Stand: 25.04.2015 22:08 Uhr  | Archiv

VW-Machtkampf: Piëch tritt zurück

Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist von seinem Amt zurückgetreten. Er erklärte mit sofortiger Wirkung die Niederlage des Vorsitzes und der Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der Volkswagen AG und aller anderen Aufsichtsratsmandate im Konzern. Auch seine Frau Ursula Piëch gibt ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab, wie der Konzern am Sonnabend in einer Pflichtmitteilung mitteilte. Piëchs Stellvertreter im Aufsichtsrat, der ehemalige IG-Metall-Chef Berthold Huber, werde bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden kommissarisch die Leitung des Gremiums übernehmen. Huber sagte am Sonnabend in Hannover: "Ferdinand Piëch hat sich große Verdienste um Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie erworben." Die letzten zwei Wochen hätten jedoch zu einer Verunsicherung bei den Beschäftigten von VW geführt. "Diese Verunsicherung musste heute beendet werden", so Huber.

Ferdinand Piëch - das Leben des VW-Patriarchen

"Notwendige Vertrauen ist nicht mehr gegeben"

Das VW-Präsidium teilte am Sonnabend mit, die Mitglieder hätten "einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist". Die Aufsichtsratsspitze hatte sich am Sonnabend nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Braunschweig am Flughafen getroffen. Am Ende der mehrstündigen Beratungen stand fest, dass Piëch gehen wird. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch dem VW-Präsidium angehört, sagte am Samstagabend in Hannover:

"Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen. (...) Das Präsidium musste deshalb die notwendige Klarheit schaffen. Ich bedauere (...) den Rücktritt von Ferdinand Piëch, der allerdings am Ende unausweichlich gewesen ist. Ohne zu übertreiben, ist festzustellen, dass er eine der bedeutenden Persönlichkeiten der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte ist."

Unter Druck im eigenen Aufsichtsrat

Der 78-jährige VW-Patriarch war bereits zuvor im Aufsichtsrat unter Druck geraten. Er sei als Aufsichtsratsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns nicht mehr tragbar, sagten mehrere Mitglieder des 20-köpfigen Gremiums, wie der "Spiegel" am Freitag berichtete. Die Kritiker warfen ihm demnach vor, er hintertreibe den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums vom 17. April, indem er weiter versuche, den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abzusetzen. Das füge VW schweren Schaden zu.

Aktionärsschützer: Verunsicherung bei den Mitarbeitern

Zuvor hatten auch Aktionärsschützer und Branchenexperten vor einer massiven Verunsicherung bei einem länger anhaltenden Machtkampf an der VW-Spitze gewarnt. Der insgesamt noch erfolgsverwöhnte Autobauer müsse aufpassen, sein Kapital bei kleineren Aktionären, aber auch bei vielen Beschäftigten nicht zu verspielen, sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Freitag. "Es ist ja klar, dass nun nicht nur 600.000 Mitarbeiter erst einmal den Atem anhalten." Natürlich sehe man eine Verunsicherung.

Nur wenige Tage Ruhe im Konzern

Die Entscheidung des VW-Aufsichtsratspräsidiums zugunsten Winterkorns hatte nur für wenige Tage für Ruhe im Konzern gesorgt. Nach NDR Informationen versuchte Piëch, in seiner Familie und der Familie Porsche eine Mehrheit für die Ablösung von Winterkorn zu organisieren. Demnach wollte Piëch noch vor der VW-Hauptversammlung in der kommenden Woche den Aufsichtsrat über einen neuen Kandidaten abstimmen lassen und Winterkorn damit doch noch kurzfristig absetzen.

Keine Aussagen zum möglichen Nachfolger

Ministerpräsident Weil sagte am Sonnabend, man werde nun "in Ruhe und Umsicht beraten", wer den Posten von Piëch übernehmen solle. Es gebe keinen Grund zur Eile - Ziel sei es, dass das Gremium einen einstimmigen Vorschlag unterbreite. Ob Konzernchef Martin Winterkorn dabei eine Rolle spiele, wollten weder Weil noch der kommissarische Aufsichtsratschef Huber kommentieren. "Wir werden dazu keine Aussagen machen. Wir wollen keine Personaldebatte mit einer anderen ablösen", betonte Weil. Winterkorn war bis zum Bruch mit Piëch lange Zeit als dessen Nachfolger gehandelt worden.

Weitere Informationen
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Hallo Niedersachsen | 25.04.2015 | 19:30 Uhr

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