die Frau ist jedoch nicht ausgeschlossen. Das hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Zum Prozess gegen den Vater sind insgesamt 18 Zeugen geladen. Auch ein Sachverständiger soll gehört werden.

Schütteltraumata: Dunkelziffer laut Experten hoch

Etwa 100 bis 200 Säuglinge und Kleinkinder werden bundesweit laut Schätzungen im Jahr mit Schütteltraumata in Krankenhäuser gebracht. Die Dunkelziffer dürfte nach Ansicht von Fachleuten weit höher sein. Darauf hat das Bundesfamilienministerium im vergangenen Jahr mit einem "Bündnis gegen Schütteltrauma" reagiert. Es klärt darüber auf, wie gefährlich das Schütteln für Babys ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 16.05.2018 | 09:30 Uhr

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