Stand: 04.02.2017 12:10 Uhr  | Archiv

Vergießt VW-Betriebsrat Krokodilstränen?

VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh spricht vor Pressevertretern. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh ist Mitglied des Gremiums im Aufsichtsrat, das über die Vorstandsvergütung befindet (Archvbild).

Führende Betriebsräte im Volkswagen-Konzern haben sich am Freitag zu Wort gemeldet und die hohen Vorstandsvergütungen bei VW kritisiert. Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh etwa forderte in der "Braunschweiger Zeitung" mit Blick auf den millionenschweren Abgang des bisherigen Vorstandsmitglieds Christine Hohmann-Dennhardt: "Es passt nicht ins Bild: Leiharbeiter werden vom Vorstand abgemeldet, und gleichzeitig geht ein Vorstandsmitglied mit Millionen aus der Tür." Überrascht dürfte Osterloh über die Zahlen allerdings nicht gewesen sein. Schließlich ist er Mitglied des sechsköpfigen Zirkels innerhalb des VW-Aufsichtsrates, der über die Höhe der Vergütung für die einzelnen Vorstandsmitglieder befindet. Seine kritischen Anmerkungen erwecken den Anschein, auf die Entscheidungen anderer abzuzielen - aber vergießt Osterloh damit nicht auch öffentlich Krokodilstränen über sein eigenes Verhalten?

Zahlungen für Konzernwechsler üblich

Als Selbstkritik will der Arbeitnehmervertreter seine Äußerungen zwar nicht verstanden wissen. Doch gerade der Fall von Hohmann-Dennhardt eignet sich dafür, die Überraschung der Arbeitnehmerseite zu hinterfragen. Die ehemalige Verfassungsrichterin erhielt neben ihrer vertraglich vereinbarten Vergütung eine millionenschwere Kompensation für ihren Wechsel vom Daimler-Konzern - ein durchaus übliches Prozedere in Vorständen großer Unternehmen. Im aktuellen VW-Vorstand trifft dies auf den ehemaligen BMW-Vorstand Herbert Diess und den ehemaligen Daimler-Vorstand Andreas Renschler zu, die ebenfalls mehrere Millionen Euro aufgrund ihrer Wechsel erhielten - so beschloss es der Aufsichtsrat.

Hück moniert fehlende Leistungsanreize

Doch auch der oberste Arbeitnehmervertreter der VW-Tochter Porsche, Uwe Hück, ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, monierte die aus seiner Sicht zu hohen Zahlungen und bemängelte dabei insbesondere deren Begründung: "Eine intergalaktische Vorstandsvergütung kann es nur bei einer intergalaktischen Leistung geben", sagte Hück der Deutschen Presse-Agentur. "Sonst versteht das draußen keiner." Die leistungsabhängigen Anteile machen indes bei den meisten VW-Vorstandsmitgliedern den weitaus größten Teil der Vergütung aus. Und die Kriterien dafür - etwa die Kundenzufriedenheit oder das Operative Ergebnis - wurden ebenfalls von Arbeitnehmervertretern im entsprechenden Gremium des Aufsichtsrats mit beschlossen.

Mosch: "Das schadet dem Konzern"

Auch Audi-Betriebsratschef Peter Mosch polterte: "Wir haben als Arbeitnehmervertreter jetzt langsam genug. Das alles schadet dem Konzern und den Arbeitsplätzen." Die üppigen Bonuszahlungen für Manager fließen bei dem Autobauer allerdings bereits seit vielen Jahren. Und Osterloh, Hück und Mosch gehörten als Aufsichtsratsmitglieder zu denjenigen, die von diesen Vergütungen zuerst wussten.

Weitere Informationen
Ferdinand Piech. © picture alliance / dpa Foto: Julian Stratenschulte

VW-Skandal: Piëch belastet Winterkorn mit Aussage

Im VW-Skandal hat Ferdinand Piëch vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Nach "Spiegel"-Informationen belastet er mit seinen Aussagen Ex-Chef Winterkorn. Der Konzern schweigt zum Bericht. (03.02.2017) mehr

Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstand Integrität und Recht, sitzt bei der Bilanzpressekonferenz der Volkswagen AG im VW Werk in Wolfsburg. © dpa - Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow

Landtag kritisiert Abfindung für VW-Juristin

Die Abfindung für die scheidende VW-Juristin Hohmann-Dennhardt ärgert die Landtagsfraktionen. Die CDU wirft Weil vor, er komme seiner Verantwortung im Aufsichtsrat nicht nach. (01.02.2017) mehr

Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG im Ressort "Integrität und Recht". © picture alliance / dpa Foto:  Bernd Weissbrod

VW: Hohmann-Dennhardt kassiert Millionenabfindung

Das scheidende VW-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt bekommt nach Medienberichten eine Millionenabfindung. Vergangene Woche hatte Volkswagen ihren Rücktritt angekündigt. (31.01.2017) mehr

Das Logo eines VWs ist im Vordergrund zu sehen. Im Hintergrund leuchtet der VW-Turm unscharf. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Ab in den Urlaub: VW-Chefs zahlen künftig selber

Nach den Einschnitten für die VW-Belegschaft trifft es möglicherweise bald auch die Vorstände. Nach NDR Informationen könnte es neue Vergütungsregeln geben - nicht nur bei den Firmenjets. (05.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.02.2017 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Berg Zuckerrüben auf einem schneebedeckten Feld. © picture alliance/Armin Weigel Foto: Armin Weigel

Zuckerrüben-Ernte im Norden: Regional große Unterschiede

Bei Nordzucker in Schladen fällt die Bilanz gut aus, insgesamt ist sie durchschnittlich. Ein Virus bereitet Sorgen. mehr

Vor einem Autobahnschild ist ein Baustellenschild zu sehen. © picture alliance/zb/dpa Foto: Jan Woitas

A7 wird in der Nacht zu Freitag teilweise gesperrt

Der Grund sind Reparaturarbeiten an der Fahrbahn zwischen Hannover und Göttingen. mehr

Jemand trägt den Kaiserring der Stadt Goslar am Ringfinger. © NDR

Adrian Piper wird mit Kaiserring 2021 ausgezeichnet

Piper gilt als einflussreiche Künstlerin und Philosophin. Sie hat die Konzeptkunst in den USA geprägt. mehr

Symbolbild Polizei, Wagen und Uniformierter © dpa

Zweifelhafte Corona-Atteste: Razzia in Arztpraxis

Eine 45-jährige Medizinerin aus Duderstadt soll mindestens 16 falsche Atteste für Masken-Verweigerer ausgestellt haben. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen