Stand: 02.11.2018 10:03 Uhr

Polizei simuliert Unfall - und kaum jemand hilft

Eine Landstraße, ein verunfallter Kleinwagen - und keine Hilfe weit und breit. Das Fazit der Northeimer Polizei nach der Unfallsimulation fällt ernüchternd aus.

Am Straßenrand steht ein beschädigtes Auto, das offensichtlich einen Unfall hatte - keine ungewöhnliche Szene. Doch wer hält tatsächlich an, steigt aus, erkundigt sich nach dem Wohlbefinden der Insassen, hilft, wählt den Notruf? Die Northeimer Polizei wollte in Einbeck genau das testen: Wie viele Autofahrer stoppen bei einem Unfall und leisten Erste Hilfe? Dazu haben die Beamten ein Schrottauto mit einem geschminkten Unfallopfer am Rand einer Landstraße platziert. Was dabei herausgekommen ist, macht allerdings wenig Hoffnung für Autofahrer in realer Not.

Polizistin redet mit einem im Auto sitzenden Autofahrer

Polizei testet Hilfsbereitschaft bei Unfällen

Hallo Niedersachsen -

Mit einem fingierten Autounfall bei Einbeck wollte die Polizei die Hilfsbereitschaft der Niedersachsen prüfen. Das Ergebnis war besorgniserregend - kaum jemand hielt an.

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Nur 25 von 200 Autos halten an

"Es ist erschreckend, gleich die ersten 20 Autos sind einfach durchgefahren, ohne sich um den Unfall zu kümmern", sagte der Einsatzleiter der Northeimer Polizei, Dirk Johanning. Rund 200 Fahrzeuge seien in einer guten halben Stunde an der Unfallstelle vorbeigefahren, nur etwa 25 hätten angehalten und versucht, dem Fahrer zu helfen.

Sechs Mal wird der Notruf gewählt

Die Beamten hatten in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz einem Mitarbeiter eine Kopfplatzwunde geschminkt und ihn in das Unfallauto gesetzt. Der Kleinwagen war mit eingedrückter Front und gesplitterter Scheibe direkt an einem Baum platziert worden. Obwohl der Mann offensichtlich Hilfe gebraucht hätte, seien nur fünf Notrufe bei der Feuerwehr und einer bei der Polizei eingegangen. Viele hätten den Unfall ignoriert.

Auf schnelle Hilfe kommt es an

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Alles nur Schminke: Der "Verletzte" sitzt in einem zerstörten Wagen. Dennoch hielten nur wenige Autofahrer an, um zu helfen.

Bei einem echten Unfall könne so etwas auch juristische Konsequenzen haben, betonte Johanning. Von den Autofahrern, die vorbeigefahren sind, haben die Beamten knapp 50 herausgewunken und sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Die Northeimer Polizei will mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass es in Notsituationen darauf ankomme, schnell Hilfe zu leisten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 02.11.2018 | 06:30 Uhr

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