Stand: 18.05.2017 17:12 Uhr

Behinderung von Rettungshelis: "Kein Einzelfall"

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Wenn ein Rettungshubschrauber im Einsatz ist, geht es oft um Leben und Tod. (Archivbild)

"Ein Rettungshubschrauber kommt nicht bei einem Schnupfen", so Jochen Oesterle von der ADAC Luftrettung im Gespräch mit NDR.de. "Wenn der im Einsatz ist, dann ist es ein Kampf um Leben und Tod." Umso schlimmer sei es, dass inzwischen nicht nur Retter am Boden sondern immer häufiger auch die aus der Luft bei ihrer Arbeit behindert werden. "Früher haben wir von Einzelfällen gesprochen", sagte Oesterle. "Das ist heute leider nicht mehr so."

Gaffer blockieren Landeplatz

Weil ein Helikopter viel Platz zum landen brauche, müsse man einen Abstand von mindestens 50 Metern einhalten. "Oft stehen dort aber Gaffer und machen Handy-Videos", so Oesterle. Dann hätten die Piloten keine Chance, zu landen. Dabei würde kostbare Zeit verloren. Im schlimmsten Fall könne das für ein Unfallopfer oder einen Kranken sogar tödlich enden. "Teilweise werden Helfer am Boden sogar angegriffen, wenn sie den Platz für die Landung freimachen wollen", sagte Oesterle. Deshalb beteilige sich der ADAC jetzt auch an der bundesweiten Kampagne "Helfer sind tabu", deren Logo bald auf den Hubschraubern zu sehen sein werde.

Heli musste im Schwebeflug über Unfallstelle warten

In einem konkreten Fall war der Rettungshubschrauber "Christoph 30" am Mittwochnachmittag als erster an einem Unfallort auf der Autobahn 2 bei Braunschweig eingetroffen. Die Landung des Hubschraubers, in dem sich ein Notarzt befand, wurde aber zunächst verhindert, weil Autofahrer noch schnell an der Unfallstelle vorbei wollten. Der Hubschrauber musste deshalb im Schwebeflug über der Unfallstelle warten. Nach Angaben der Autobahnpolizei Braunschweig werden gegen die betreffenden Autofahrer aber keine Verfahren eingeleitet. Die Einsatzkräfte seien zu sehr mit der Rettung beschäftigt gewesen, um sich darum zu kümmern, so ein Sprecher.

Hubschrauber im Anflug - Was ist zu tun?

Polizei und Rettungskräfte sperren die Autobahn natürlich ab, um die Landung eines Helikopters zu ermöglichen. Der oft hektischen Situation geschuldet, sind die Absperrungen aber nur behelfsmäßig. Verkehrsteilnehmer sollten in solchen Situationen deshalb besonders vorsichtig sein und anhalten. Auch wenn ein Hubschrauber wieder abfliegt, sollten Autofahrer nicht gleich auf der frei gewordenen Fahrspur losfahren, sondern auf Anweisungen der Rettungskräfte warten. Und das gilt nicht nur bei Landungen auf Autobahnen, wie der ADAC in einem youtube-Video erklärt.

Fahrer war möglicherweise betrunken

Bei dem Unfall war ein Sattelzug auf einen am Stauende stehenden Lastwagen aufgefahren. Der 37-jährige Fahrer des Sattelzuges war dabei eingeklemmt und schwer verletzt worden. Wie am Donnerstag bekannt wurde, konnte der Verletzte inzwischen von der Intensiv- auf eine normale Krankenstation verlegt werden. Er hat möglicherweise betrunken am Steuer gesessen. Rettungskräfte hatten bei ihm eine Alkoholfahne festgestellt, außerdem fanden Polizeibeamte etliche Bier- und Schnapsflaschen in dem völlig zertrümmerten Führerhaus. Dem Mann wurde im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen. Das Ergebnis steht noch aus.

Elf Kilometer langer Stau auf A 2

Der verursachte Gesamtschaden des Unfalls wird von der Autobahnpolizei inzwischen auf etwa 200.000 Euro geschätzt. An dem Unfall war noch ein dritter Lastwagen beteiligt, den der 37-Jährige nach seinem Ausweichmanöver seitlich leicht gerammt hatte. Auf der A 2 war es in Richtung Hannover zwischenzeitlich zu einem elf Kilometer langen Stau gekommen. Nach Unfallaufnahme und Bergungsarbeiten war die Autobahn ab 19.49 Uhr wieder frei befahrbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.05.2017 | 11:00 Uhr