Stand: 12.03.2019 12:11 Uhr

VW-Bilanz: Abgastest WLTP macht Marken zu schaffen

Gibt sich trotz zahlreicher Probleme gelassen: VW-Vorstandschef Herbert Diess bei der Präsentation der Geschäftszahlen in Wolfsburg.

Die Dieselkrise, Probleme bei der Einführung des neuen Abgasprüfstandards WLTP und ein schwächelnder Markt in China haben Volkswagen vergangenes Jahr hart getroffen. Dennoch habe sich der Konzern "2018 ordentlich geschlagen", sagte Vorstandschef Herbert Diess bei der Präsentation der Geschäftszahlen am Dienstag in Wolfsburg. 10,83 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge (plus 0,9 Prozent) seien ein Rekordwert. Zudem sei der nach Steuern um sechs Prozent auf 12,15 Milliarden Euro gestiegen, sagte der Konzernchef. "2019 wird der Gegenwind in wichtigen Märkten nochmals stärker werden." Dennoch erwartet Diess ein Umsatzplus von bis zu fünf Prozent auf den Vorjahreswert von 235,8 Milliarden Euro.

Eine Milliarde Euro wegen WLTP-Problemen eingebüßt

Die zwei großen Konzernmarken büßten im vergangenen Jahr vor allem wegen der Einführung der neuen Abgas- und Verbrauchstests teilweise deutlich an Gewinn ein. Wegen fehlender Zulassungen konnte das Unternehmen viele Modelle über längere Zeit nicht anbieten. "Da waren wir nicht optimal vorbereitet", sagte Konzernchef Diess am Dienstag. Besonders habe es die Kernmarke VW Pkw und Premiumtochter Audi getroffen. Die Gesamtkosten des WLTP-Problems beziffert der Konzern bislang auf mehr als eine Milliarde Euro. Daneben kosteten das Unternehmen höhere Rabatte einiges Geld, unter anderem die sogenannte Umweltprämie für den Umtausch alter Dieselautos. Aber auch Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Elektromodelle schlugen negativ zu Buche.

Das neue Testverfahren WLTP

Die Verbrauchs- und Schadstoffangaben der Fahrzeughersteller sollen künftig realitätsnäher sein. Das soll durch das "Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure" (WLTP) erreicht werden. Das neue Testverfahren zur Bestimmung von Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch gilt ab dem 1. September 2018 EU-weit für die Typzulassung neuer Pkw. Das WLTP ersetzt den seit 1992 gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Im Unterschied zum NEFZ gelten neue Beschleunigungs- und Geschwindigkeitswerte. Außerdem müssen die Hersteller künftig alle Ausstattungsvarianten eines Modells testen lassen. Durch diese Faktoren dürften die ermittelten Kraftstoffverbräuche spürbar über den bisherigen Werten liegen.

Audi machen Nachlässe wegen Lieferproblemen zu schaffen

Bei VW Pkw fiel das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen von 3,3 auf 3,2 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz um 6,8 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro kletterte. Die Umsatzrendite fiel auf 3,8 Prozent. Sie gibt an, wie viel vom Umsatz als Betriebsgewinn übrig bleibt. Damit verfehlte VW das selbst gesetzte Ziel, zumindest das untere Ende der Bandbreite von vier bis fünf Prozent zu erreichen. Der Umsatz von Audi ging leicht auf 59,2 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel von 5,1 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden. Audi hatte im vergangenen Jahr weniger Autos verkauft und auch höhere Nachlässe geben müssen, weil viele Kunden ihre Wunschmodelle nicht bekommen konnten. Die Sportwagentochter Porsche steigerte ihren Umsatz um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 2,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu. Die Stuttgarter sind mit ihren Luxusautos die Renditeperle im Konzern.

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Hohe Kosten durch Dieselaffäre und Neuausrichtung

Die Dieselaffäre kostete VW im vergangenen Jahr erneut viel Geld - die Kosten im Zusammenhang mit der Software-Manipulation bei Dieselmotoren kletterten um weitere 3,2 Milliarden Euro auf rund 29 Milliarden Euro. Geld, das das Unternehmen an anderer Stelle gut gebrauchen könnte: Volkswagen will Milliardenbeträge in die Neuausrichtung auf Elektroantriebe stecken, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Ende dieses Jahres soll das erste Modell der Elektro-Reihe ID auf den Markt kommen. VW kündigte zudem am Dienstag an, binnen zehn Jahren 22 Millionen batteriegetriebene Fahrzeuge auf den neuen Elektroplattformen zu bauen, sieben Millionen mehr als bisher schon in Aussicht gestellt. Die Zahl der in diesem Zeitraum geplanten neuen E-Modelle steigt auf fast 70 von bisher angekündigten 50 Modellen.

Konflikt mit Aktionär Porsche und Betriebsrat Osterloh

Neben Absatz- und Lieferschwierigkeiten machen Volkswagen derzeit mehrere interne Probleme zu schaffen. Vergangene Woche ließ Großaktionär Wolfgang Porsche wissen, dass er die Kernmarke Volkswagen Pkw für reformbedürftig hält, sprach von Verkrustungen in Wolfsburg und griff damit den bei VW traditionell starken Betriebsrat frontal an. Die Äußerungen des mächtigen Aufsichtsratsmitglieds sorgten auf Arbeitnehmerseite für Befremden. Auch ein neues Sparprogramm mit möglicherweise rund 5.000 wegfallenden Stellen, über das das "Handelsblatt" berichtet hat, missfiel dem Betriebsrat. Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh verwies auf "Managementfehler" vor allem bei WLTP und forderte personelle Konsequenzen.

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Niedersachsen 18.00 | 12.03.2019 | 18:00 Uhr

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