Stand: 10.11.2018 17:11 Uhr

Forscher finden multiresistente Keime auf Salat

von Oda Lambrecht und Christian Baars

Die Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig, der Bundesforschungseinrichtung für Kulturpflanzen, haben auf abgepackten Salaten und frischen Kräutern aus verschiedenen Supermärkten multiresistente Keime nachgewiesen. In einigen Proben fanden sie auch multiresistente Bakterien, gegen die also gleich mehrere Medikamente nicht mehr wirken. Diesen Nachweis bezeichnete der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, als "besorgniserregend". Wie groß das konkrete gesundheitliche Risiko ist, soll jetzt näher untersucht werden.

Ein mit Salat gefüllter Teller

Keime in abgepacktem Salat entdeckt

Hallo Niedersachsen -

Abgepackter Salat ist praktisch, jedoch häufiger als frischer Salat auch Nährboden für multiresistente Keime. Forscher aus Braunschweig haben die Kontamination nachgewiesen.

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Resistente Keime können sich über Boden, Wasser und Luft verbreiten

Die Wissenschaftler hatten zunächst untersucht, ob Bakterien in den Proben zu finden sind, die gegen ein Antibiotikum resistent sind, das häufig in Tierställen eingesetzt wird, das sogenannte Tetrazyklin. Reste des Medikaments, aber auch resistente Keime, können von Tieren ausgeschieden werden und mit der Gülle auf Felder gelangen. Ausbreiten können sich die Keime auch über Wasser oder Tiere wie Vögel und Insekten. Selbst über kleinste Luftpartikel werden sie verstreut.

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Mehrere Antibiotika gegen die Keime wirkungslos

Tatsächlich fanden die Forscher in allen 24 untersuchten Proben Bakterien, die gegen das Antibiotikum Tetrazyklin resistent sind. Anschließend wurden die Keime daraufhin untersucht, ob sie auch gegen andere Antibiotika resistent sind. Gegen einige der Bakterien zeigten eine ganze Reihe von Medikamenten keine Wirkung mehr - darunter auch solche, die für die Behandlung von schwer erkrankten Menschen extrem wichtig sind.

Resistenzen können auf Bakterien übertragen werden

Besonders spannend an der aktuellen Studie: Die Forscher haben die gefundenen Darmkeime auf sogenannte Resistenzgene untersucht. Das ist deshalb relevant, weil einige dieser Gene übertragbar sind. Sie können zum Beispiel von einem harmlosen Darmbakterium auf gefährliche Bakterien weitergegeben werden. Wenn solche Erreger dann schwere Infektionen auslösen, können notwendige Antibiotika dadurch nicht mehr wirken, und die Krankheit kann schlimmstenfalls nicht mehr rechtzeitig oder gar nicht behandelt werden. Die Wissenschaftler haben viele verschiedene Arten dieser Resistenzgene auf den Salaten entdeckt.

Immungeschwächte sollten keine abgepackten Salate verzehren

Was die Funde für die Gesundheit von Verbrauchern bedeuten, müsse nun dringend bewertet werden, so BfR-Präsident Hensel. Sein Institut empfiehlt, Blattsalate, Rohkost und Kräuter generell gründlich mit Trinkwasser zu waschen, um das Risiko, Krankheitserreger und resistente Keime aufzunehmen, zu minimieren. Schwangere und geschwächte Menschen sollten demnach vorsichtshalber keine vorgeschnittenen und verpackten Salate verzehren, da sich hier Keime besonders intensiv ausbreiten können. In seltenen Einzelfällen rät das BfR besonders immungeschwächten Personen, mit ihren Ärzten zu besprechen, ob sie Gemüse und frische Kräuter vor dem Verzehr grundsätzlich erhitzen sollten.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.11.2018 | 19:30 Uhr

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