Stand: 15.07.2018 16:05 Uhr

Kritik nach "Hanfbar"-Durchsuchung: Alles legal?

In Braunschweig haben am Sonnabend Einsatzkräfte der Polizei das Geschäft "Hanfbar" am Friedrich-Wilhelm-Platz durchsucht. Nach Angaben eines Sprechers hatte es zuvor Hinweise gegeben, dass in dem am selben Tag eröffneten Laden unerlaubt Betäubungsmittel verkauft würden. Die Razzia war von der Staatsanwaltschaft Braunschweig angeordnet worden. Nach Angaben der Polizei am Sonntagnachmittag wurden rund 200 sogenannter Verkaufseinheiten mit Hanfblütentee beschlagnahmt und zur Analyse an das Landeskriminalamt (LKA) übergeben. Gegen den 27 Jahre alten Betreiber werde wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt, teilte die Polizei mit.

Einsatz während Eröffnungsfeier

Der am Sonnabend gegen 18.30 Uhr begonnene Polizeieinsatz hatte für Aufsehen gesorgt: Weil vor dem Lokal gerade ein Konzert stattfand, das Teil der Eröffnungsfeier war, beobachteten zahlreichen Menschen den Polizeieinsatz. Aufgrund der erwarteten Menschenmenge war die Polizei mit mehreren Einsatzwagen vor Ort.

Zweite Durchsuchung binnen weniger Wochen

Der Polizeieinsatz war bereits die zweite Durchsuchung einer "Hanfbar" in Braunschweig binnen weniger Wochen. Die 2017 eröffnete erste "Hanfbar"-Filiale in Braunschweig wurde am 3. Juli durchsucht, wie ein Polizeisprecher NDR sagte. Auch damals ging es um den Verdacht des Betäubungsmittelhandels. Nach Angaben von Bardia Hatefi, der mit Marcel Kain die "Hanfbar" betreibt, wurden im Zuge dessen auch die Wohnungen beider Männer sowie der noch im Aufbau befindliche Laden am Friedrich-Wilhelm-Platz durchsucht. In beiden Läden hätte die Polizei Anfang Juli etwa drei Kilogramm Hanfblütentee beschlagnahmt, sagte Hatefi NDR.de. Ungefähr dieselbe Menge sei an diesem Sonnabend von der Polizei mitgenommen worden, so der 37-Jährige. Noch hat sich der Verdacht offenbar nicht bestätigt: Nach Angaben der Braunschweiger Polizei vom Sonntag liegen von der ersten Razzia vom 3. Juli noch keine Ergebnisse vom LKA vor.

Besitzer spricht von "Farce"

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"Hanfbar"-Betreiber Hatefi äußerte scharfe Kritik am Vorgehen der Behörden. Die erneute Razzia vom Sonnabend versteht er als "Farce", wie er per Facebook mitteilte. Von der Eröffnung des ersten Ladens vor mehr als einem Jahr bis zu diesem Juli habe es keine Kontrollen durch die Behörden gegeben, sagte er NDR.de. Die nun erfolgten zwei Polizeieinsätze binnen weniger Wochen würde die Betreiber finanziell treffen: Die bei der ersten Razzia beschlagnahmte Menge Tee in seinem Laden würden einen Verkaufswert zwischen 20.000 und 30.000 Euro haben. Den Umfang der zweiten Razzia schätzt Hatefi auf ähnliche Ausmaße. Weil die Ware nun fehle und zudem auch die von ihm auf eine fünfstellige Summe geschätzten Tageseinnahmen vom Sonnabend beschlagnahmt wurden, habe dies Folgen. "Da kriegt man schon langsam Existenzängste", sagte Hatefi.

Hanfbar-Betreiber: Haben Nachweise für legalen Hanfblütentee

In der "Hanfbar" würden nach Betreiberangaben nur Lebensmittel aus "Nutzhanf" verkauft. Im Angebot seien neben Hanftee unter anderem Hanfsamen, Hanfkrem und Hanfpesto aber auch Smoothies und Snacks. Der THC-Gehalt aller verwenderter Hanfblüten läge unter 0,2 Prozent, heißt es auf der Homepage der "Hanfbar". Daher gelte er als "Nutzhanf", der in Deutschland legal angebaut und verwendet werden darf. Gleichwohl ist den Betreiber klar, dass ihre Produkte für die Polizei verdächtig sein könnten. Weil sich der "legale Hanfblütentee" mit bloßem Auge nicht von "THC-haltigen illegale Blüten" unterscheiden lasse, empfiehlt die "Hanfbar" ihren Käufern "einen vorsichtigen Umgang in der Öffentlichkeit und immer das Mitführen der Originalverpackung." In Sachen Hanfblütentee haben die Betreiber nach eigenen Angaben entsprechende Vorkehrungen getroffen. Für jede Charge seien Laborberichte vorhanden, anhand derer sie nachweisen könnten, dass diese den Grenzwert unterschreiten würden, sagte Hatefi. Seitens der Behörden habe diese aber bislang niemand sehen wollen, so der Betreiber.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.07.2018 | 08:00 Uhr

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