Stand: 27.08.2018 15:52 Uhr

Abgas-Skandal: VW-Aufseher fordert Transparenz

Der von der US-Justiz zur Aufarbeitung des Abgasskandals eingesetzte Aufseher bei Volkswagen, Larry Thompson, hat am Montag seinen ersten Zwischenbericht vorgestellt. Darin kritisierte der frühere US-Staatssekretär, dass vereinzelt Informationen zurückgehalten wurden und forderte VW zu mehr Transparenz auf. Konkret bemängelte Thompson, dass VW Schwärzungen in Dokumenten vorgenommen habe. Das Unternehmen habe sich dabei auf das Anwaltsgeheimnis und den Datenschutz berufen.

Zwei Verstöße gegen US-Auflagen

Zudem monierte Thompson in seinem Bericht zwei Verstöße von VW gegen US-Auflagen. Nach Angaben von Hiltrud Werner, Volkswagen Vorstand für Integrität und Recht, seien beide Fälle weniger gravierend. In einem Fall sei übersehen worden, zehn Tage vor Beginn von Emissionstests für das Modelljahr 2017 die Umweltbehörde CARB schriftlich zu informieren. In einem weiteren Fall wurde eine Liste von fünf Fragen im Zusammenhang mit der jährlichen Mitarbeiterbefragung nicht in die Manager-Handbücher aufgenommen. Dies sei "aus Versehen" geschehen, sagte Hiltrud Werner.

US-Aufseher bei Volkswagen

  • Der US-Jurist Larry Thompson und sein rund 60-köpfiges Team begleiten Volkswagen seit Sommer 2017. Thompson soll dafür sorgen, dass so etwas wie der Diesel-Betrug nicht wieder vorkommt. Seine Bestellung ist Teil des Milliardenvergleichs zwischen VW und dem US-Justizministerium.
  • Im Detail überwacht er einen Vergleich, den VW mit den US-Behörden geschlossen hat und der Reformen vorsieht. Unter anderem geht es um die Kommunikation mit Behörden oder strengere Dokumentationspflichten.
  • Im Jahr 2020 soll Thompsons Arbeit bei Volkswagen abgeschlossen sein. Sein am Montag vorgestellter Jahresbericht ist der erste von drei geplanten Reports.
  • Neben der Marke Volkswagen und den sogenannten Konzernfunktionen prüft der US-Aufseher auch die Tochter Audi, Volkswagen Chattanooga und die Volkswagen Group of America.

US-Aufseher sieht noch viel Arbeit vor sich

Thompson hob bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg allerdings auch hervor, dass Volkswagen seine Bedenken ernst nehme. "Eine Reihe von positiven Prozessen" seien angestoßen worden, sagte der US-Aufseher. Eine Einschätzung, wie weit der Konzern auf dem Weg zu einem betrugsfreien Unternehmen gekommen sei, wollte Thompson nicht machen. Er könne noch nicht bewerten, ob die eingeleitete Veränderung wirksam sei, sagte der 72-Jährige, der früher stellvertretender US-Generalstaatsanwalt war. Der US-Aufseher sieht aber offenbar noch viel Arbeit vor sich. Man sei "eher am Anfang", so Thompson.

VW will Vorbild sein in Sachen Integrität

Auch VW-Vorstand Hiltrud Werner geht davon aus, dass die angestoßene Veränderung der Unternehmenskultur den Konzern noch viele Jahre beschäftigen werde. "Für den weiteren Kulturwandel rechne ich mit einem Dekaden-Horizont", sagte sie. Werner betonte, dass Volkswagen auch in Sachen Integrität ein Vorbild sein wolle. Dies sei gleichrangig mit finanziellen Kennzahlen und Qualität der Fahrzeuge.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 27.08.2018 | 18:00 Uhr

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