Stand: 03.05.2019 10:17 Uhr

Abschuss von Wölfen: Lies will Auflagen senken

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will den Abschuss von Wölfen rechtlich erleichtern. Weil es oft kaum möglich sei, einen bestimmten Wolf zu identifizieren, müsse man darüber nachdenken, die Erlaubnis zum Abschuss ohne individuelle Zuordnung zu ermöglichen. "Es geht nicht darum, das ganze Rudel auf einmal zu entnehmen, sondern einzelne Tiere, um danach zu sehen, ob sich die Situation damit verbessert", sagte Lies. Blieben die Schäden dann nicht aus, könnte ein weiteres Tier getötet werden. Die Tötung eines ganzen Rudels sei nicht auszuschließen, Experten zufolge aber sehr unwahrscheinlich.

Basis für Vorgehen ist "Lex Wolf"

Die Entscheidung über ein solches Vorgehen würde im Fall der Fälle nicht bei den Jägern liegen, sondern bei der zuständigen Behörde, betonte Lies. Das ist in diesem Fall der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der dem Umweltministerium untergeordnet ist. Basis für ein solches Vorgehen könnte die sogenannte "Lex Wolf" werden, eine beantragte Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes. Die vom Land Mecklenburg-Vorpommern angestoßene Gesetzesänderung sieht vor, "dass wenn Schäden bei Nutztierrissen keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet werden können, der Abschuss von einzelnen Mitgliedern des Wolfsrudels an einem potentiellen Schadensort in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit bereits eingetretenen Rissereignissen auch ohne Zuordnung der Schäden zu einem bestimmten Einzeltier bis zum Ausbleiben von Schäden fortgeführt werden darf."

Jagd auf Rodewalder Wolf seit Ende Januar

Im Fall des Rodewalder Rudels (Landkreis Nienburg) komme der Abschuss mehrerer Tiere derzeit jedoch nicht infrage, wie es aus dem Umweltministerium heißt. Es werde weiterhin versucht, den auffälligen Leitwolf zu entnehmen. Nach zahlreichen Rissen wurde der Rüde Ende Januar zum Abschuss freigegeben. Die Jagd auf das Tier erweist sich allerdings als schwierig. Dreimal wurde die jeweils auf einen Monat befristete Genehmigung bereits verlängert, zuletzt am Dienstag.

Rudel durchstreift 600 Quadratkilometer

Laut Lies erschweren mehrere Gründe die Suche nach dem Rodewalder Rüden mit der Kennung "GW717m". Das größte Problem sei das bis zu 600 Quadratkilometer große Streifgebiet des Rudels. Um zu sehen, wo der Wolf aktuell sei, müsse man die Spuren lesen. Dafür sei es jedoch mal zu nass und mal zu trocken. Hinzu komme, dass die Suche durch "Störer" behindert werde. In Waldgebieten im Landkreis Nienburg waren zuletzt immer wieder Aktivisten unterwegs, um den Leitwolf aufzuscheuchen und so vor einem Abschuss zu schützen. Weil das auch Wildschweine vor der Bejagung bewahrte, die danach Flurschäden anrichteten, verwehrten Eigentümer Bürgern für eine Woche abends und in der Nacht den Zugang zu 1.700 Hektar Wald und Wiesen.

Pflicht zur Jagd auf den Rodewalder Wolf?

Zudem mangele es in diesem Gebiet, das aus über 170 Jagdrevieren besteht, an Unterstützung: "Alle haben die Sorge, sich in irgendeiner Form öffentlichen Beleidigungen oder sonstigen Dingen ausgesetzt sehen", sagte er. Lies will dies ändern - und erwägt dazu rechtliche Mittel. "Wir brauchen eine Grundlage dafür, dass uns die Revierinhaber, die Jagdpächter, die Jäger vor Ort als Partner zur Verfügung stehen", sagte er. Das Ministerium werde deshalb prüfen, "inwieweit wir rechtliche Möglichkeiten haben, die Jäger in diese Rolle zu versetzen". Eine Option wäre demnach, den Wolf - als streng geschütztes Tier - ins Jagdrecht aufzunehmen. Dann könnte ein problematisches Tier unter Aussetzung der Schonzeit von den örtlichen Jägern getötet werden.

Wer zurzeit konkret nach dem Rodewalder Wolf sucht und ihn gegebenenfalls abschießen darf, wird nicht öffentlich gemacht. "Dazu äußern wir uns nicht, um die Betroffenen zu schützen", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Abschuss von "Kurti" binnen Tagen

Erstmals hatte das Niedersächsische Umweltministerium im Jahr 2016 einen Wolf töten lassen. "MT6", genannt "Kurti", hatte sich immer wieder Menschen genähert und wurde schließlich vom damaligen Minister Stefan Wenzel (Grüne) zum Abschuss freigegeben. Der Rüde aus dem Heidekreis wurde dank eines Senderhalsbandes binnen weniger Tage gefunden und von einem Scharfschützen getötet. Wenzel hatte seinerzeit die Polizei um Amtshilfe gebeten.


02.05.2019 11:25 Uhr

In einer vorherigen Version dieses Artikels hatten wir berichtet, dass Umweltminister Lies den Abschuss ganzer Rudel erwägt. Dies ist nicht korrekt. Es geht laut Umweltministerium lediglich um die Tötung - auch mehrerer - einzelner Tiere aus einem Rudel.

 

Weitere Informationen
03:44
Hallo Niedersachsen

Der Wolf - ein Thema bei der Europawahl

01.05.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Der Wolf verbreitet sich weiter - 23 Rudel gibt es mittlerweile allein in Niedersachsen. Auch bei der Europawahl ist der Umgang mit dem Wolf ein Thema. Video (03:44 min)

Rodewalder Wolf: Abschussgenehmigung reloaded

Zum dritten Mal ist die Abschussgenehmigung für den Rodewalder Leitwolf verlängert worden. Bereits seit Ende Januar versuchen Jäger, den Rüden zu erlegen - ohne Erfolg. (30.04.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 02.05.2019 | 09:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:35
Hallo Niedersachsen
02:30
Hallo Niedersachsen
02:28
Hallo Niedersachsen