Stand: 15.08.2014 19:18 Uhr

Einhornhöhle: Wo ist der Neandertaler?

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Nach ihm wird gesucht: Wissenschaftler vermuten, dass sich hinter einem zweiten Eingang der Einhornhöhle Überreste des Neandertalers befinden.

Alles deutet auf spannende Funde hin: In der Einhornhöhle bei Scharzfeld (Landkreis Osterode) sind Wissenschaftler dem Neandertaler auf der Spur. Bei archäologischen Ausgrabungen, die derzeit vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt werden, ist vermutlich ein zweiter Höhleneingang entdeckt worden, den seinerzeit der Neandertaler genutzt hat. Darauf deuten Knochen von eiszeitlichen Tieren hin, die vor dem Eingang gefunden wurden. Denn der Neandertaler nahm seine Mahlzeiten gern im Freien ein, die Höhle diente als Rückzugsmöglichkeit bei Gefahr. Der Eingang wurde wahrscheinlich über die Jahrtausende verschlossen, dahinter vermutet das Grabungsteam Neandertaler-Artefakte wie zum Beispiel bearbeitete Steine.

Nächstes Jahr soll noch tiefer gegraben werden

Bei den zwei Meter tiefen Grabungen wurden eiszeitliche Gesteinsschichten erreicht, Neandertalerknochen wurden bisher aber nicht gefunden, so Felix Hillgruber vom Landesamt für Denkmalpflege. Die Wissenschaftler müssen sich nun erst einmal gedulden. Denn die Grabungen sind am Sonnabend vorerst beendet. Hillgruber hofft, im nächsten Jahr noch tiefer graben zu können, um erste Neandertaler-Artefakte zu finden.

Bereits im Mai gab es eine Sensation

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Mit dem Bohrer in die Vergangenheit

Forscher haben bei Bohrungen in der Harzer Einhornhöhle einen Jahrtausende lang verschlossenen Raum gefunden. Dort wurden bereits erste spektakuläre Knochen entdeckt. (28.05.2014) Bildergalerie

Bereits im Mai hatten Wissenschaftler bei Bohrungen an der Einhornhöhle eine sensationelle Entdeckung gemacht: Sie sind auf eine bislang unbekannte, zusätzliche Höhle gestoßen, wahrscheinlich seit Jahrtausenden unberührt. Ralf Nielbock, Betriebs- und Grabungsleiter der Einhornhöhle, geht davon aus, dass der Hohlraum seit der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren verschlossen war.

Höhle seit Jahrhunderten bekannt

1541 wurde die Einhornhöhle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie ist aber mehr als fünf Millionen Jahre alt. Ihren Namen gaben ihr in der Höhle entdeckte Knochen: Deren Finder glaubten, sie hätten Überreste von Einhörnern gefunden. Sogar der Gelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz befasste sich mit der Legende des Einhorns. 1872 erkundete dann der bekannte Forscher Rudolf Virchow die Höhle und stellte systematische Untersuchungen an. Dabei konnte er die Knochenfunde rund 70 Tierarten zuordnen, darunter Höhlenbären, Höhlenlöwen und Wölfen. Seit 1905 ist die Höhle offen für Touristen. Etwa 25.000 Besucher lockt die Höhle jedes Jahr an.

Karte: Die Einhornhöhle

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.08.2014 | 15:00 Uhr