Stand: 20.12.2018 17:45 Uhr

Enkeltrick war gestern: Frau verkauft eigenes Haus

Schon seit Wochen und Monaten warnen die Polizeidienststellen im Land vor falschen Beamten und dem sogenannten Enkeltrick. Diese Geschichte aus dem Landkreis Göttingen hat allerdings noch eine deutlich höhere kriminelle Qualität: Am Ende brachten die Betrüger eine 86-Jährige sogar dazu, ihr eigenes Haus zu verkaufen und den Betrügern das Geld zu geben. Am Donnerstag hat das Amtsgericht Duderstadt einen 27-Jährigen deshalb wegen gewerbsmäßigen, bandenmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Mann habe als falscher Polizist eine Seniorin aus dem Landkreis Göttingen um 290.000 Euro betrogen, urteilte das Gericht. Das Schöffengericht folgte im Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe von weniger als zwei Jahren plädiert.

Am Telefon als Polizist ausgegeben

Der Angeklagte hatte sich am Telefon als Polizist ausgegeben. Weil ihr Vermögen in Gefahr sei, solle die Frau es einem Beamten übergeben, der bei ihr vorbeikommen würde. Die Frau aus Duderstadt fiel auf den Trick herein: Sie soll dem Mann 30.000 Euro von ihrem Sparbuch sowie 60.000 Euro aus dem Verkauf von Immobilienfonds übergeben haben, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Doch damit nicht genug: Der mutmaßliche Betrüger soll anschließend das Haus der Frau ins Visier genommen haben.

Haus für 200.000 Euro verkauft

Dazu gaukelte er ihr vor - erneut als falscher Beamter - dass die Polizei drei Männer festgenommen habe, die einen Grundbuchauszug ihres Grundstückes dabei gehabt hätten. Ein falscher Notar würde nun versuchen, ihre Immobilie zu verkaufen - um dem zuvorzukommen sei es notwendig, dass die Seniorin das Haus ihrerseits verkaufe. Die Frau kaufte ihm die Geschichte ab, verkaufte ihr Haus und deponierte die Summe von 200.000 Euro in einem Bankschließfach. Anschließend übergab sie das Geld dem Angeklagten - genau wie die 90.000 Euro zuvor. Eine realistische Chance, ihr Geld zurückzubekommen, habe das Opfer nicht, sagte ein Gerichtssprecher: Der Angeklagte hat das Geld nach eigenen Angaben an Hinterleute weitergegeben.

LKA: Mehr als 70 ähnliche Fälle in 2018

Der Fall aus Duderstadt ist kein Einzelfall: In den ersten drei Quartalen 2018 sind nach Angaben des Landeskriminalamtes allein in Niedersachsen mehr als 70 Fälle bekannt geworden, in denen Betrüger mit der Masche Erfolg hatten. Dabei erbeuteten sie insgesamt etwa vier Millionen Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 20.12.2018 | 08:00 Uhr

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