Stand: 08.06.2020 20:13 Uhr

Braunschweig: Neue Hinweise im Fall "Maddie"

Das Foto zeigt die kleine Madeleine McCann, die vor sechs Jahren in Portugal spurlos verschwunden ist. © dpa - Bildfunk Foto: London Metropolitan Police Handout
Weltweit sind neue Hinweise zu "Maddie" bei den Behörden eingegangen.

Im Fall der verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann aus Großbritannien hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig nach eigenen Angaben inzwischen zahlreiche Hinweise erhalten. Die Behörde leitet das Verfahren gegen einen 43-Jährigen Deutschen, der das Mädchen 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal entführt und später getötet haben soll. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den 43-Jährigen, der früher im Raum Braunschweig gelebt hat, wegen Mordes ermitteln. Die Ermittler haben sich in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit gewendet und hoffen nun auf weitere Informationen aus der Bevölkerung.

Britische Behörden gehen weiter von Vermisstenfall aus

Weltweit gingen bei den Behörden Hinweise ein, allein bei Scotland Yard in London waren es den Angaben nach in den vergangenen Tagen etwa 400. Anders als die deutschen Ermittler geht die britische Polizei auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. "Es gibt keinen endgültigen Beweis, dass Madeleine noch lebt oder tot ist", so ein Polizeisprecher in London.

Auswertung kann Wochen dauern

Bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft seien Hinweise per Mail und telefonisch eingegangen, sagte Sprecher Christian Wolters. Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" habe die erwartete große Resonanz gefunden. Darunter seien auch kuriose Hilfsangebote, zum Beispiel von Hellsehern. Eine große Gruppe von Ermittlern beim Bundeskriminalamt sichte und gewichte nun alle Angaben, bis Ergebnisse vorlägen, so Wolters. Das könne noch Wochen dauern.

Verdächtiger verbüßt Haftstrafe in Kiel

Der Mordverdächtige sitzt aktuell in einem Gefängnis in Kiel. Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten, unter anderem an Kindern, vorbestraft. Er hatte zwischen 1995 und 2007 in Südportugal gelebt, auch in der Nähe des Tatorts im Ferienort Praia da Luz, wo die damals dreijährige "Maddie" im Mai 2007 verschwand. Viele Hinweise machten den Mann verdächtig, so Wolters. Für eine Anklage reichten sie aber bisher nicht aus.

Verbindungen zu weiteren Vermisstenfällen werden geprüft

Möglicherweise gibt es im Fall "Maddie" auch Verbindungen zu weiteren Vermisstenfällen: Die Staatsanwaltschaft Stendal prüft, ob der Verdächtige auch für das Verschwinden der fünfjährigen Inga im Jahr 2015 verantwortlich sein könnte. Auch ein Fall aus dem Jahr 1996 wird offenbar wieder aufgerollt. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete, geht das BKA Hinweisen nach, wonach der mordverdächtige 43-Jährige auch für die Entführung des damals sechsjährigen René aus Elsdorf (Nordrhein-Westfalen) in einem portugiesischen Badeort, etwa 40 Kilometer von Praia da Luz entfernt, verantwortlich sein könnte.

Weitere Informationen
Die Eltern McCann halten auf einer Pressekonferenz ein Foto ihrer entführten Tochter in die Kameras. © dpa - Bildfunk

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Ein weiß-gelber VW-Bus steht am Meer. ("VW-Bus rechtsseitig" - Tatrelevantes Foto im Fall des Verschwindens der Madeleine McCann am 03.05.2007 in Praia da Luz) © Bundeskriminalamt Wiesbaden Foto: Bundeskriminalamt Wiesbaden

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EIn Porträt von Madeleine McCann, die am 03.05.2007 in Praia da Luz verschwunden ist. © Metropolitan Police Service Foto: Metropolitan Police Service

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Ein Foto von Maddie

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Im Mai 2007 verschwand die dreijährige "Maddie" McCann im Portugal-Urlaub. Inzwischen gehen Ermittler davon aus, dass sie tot ist. Was geschah in der Zwischenzeit? Eine Chronologie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.06.2020 | 12:00 Uhr

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