Stand: 20.03.2019 15:52 Uhr

VW: Schlagabtausch zwischen Osterloh und Diess

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Konzernchef Diess (re.) ist auf Sparkurs, Betriebsratschef Osterloh will Stellen retten. (Archivbild)

Der Volkswagen-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hat am Mittwoch gefordert, die Beschäftigungsgarantie für die Belegschaft zu verlängern. Statt wie bisher bis 2025 solle die Garantie für die Mitarbeiter der Kernmarke VW bis 2028 laufen, sagte Osterloh auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Rund 20.000 VW-Mitarbeiter hatten sich Teilnehmern zufolge versammelt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Osterloh und Konzernchef Herbert Diess lieferten sich einen Schlagabtausch. Diess verteidigte vor den VW-Beschäftigten seinen Sparkurs: "Wir können uns nicht wegducken und hoffen, dass alles wieder so wird wie früher."

Wechsel zu E-Mobilität kostet - auch Arbeitsplätze

Den eingeschlagenen Weg halte er für alternativlos - das machte Diess in Wolfsburg deutlich. Volkswagen hatte kürzlich angekündigt, bis zu 7.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu streichen. Grund ist der Schwenk hin zu mehr digitaler Technik und Elektromobilität. Der Konzern müsse mit seinen Autos deutlich mehr Geld verdienen, um in die Zukunft investieren zu können. Das wisse auch der Betriebsrat, sagte Diess, der jedoch zugleich betonte, wie sehr er Bernd Osterloh schätze.

  • Herbert Diess

    "Wir müssen schlanker, beweglicher, schneller werden, um beim Tempo der neuen Wettbewerber mitzuhalten. (...) Wir können uns nicht wegducken und hoffen, dass alles wieder so wird wie früher, dass wir einfach so weitermachen können wie immer. Das weiß das Management. Das weiß auch der Betriebsrat. Und das weiß natürlich auch Bernd Osterloh."

  • Bernd Osterloh

    Zu Fehlern und Verlusten, die "alleine auf das Konto des Managements" gehen: "Bevor all diese Fragen nicht beantwortet und mit klaren Vereinbarungen versehen sind, wie wir diese Fehler beheben, werden hier keinerlei Gespräche zu weiteren Effizienzsteigerungen stattfinden. Denn: Diese Belegschaft hat 2018 einmal mehr bewiesen, dass sie liefert, wenn es schwierig wird. Jetzt liefern endlich auch Sie!"

  • Herbert Diess

    "Ein E-Auto wird mit etwa 30 Prozent weniger Arbeit hergestellt als ein Verbrenner. Es wird schwer, das nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu bewältigen. In den nächsten Jahren bewegen sich die geburtenstarken Jahrgänge in Richtung Rente. Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat alles daransetzen, diese Möglichkeiten maximal auszuschöpfen. Das gilt für die Produktion und auch für die Verwaltung."

  • Bernd Osterloh

    Zum Stellenabbau: "Mit uns ist das nur Bereich für Bereich machbar. Und zwar mit der Systematik des Volkswagen-Weges: Da müssen Sie uns nachweisen, dass tatsächlich die Arbeit entfällt, damit ein Arbeitsplatz nicht wiederbesetzt wird. Solange das nicht der Fall ist, wird hier jede Stelle nachbesetzt."

  • Herbert Diess

    "Bernd Osterloh und ich sind nicht immer einer Meinung. Wir reiben uns. Und manchmal streiten wir auch. Aber die Ziele sind häufig dieselben. (...) Ich fordere aber meistens ein höheres Tempo. Das ist aus meiner Sicht überlebenswichtig für Volkswagen. Ich schätze Bernd Osterloh. Weil er den Konzern kennt wie kein Zweiter. Weil er kein Blockierer ist, sondern im Gegenteil wie ein Unternehmer im Unternehmen denkt. Und weil er immer für Volkswagen und für diese Belegschaft kämpft."

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Osterloh: Erst mal Fehler beheben

Betriebsratschef Osterloh betonte hingegen erneut, er wolle nur über einen zusätzlichen Stellenabbau verhandeln, wenn der Vorstand Fehler aus der Vergangenheit aufkläre und behebe. Als Beispiele nannte er "eine hochriskante Einkaufsstrategie, erhebliche Verzögerungen in zentralen Fahrzeugprojekten und gebrochene Zusagen aus der erst kürzlich verabschiedeten Planungsrunde", außerdem Milliarden-Verluste wegen des neuen Abgastests WLTP - diese habe nicht die Belegschaft zu verantworten. Stellen dürften nur abgebaut werden, wenn tatsächlich auch die Arbeit wegfalle. Der Betriebsratschef hatte bereits vorab klar gemacht, dass ein "Streich-Programm" mit ihm nicht zu machen sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.03.2019 | 15:00 Uhr

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