Blick auf das VW-Markenhochhaus in Wolfsburg. © picture alliance/Fotostand/Matthey Foto: Matthey

Nach Betriebsrats-Kritik: VW-Vorstand Diess kippt USA-Reise

Stand: 27.10.2021 21:59 Uhr

VW-Vorstand Herbert Diess hat im Streit mit dem VW-Betriebsrat nachgegeben. Der Konzernchef hat eine für kommende Woche geplante USA-Reise abgesagt, um an einer Betriebsversammlung teilzunehmen.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Mittwoch, dass Diess in Wolfsburg bleiben und sich auf der Versammlung den Fragen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen werde. Eine für den Donnerstag geplante eigene Dialogveranstaltung sei abgesagt worden. Auf der USA-Reise waren dem Sprecher zufolge vor einiger Zeit Termine mit Investoren, Politikern und Mitarbeitenden angesetzt worden. Ursprünglich hieß es, diese hätten kurzfristig nicht abgesagt werden können.

Diess: Dialog mit Belegschaft ist wichtig

Im Mitarbeiterportal betonte Diess nach Angaben des Unternehmens, der Dialog mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei ihm "sehr wichtig, da vor uns gewaltige Aufgaben liegen, insbesondere an unserem Stammsitz in Wolfsburg". Um an der Betriebsversammlung physisch teilzunehmen, verschiebe er "die wichtige Reise" im Kernmarkt USA. Das geplante Dialogformat werde er später nachholen, ergänzte Diess.

Betriebsratschefin Cavallo geht Diess hart an

Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte Diess' USA-Pläne am Mittwoch scharf kritisiert. "Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor", hatte Cavallo mitgeteilt. Dessen Verhalten sei in der Geschichte des Konzerns beispiellos und zeige, dass Diess selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft habe. "Diese Provokation zeigt uns, dass Herr Dr. Diess weiterhin keinerlei Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit hat", so Cavallo weiter.

Betriebsrat wegen geringer Auslastung des Werks besorgt

Der Betriebsrat in Wolfsburg ist alarmiert, weil das VW-Hauptwerk in Wolfsburg nicht ausgelastet ist. In diesem Jahr könnte dort so wenig produziert werden wie zuletzt Ende der 1950er-Jahre. Die Belegschaftsvertretung verlangt deshalb bereits seit Längerem, dass an dem Standort neben dem ab 2026 geplanten Projekt "Trinity" ein weiteres Elektromodell angesiedelt wird.

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Aktuell | 28.10.2021 | 08:00 Uhr

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