Stand: 23.03.2017 17:12 Uhr

VW: Verhandlung um Boni für Ex-Vorstand vertagt

Es war zu erwarten: Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig ist am Donnerstag eine Güteverhandlung zwischen dem früheren VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer und Volkswagen ohne Ergebnis geblieben. Neußer hat das Unternehmen auf die Nachzahlung eines Bonus von rund 1,4 Millionen Euro für das Jahr 2015 verklagt. Er selbst erschien nicht zu dem Gerichtstermin. Die Anwälte beider Seiten wollten sich nach der Verhandlung nicht äußern. Der nächste Gerichtstermin ist für den 27. Juni geplant, dann könnte eine Entscheidung fallen. Für diesen Tag ordnete Richter Lutz Bertram das persönliche Erscheinen Neußers und eines Vertreters des Unternehmens an. Neußer musste als einer der ersten Manager wegen des Abgas-Skandals das Unternehmen verlassen.

Höhe der Bonuszahlungen für VW-Manager variiert

VW hatte einen Teil der Vorstandsboni wegen des Abgas-Skandals zurückgehalten. Weitere Bonuszahlungen hatte Neußer nach Angaben eines Gerichtssprechers allerdings erhalten. "Streitig ist, dass der Kläger nach seinem Dienstvertrag grundsätzlich einen Anspruch auf einen Bonus hat, der sich aus drei Komponenten zusammensetzt", sagte Bertram gegenüber NDR 1 Niedersachsen. "2013 und 2014 hat er die hier streitige Bonuskomponente auch erhalten, für das Jahr 2015 aber nicht." Kompliziert werde es dadurch, dass die Höhe der Bonuszahlungen für VW-Manager variiert: "Der Vertrag ist so gestaltet, dass das Unternehmen nach sogenanntem billigen Ermessen die Höhe des Bonus festlegen kann. Und theoretisch ist da die Bandbreite von null bis zu einem bestimmten Betrag möglich. Warum die Bonuskomponente auf 0 festgesetzt wurde, muss das Unternehmen jetzt begründen."

War Neußer frühzeitig über Manipulationen informiert?

Neußer war im September 2015 zusammen mit weiteren führenden Managern kurz nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn beurlaubt worden. Der Verdacht: Er soll als früherer Leiter der Motorenentwicklung möglicherweise frühzeitig über die Manipulationen informiert gewesen sein. In den USA gehört Neußer zu den sechs VW-Managern, die wegen des Dieselbetrugs angeklagt sind. Gegen einen siebten ermitteln die Behörden, er gehört allerdings als Kronzeuge nicht zu den Angeklagten.

Altersgrenze für Mitglieder des Vorstandes

Während die Güteverhandlung am Arbeitsgericht scheiterte, ist bei VW am Donnerstag eine andere Entscheidung besiegelt worden: Der Autobauer hat eine Altersgrenze für Mitglieder des Vorstandes eingeführt. Laut einem Bericht des "Manager Magazins" sollten sie mit 65 Jahren ausscheiden. Eine Verlängerung um drei Jahre sei demnach nur mit Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat möglich. Im aktuellen Volkswagen-Vorstand ist nur der für China verantwortliche Jochem Heizmann älter als 65. Altersgrenzen für Vorstände sind nicht unüblich. Bei BMW und beim größten europäischen Versicherungskonzern Allianz gilt zum Beispiel eine Altersgrenze von 60 Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.03.2017 | 16:00 Uhr

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