Stand: 22.07.2020 19:50 Uhr

Mehrere Metallbetriebe im Harz stehen vor dem Aus

Ein gemeinsames Verwaltungsgebäude der Norzinco GmbH und der Harz-Metall GmbH auf der ehemaligen Zinkhütte Harlingerode. © Creative Commons Attribbution-Share Allike 3.0 Unported Foto: Matthias Becker
Gleich drei Betriebe im Harz sind von der Insolvenz betroffen. (Archivbild)

Gleich drei großen Chemie- und Metallbetriebe im Harz droht schon Ende Juli das Aus. Die französische Recylex Gruppe hat für die Standorte in Oker, Langelsheim und Goslar Insolvenz beantragt. Insgesamt sind rund 300 Arbeitsplätze betroffen. Am Mittwoch haben die Gewerkschaften die Mitarbeiter über den Stand der Dinge informiert.

Altlasten und Corona sind Hauptprobleme

"Die Stimmung war natürlich am Boden, erst einmal wurde ja den Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie freigestellt werden", sagte Sascha Rossmann von der IG Metall. "Das war schon sehr emotional." Rossmann kündigte an, dass bis zum letzten Tag gekämpft werde. Allerdings stehen die Chancen für die Mitarbeiter nicht gut. Ein Grund ist die Corona-Krise und die dadurch fehlenden Aufträge. Außerdem blieb die Suche nach neuen Investoren bislang erfolglos. Die würden nicht kommen, solange ihnen das Land nicht die Kosten für die Altlasten auf den Betriebsgeländen abnehme, sagte ein Unternehmenssprecher. Mathias Heiden von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) will das so nicht gelten lassen: Die Eigentümer hätten viele Chancen versäumt, das Geschäft weiter zu entwickeln und Investoren zu finden. Auch für die Bleihütte Weser-Metall in Nordenham (Landkreis Wesermarsch) hat Recyclex Insolvenz angemeldet.

Weitere Gespräche mit Land geplant

Bis Freitag soll es erneut Gespräche mit dem Land Niedersachsen geben. Mit einem Vertrag, der mögliche Investoren davon befreit, die Altlasten zu entsorgen, könnten noch Arbeitsplätze gerettet werden. Gelingt dann kein Durchbruch, ist das Aus für die insgesamt rund 300 Mitarbeiter von Harz-Metall in Oker, PPM in Langelsheim und Norzinco in Goslar aber wohl besiegelt. In diesem Fall müssten die Arbeitsplätze so sozialverträglich wie möglich abgebaut werden. Das Geld für einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft sei immerhin vorhanden, so Gewerkschafter Heiden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 22.07.2020 | 17:00 Uhr

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