Stand: 20.01.2017 14:21 Uhr  | Archiv

Winterkorn muss nicht vor Gericht aussagen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Autoherstellers Volkswagen, Martin Winterkorn, steht als Zeuge vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd von Jutrczenka
Vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin hat der frühere Volkswagen-Chef ausgesagt - vor Gericht darf er dagegen die Aussage verweigern.

Der ehemalige VW-Konzernchef Martin Winterkorn muss nicht als Zeuge in einem Schadenersatzprozess zum Abgas-Skandal aussagen. Das Landgericht Paderborn räumte dem Ex-Manager am Freitag ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht ein, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Sofern diese Entscheidung nicht angefochten werde, müsse der ursprünglich in den Zeugenstand gerufene Winterkorn doch nicht in dem Verfahren erscheinen. Zur Begründung hieß es, wenn er sich durch wahrheitsgemäße Aussage selbst belasten könnte, dürfe ein Zeuge schweigen.

Ex-VW-Chef will lange nichts gewusst haben

Der ehemalige VW-Konzernchef hatte am Donnerstag gegenüber einem Untersuchungsausschuss des Bundestags das wiederholt, was er bislang auch zum Diesel-Skandal gesagt hat: Als er im September 2015 Bundesregierung und Behörden über das Ausmaß der Manipulationen von Abgas-Messwerten bei VW informiert habe, sei das schnell gewesen. "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin", so der Ex-Vorstandsvorsitzende. Er hätte es nie für möglich gehalten, dass bei Volkswagen Millionen Kunden getäuscht worden seien.

VIDEO: VW: Ex-Chef Winterkorn bleibt bei Aussage (7 Min)

Erster größerer Auftritt Winterkorns seit Rücktritt

Sein Rücktritt sei der "schwerste Schritt meines Lebens" gewesen, sagte der frühere Topmanager weiter. Er müsse damit leben, dass sein Name eng mit der Diesel-Affäre um überhöhte Abgaswerte verbunden sei. Die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss war der erste größere öffentliche Auftritt Winterkorns, seitdem er seinen Posten an der Spitze des VW-Konzerns aufgegeben hat.

Weitere Informationen
Martin Winterkorn © imago/DeFodi

Winterkorns Ahnungslosigkeit wenig glaubhaft

In der VW-Abgas-Affäre ist eines noch immer ungeklärt: Wer wusste wann was? Ex-VW-Chef Winterkorn gibt sich weiter unwissend. Ist das plausibel? Peter Hornung kommentiert. mehr

Zweifel an Winterkorns Unschuldsbekundungen

Rückblick: Am 22. September 2015 tritt ein sichtlich angespannter Martin Winterkorn vor eine Kamera, um eine Videobotschaft aufzuzeichnen. Darin verspricht der VW-Manager "schonungslose Aufklärung". US-Umweltbehörden hatten vier Tage zuvor gefälschte Abgasdaten bei Dieselautos bekannt gemacht. Der frühere VW-Chef schiebt den Skandal auf die "schlimmen Fehler einiger weniger" - eine Lesart, an der es seither Zweifel gibt. Es bleibt die Schlüsselfrage: Was wusste Winterkorn wann von den Manipulationen? Oder ist es vorstellbar, dass er nichts wusste? Die Ausschussmitglieder gehen trotz Winterkorns Unschuldsbekundungen davon aus, dass er sehr viel früher über die illegale Software informiert war. Das hatten auch Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ergeben.

Was wusste die Bundespolitik von den Betrügereien?

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Autoherstellers Volkswagen, Martin Winterkorn, steht als Zeuge vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin. © dpa - Bildfunk Foto: Kay Nietfeld
Großes Medieninteresse: Winterkorn vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin.

Der Untersuchungsausschuss ist im April 2016 eingesetzt worden und soll klären, seit wann die Regierung über Manipulationen Bescheid wusste und wie eng die Abstimmung mit der Autolobby war. Dazu werden unter anderem auch der Präsident des Verbands der Automobilindustrie Matthias Wissmann sowie Eckhart von Klaeden befragt, der bis 2013 Staatsminister im Kanzleramt war bevor als Lobbyist zu Daimler wechselte.

Weitere Informationen
Martin Winterkorn
3 Min

Abgas-Affäre: Winterkorn sagt aus

Ex-VW-Chef Winterkorn hat vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag ausgesagt und frühes Wissen der Manipulationen an Dieselautos verneint. 3 Min

Martin Winterkorn © imago/DeFodi

Winterkorn: Viel Rente, wenig Miete, belastende Papiere

Holpriger Jahresstart für Ex-VW-Vorstandschef Winterkorn: Erst wurde seine hohe Rente bekannt, dann die Mini-Miete. Nun sollen geheime Papiere belegen: Er wusste früher vom Abgasskandal. (15.01.2017) mehr

Der Auspuff eines VW-Passats ist am 25.09.2015 vor dem Volkswagenwerk in Wolfsburg zu sehen. © dpa - Bildfunk

Die VW-Abgas-Affäre: Eine Chronologie

Der Abgas-Skandal hat VW in die schwerste Krise der Firmengeschichte gestürzt. Was ist bislang geschehen? mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.01.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Berg Zuckerrüben auf einem schneebedeckten Feld. © picture alliance/Armin Weigel Foto: Armin Weigel

Zuckerrüben-Ernte im Norden: Regional große Unterschiede

Bei Nordzucker in Schladen fällt die Bilanz gut aus, insgesamt ist sie durchschnittlich. Ein Virus bereitet Sorgen. mehr

Ein Polizeiwagen mit der Aufschrift "Cyber-Polizei". © picture alliance Foto: Christophe Gateau

Betrüger ergaunert Online-Banking-Daten und bucht ab

Der Täter hat sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben. Er buchte Geld vom Konto eines 81-jährigen Braunschweigers ab. mehr

Eine Gesichtsmaske liegt auf Geldscheinen © picture alliance/ZB/Z6944/Sascha Steinach Foto: Sascha Steinach

Studie: Jede zweite Kommune in Niedersachsen erhöht Abgaben

Grund sind geringere Einnahmen wegen der Corona-Krise. Teurer werden zum Beispiel Müllabfuhr und Straßenreinigung. mehr

Die New Yorker Künstlerin Adrian Piper posiert in einem Austellungsraum. © picture alliance Foto: Andreu_Dalmau

Adrian Piper wird mit Kaiserring 2021 ausgezeichnet

Piper gilt als einflussreiche Künstlerin und Philosophin. Sie hat die Konzeptkunst in den USA geprägt. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen