Stand: 13.04.2018 17:43 Uhr

Diess wird betrogene VW-Kunden enttäuschen

Der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess will den Konzern durch eine veränderte Führungsstruktur schneller und wendiger machen. Die acht Pkw-Marken werden zu drei Gruppen zusammengelegt, die unabhängiger agieren sollen. Die Nutzfahrzeugsparte mit den Marken MAN und Scania wird für einen Börsengang vorbereitet. Diess sagte, VW müsse das Tempo erhöhen, um im scharfen Wettbewerb bei den Zukunftsthemen Elektromobilität und selbstfahrende Autos mithalten zu können. Außerdem müsse VW in den kommenden Jahren das durch den Dieselskandal verloren gegangene Vertrauen wieder zurückgewinnen.

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Auch mit Herbert Diess an der Spitze wird sich laut Ulrich Czisla keine neue Offenheit im VW-Konzern einstellen.

Weg mit dem Krisenmanager, heißt auch: Weg mit der Abgas-Krise. Das mag sich mancher VW-Aufsichtsrat gedacht haben, als er für die Ablösung von Vorstands-Chef Matthias Müller stimmte. Ob das aber so einfach ist?

Die Entscheidung für Herbert Diess ist auch ein unausgesprochenes Plädoyer dafür, dass alles so sein soll wie früher. Dass endlich Schluss ist mit der - wie es intern euphemistisch heißt - "Dieselproblematik". Gute Konzernzahlen, über die sich die Aktionäre freuen, tolle neue Modelle für die Kunden - und vor allem ein Ende der leidigen Diskussion über die auf dem Höhepunkt der Abgaskrise zugesagte neue Unternehmenskultur.

Der VW Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess.

VW: Diess will kräftig umstrukturieren

NDR//Aktuell -

Der VW-Aufsichtsrat hat den neuen Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess offiziell vorgestellt. Der Nachfolger von Matthias Müller will den weltgrößten Autokonzern kräftig umstrukturieren.

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Mehr Offenheit ist nicht zu erwarten

Wenn es - wie damals versprochen - um "mehr Offenheit" und "weniger Hierarchien" bei Volkswagen geht, ist Diess, der knallharte Kostenmanager, oder - wie der "Spiegel" einmal schrieb - "das meistgehasste Vorstandsmitglied von VW" kaum der richtige Mann. Da hat Volkswagen bisher nicht geliefert und wird es auch in Zukunft nicht tun. 

Schon in seiner ersten Woche hat Diess klar gemacht, dass er schneller werden will, agiler und profitabler. Er will das Tempo erhöhen. Für den nächsten VW-Ingenieur, der seinem Chef beichten muss, dass die neuen Abgas-Vorgaben nicht zu erreichen seien, lässt das Schlimmes befürchten.

Das Ende aller Hoffnungen

Diess steht für ein "Zurück in die Zukunft", Strich drunter. Jetzt geht es wieder los. So manch ein Eigentümer eines Diesels aus dem VW-Konzern sieht das sicherlich grundlegend anders. Er muss darum bangen, dass er demnächst noch mit seiner Wolfsburger Feinstaub-Schleuder auf direktem Weg zur Arbeit fahren darf. Oder kilometerweite Umwege in Kauf nehmen muss. Er muss befürchten, für den Verkauf seines Diesels auf dem freien Markt nur noch einen Teil des früheren Fahrzeug-Wertes zu erhalten, ohne dafür eine Entschädigung erwarten zu können. Und er darf sich darüber ärgern, dass VW seinen amerikanischen Kunden großzügige Entschädigungen gezahlt hat (inklusive des Rückkaufs betroffener Modelle), sich hierzulande aber mit sogenannten Software-Updates aus der Verantwortung schlich, für die es im Fall von möglicherweise auftretenden Motorschäden noch nicht einmal eine Garantie-Zusage gibt. Eine Hardware-Lösung, für viele Experten die deutlich bessere Alternative für die betroffenen Motoren, ist schon früh als "viel zu teuer" verworfen worden.

Auch mit dem neuen Chef in Wolfsburg wird sich an all dem nichts ändern. Aus Sicht der betrogenen VW-Kunden ist Diess das Ende aller Hoffnungen auf einen gerechten Ausgleich ihrer berechtigten Forderungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 13.04.2018 | 18:30 Uhr

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