Stand: 08.12.2017 11:43 Uhr

Ärztin droht Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Die Todesursache des fünfjährigen Jungen, der in Salzgitter in eine Notaufnahme kam und kurz danach zu Hause gestorben ist, ist geklärt. Die Obduktion habe ergeben, dass das Kind an den Folgen einer akuten Bauchfellentzündung starb. Das teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch mit. Außerdem gebe es Anhaltspunkte, dass die behandelnde Assistenzärztin des Helios Klinikums Salzgitter die Erkrankung hätte erkennen müssen. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die Medizinerin einleitet. Das Klinikum hat sie inzwischen vom Dienst freigestellt. Zu den Ermittlungen wollte sich die Klinikleitung bislang nicht äußern.

Tod eines 5-Jährigen aufgrund Bauchfellentzündung.

Tod eines Fünfjährigen: Ärztin in der Kritik

Hallo Niedersachsen -

Hätte die Ärztin des Klinikums Salzgitter erkennen müssen, dass der später verstorbene Fünfjährige an einer Bauchfellentzündung litt? Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall.

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Ärztliches Gutachten soll Licht ins Dunkel bringen

"Wir müssen nun klären, ob und inwiefern der Junge ärztlich untersucht wurde", sagt der Braunschweiger Staatsanwalt Sascha Rüegg. Die Grundfrage: Hätte die Ärztin die Entzündung erkennen müssen und so den Tod des Kindes verhindern können? Sollten die Ermittlungen das bestätigen, würde ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Dazu sollen nun Zeugen vernommen und ein ärztlicher Sachverständiger hinzugezogen werden. Das Prozedere werde voraussichtlich einige Wochen in Anspruch nehmen. "Bei einer Bauchfellentzündung handelt es sich um eine Infektion, also sind Bakterien in den Bauchraum gelangt, sagt Thomas Buck, Facharzt für Kinderheilkunde aus Hannover. "Die häufigste Ursache bei Kindern ist eine Blinddarmentzündung, die beispielsweise geplatzt ist", so Buck weiter. Er könne sich aber nur schwer vorstellen, dass eine Bauchfellentzündung bei einer Untersuchung übersehen wird. Ein tödlicher Verlauf sei möglich - dann handele es sich aber um eine unglückliche Verkettung vieler Faktoren.

Eltern: "Sie hat ihn nicht untersucht"

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Ein fünfjähriger Junge war mit Bauchschmerzen in die Notaufnahme des Helios Klinikum Salzgitter gekommen. Am nächsten Tag war das Kind tot.

Rückblick: Mitte November bringen die Eltern ihren Jungen mit starken Schmerzen in die Helios Klinik im Stadtteil Lebenstedt. "Wir haben der Ärztin gesagt, dass unser Junge starke Bauchschmerzen hat und sich oft erbrechen musste", schildert die Mutter des Jungen, Kawthar Hassan, gegenüber dem NDR später die Situation im Krankenhaus. Anschließend soll die Ärztin noch weitere Fragen zum Gesundheitszustand des Jungen gestellt und die Angaben im Computer notiert haben. "Den Bauch angeschaut und untersucht hat sie aber nicht", so die Mutter. Bevor die Ärztin das Untersuchungszimmer verließ habe sie dem Jungen noch ein Zäpfchen gegeben mit dem Hinweis, dass die Eltern am nächsten Tag wiederkommen könnten, wenn das Befinden des Jungen nicht besser sei. Zu Hause war es ihm aber offenbar immer schlechter gegangen. "Er wollte immer wieder Wasser, hat schnell geatmet und mich irgendwann nicht mehr erkannt", sagt Kawthar Hassan. Die Eltern riefen den Krankenwagen. Doch noch bevor die Retter ankamen, war der Fünfjährige tot.

Klinikum: Junge wurde gründlich untersucht

Die Helios Klinik Salzgitter hatte sich nach Bekanntwerden des Falls gegen die Vorwürfe der Eltern gewehrt. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es: Der Junge sei von einer erfahrenen Assistenzärztin gründlich körperlich untersucht und behandelt worden. "Dabei fanden sich keine Anzeichen, die einen solchen Verlauf annehmen lassen konnten. Wir bedauern den Tod des Kindes zutiefst." Um sich zu den aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft detaillierter äußern zu können, müsse der Obduktionsbericht medizinisch bewertet werden. Der liege dem Klinikum laut eigener Aussage noch nicht vor. Die ermittelnden Behörden werde man aber auch weiterhin unterstützen, so eine Sprecherin. Zur Frage, ob die Ärzte der Notaufnahme in der betreffenden Nacht möglicherweise überlastet gewesen seien, antwortete die Helios-Sprecherin: "Es gab kein erhöhtes Patientenaufkommen." Zwischen 20.30 und 8 Uhr habe man acht Patienten in der Kinderambulanz gehabt. Die Station sei außerdem regulär besetzt gewesen.

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Kind stirbt - Vorwürfe gegen Klinikum

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Tod eines Kindes in Salzgitter. Medien berichten, das Klinikum in Lebenstedt habe den Jungen abgewiesen. Die Klinik bestreitet das. (22.11.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.12.2017 | 14:00 Uhr

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