Stand: 30.09.2016 18:03 Uhr

Braunkohlekraftwerk Buschhaus geht vom Netz

Die Region Helmstedt hat mehr als drei Jahrzehnte von und mit dem Braunkohlekraftwerk Buschhaus gelebt. Nun ist Schluss: Das Kraftwerk wurde am Freitag offiziell abgeschaltet. Buschhaus ist damit das erste von bundesweit acht Braunkohlekraftwerken, die vom Netz gehen. Vor knapp einem Jahr hatte das Kabinett diese Entscheidung gefällt. Die Bundesregierung erhofft sich von diesem Schritt, bis 2020 den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß zu reduzieren und ihre Klimaschutzziele zu erreichen.

Lies: "Ein schwieriger Moment"

Der Betrieb in Buschhaus war bereits vor einer Woche eingestellt worden. Am Freitag lud der Betreiber, die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag), zu einem Abschiedsfrühstück ein. Eine heitere Zusammenkunft war das nicht - hinter den Kulissen sprach der Betriebsrat gar von einer Trauerfeier. "Das ist ein schwieriger Moment, das merkt man an der Stimmung hier", sagte auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).

Mitarbeiter unzufrieden

Rund 370 Mitarbeiter sind von der Schließung des Kraftwerks betroffen. Nur rund ein Drittel von ihnen kam zum Abschiedsfrühstück. Die meisten gehen ab sofort in den Vorruhestand, 50 in den Tagebau zur Rekultivierung. Im Kraftwerk bleiben 80 Angestellte. Zwischen der Belegschaft und dem Betreiber hatte es im Vorfeld etliche Differenzen gegeben. Die Beschäftigten fühlten sich unzureichend informiert und es gab Streit um den Sozialplan.

Ausstieg aus der Braunkohle bis 2019

Bis 2019 sollen die Braunkohlekraftwerke in Deutschland nach und nach vom Netz gehen. Jeweils vier Jahre laufen sie noch als Sicherheitsreserve weiter, um eventuelle Engpässe auszugleichen. Durch diese schrittweise Abschaltung soll auch genügend Zeit bleiben, um die Arbeitsplätze in den Kraftwerken sozialverträglich abzubauen, so die Hoffnung der Gewerkschaften. Der Bund zahlt für diesen Deal insgesamt 1,6 Milliarden Euro an die Kraftwerksbetreiber Mibrag, RWE und Vattenfall - als Ausgleich für den vierjährigen Minimalbetrieb, Ertragsausfälle und Mehrkosten.

Umweltverbände: Stilllegung wäre ohnehin erfolgt

Diese Kosten mit ihren Auswirkungen auf die Strompreise wären nach Ansicht von Umweltverbänden vermeidbar gewesen: Fünf der acht Standorte wären sowieso bald abgeschaltet worden, weil die Braunkohle fehlt, so das Argument. "Buschhaus kann schon seit letzter Woche nicht mehr wirtschaftlich mit Braunkohle versorgt werden, weil der dazu gehörige Tagebau leer ist", sagte Tina Löffelsend, Energiebeauftrage des BUND. "Nun zahlen die Stromkunden vier Jahre lang für eine Stilllegung, die ohnehin erfolgt wäre." Ja, die Kohle ist alle, das räumen auch die Betreiber ein. Das bedeute aber nicht, dass ohnehin abgeschaltet worden wäre: Der Betrieb in Buschhaus wäre dann mit Kohle aus dem Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt fortgesetzt worden, heißt es.

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Hallo Niedersachsen | 30.09.2016 | 19:30 Uhr

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