Stand: 09.11.2019 19:39 Uhr

Tausende feiern Tag der Grenzöffnung in Marienborn

Ministerpräsident Weil (von links), Ministerin Grütters, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und Landtagspräsidentin Brakebusch eröffnen das Informationssystem in Marienborn.

Am 9. November 1989 verliert der Grenzübergang Marienborn seinen Schrecken. Wo zuvor täglich etwa 12.000 Fahrzeuge abgefertigt und ihre Insassen schikaniert wurden und sich Schicksale entschieden, herrscht plötzlich pure Freude über die Grenzöffnung. An diesen Tag haben am Sonnabend Tausende Menschen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in einer gemeinsamen Feier der Länder erinnert. An dem "Wahnsinn vor 30 Jahren" müsse man sich auch heute noch freuen, sagte Braunschweigs Landesbischof Christoph Meyns in einem ökumenischen Gottesdienst. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte Grenzöffnung und Mauerfall ein "unfassbares Wunder".

Eröffnung der Gedenkstätte in Marienborn

30 Jahre Mauerfall: Gedenken in Marienborn

Hallo Niedersachsen -

Am früheren innerdeutschen Grenzübergang haben Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gemeinsam der Teilung gedacht. Neben Politikern kamen auch Zeitzeugen, die damals "live" dabei waren.

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Weil: Mutige Bürger gehören in Mittelpunkt des Tages

"Das ist vor allem Hunderten aufrechten Bürgern der DDR zu verdanken, die den Mut und die Zivilcourage hatten, etwas Besseres aus ihrem Leben und der Gesellschaft zu machen", sagte Weil in Marienborn. Diese Menschen gehörten in den Mittelpunkt des Tages. Zudem appellierte Weil daran, sich nicht kleinreden und miesmachen zu lassen, was in den vergangenen 30 Jahren geschafft worden sei.

Haseloff: Marienborn lässt niemanden gleichgültig zurück

"Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Die Demokratie sei eine große zivilisatorische Errungenschaft der Geschichte. "Uns dessen stets bewusst zu sein, sind wir den Opfern von Mauer, Stacheldraht und Diktatur schuldig." Man brauche authentische Erinnerungsorte, betonte Haseloff. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn lasse niemanden gleichgültig zurück.

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Der 9. November 1989 - ein ergreifender Tag

09.11.2019 19:30 Uhr
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Was geschah am 9. November 1989 und in den Tagen danach? Im Hallo Niedersachsen Archiv versammeln sich bewegende Bilder aus der ersten Woche nach dem Mauerfall. Video (02:11 min)

Grütters betont Bedeutung von Gedenkstätten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hob ebenfalls die Bedeutung der Arbeit der Gedenkstätten und die wissenschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur hervor. Beides sei wichtig gegen Geschichtsklitterung und Legendenbildung. Grütters hatte zuvor mit den beiden Ministerpräsidenten ein neues Besucher-Informationssystem auf dem Gelände eröffnet. Große, begehbare Informationselemente - sogenannte Zeitschleusen - bieten den Gästen mit Bildern und kurzen Texten Einordnung des historischen Ortes.

Bischöfe Meyns und Kramer sprechen

Bei einem ökumenischen Gottesdienst sprachen Friedrich Kramer, Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), und der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Meyns, über die Zeit der Trennung, die Hoffnung der Wiedervereinigung und von ihren persönlichen Erinnerungen. Bischof Kramer sagte, damals seien sich die Menschen völlig freundlich begegnet. Diese Freundlichkeit gegenüber Fremden sei in den vergangenen Jahren abhanden gekommen. Dabei stecke darin auch Kraft und Heil. Es sei wichtig miteinander zu sprechen und nicht auszugrenzen, mahnte Kramer. Landesbischof Meyns sagte, das Braunschweiger Land sei durch die Teilung auch "wie ein Blinddarm abgeschnitten" gewesen.

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BAP und die abgesagte DDR-Tournee

09.11.2019 19:30 Uhr
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1984 wollte die Kölner Band BAP eigentlich auf große DDR-Tournee gehen. Doch wegen eines Liedtextes platzte das Vorhaben. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken erinnert sich. Video (04:22 min)

BAP-Sänger Niedecken singt zum Abschluss

Zum Abschluss der Feierlichkeiten und des Festivals "Grenzenlos" sollte am Abend BAP-Sänger Wolfgang Niedecken mit dem Bundesjazzorchester auftreten. Auch er hatte mit der DDR schlechte Erfahrungen gemacht: Nach ihrem Durchbruch mit dem Lied "Verdamp lang her" plante Niedecken mit seiner Band 1984 eine DDR-Tournee, zu der es aber nie kam. Die Kölner reisten am Vorabend des ersten Konzerts in Ostberlin aus Protest ab, nachdem die DDR-Führung von ihnen verlangt hatte, auf pazifistische Texte wie "Macht eine SS 20 zu einem Traktor und eine Pershing zu einer Lok" zu verzichten.

Marienborn - seit 1996 Gedenkstätte

Der Grenzübergang Helmstedt-Marienborn war der größte und bedeutendste an der innerdeutschen Grenze außerhalb Berlins. 1985 passierten fast 4,5 Millionen Fahrzeuge den Grenzübergang, täglich wurden durchschnittlich 12.320 abgefertigt. Rund 1.000 Menschen leisteten auf dem rund 35 Hektar großen Gelände zu DDR-Zeiten ihren Dienst. 1996 wurde das Gelände an der Autobahn 2 zur Gedenkstätte.

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Was uns trennt, was uns verbindet - eine Bilanz

09.11.2019 19:30 Uhr
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NDR Reporter haben in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Menschen 30 Jahre nach dem Mauerfall gefragt, was uns in Ost und West noch trennt - und was uns verbindet. Eine Bilanz. Video (05:45 min)

Sieben Hektar deutsch-deutsche Geschichte

Der Grenzübergang Helmstedt/Marienborn war einer der größten zwischen Ost und West. Schikanös ging es hier bis 1989 zu, heute erinnert eine Gedenkstätte an die deutsche Teilung. mehr

30 Jahre grenzenlos - Das Dossier zum Mauerfall

Massenfluchten und Montagsdemos bringen im Herbst 1989 das DDR-Regime ins Wanken. Am 9. November fällt überraschend die Mauer in Berlin. Das Dossier zu einer bewegten Zeit. mehr

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30 Jahre - 30 Orte: Schorse in Marienborn

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Schüssel-Schorse macht auf seiner Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze auch an der martialischen Grenzabfertigungs-Stelle in Marienborn halt. Video (02:11 min)

TV-Nachrichten von beiden Seiten der Mauer

Anfang November 1989 überstürzen sich die Ereignisse in der DDR. Wie berichtet die Tagesschau im Westen, wie die Aktuelle Kamera im Osten in den Tagen vor dem Mauerfall? mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.11.2019 | 19:30 Uhr

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