Stand: 14.09.2020 20:58 Uhr

5G im Wald: Forscher entwickeln "Smart Forestry"

Wenn es um den Zustand des Waldes geht, ist die Computertechnik eher außen vor. Das könnte sich bald grundlegend ändern, wenn es nach Wissenschaftlern der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel geht. In dem Projekt "Smart Forestry" forschen sie, welche Möglichkeiten das Mobilfunknetz 5G in Forst- und Waldgebieten bietet.

Sensor soll zeigen, wie es dem Baum geht

Ein Ansatzpunkt: Die Wissenschaftler wollen Bäume mit Vitalitätssensoren ausstatten und vernetzen. Diese könnten Trockenheit, Kälte oder Hitze oder auch der Befall von Borkenkäfern messen. "Im Grunde erzählt uns dann jeder Baum in Echtzeit über die Messwerte, die er liefert, wie es ihm geht", erklärt Andreas Ligocki von der Ostfalia Hochschule. Die am Baum erfassten Daten sollen dafür per 5G-Netz in Echtzeit in eine Plattform einfließen, um analysiert und aufgearbeitet zu werden.

Ergänzung zum Frühwarnsystem

Die Methode könne bestehende Waldfrühwarnsystemen ergänzen, die vor Trockenheitsschäden, Schädlingsbefall und Brandgefahr warnen, hieß es. Friedrich Hanstein vom Niedersächsischen Forstplanungsamt sieht dafür Potenzial: Eine dynamische aktuelle Überwachung würde enorm helfen, um etwa auf Klimaeinflüsse und Schädlingsbefall zu reagieren, sagt er.

Virtueller Blick in realen Ameisenhaufen

Für das in Zusammenhang mit der Landwirtschaftskammer gestartete Projekt sehen die Forscher auch weitere Einsatzmöglichkeiten. So könnte der Wald über "Smart Forestry" als Informationssystem und Lernort ausgebaut werden. Es sei vorstellbar, die Daten der Bäume für Spaziergänger, Wanderer und Jogger über digitale Informationstafeln oder per App aufzubereiten - als "digitale Geschichten", wie die Hochschule mitteilte. Angedacht sei auch die Möglichkeit mittels "Augmented Reality-Brillen" einen virtuellen Einblick in das Innenleben eines realen Baumstamms - oder auch Ameisenhaufens - zu bekommen.

Vorteile auch für die Holzwirtschaft

Auch für die Holzwirtschaft sehen die Forscher Einsatzmöglichkeiten für das interdisziplinäre Projekt, das Teil des Teil des 5G-Projektantrags "Smart Country" der Landkreise Wolfenbüttel und Helmstedt ist: So könnte die Holzernte durch mobile Daten besser mit Forstbetrieben, Sägewerken und Händlern vernetzt werden. In Echtzeit könne so beispielsweise die tatsächlichen Holzqualitäten übermittelt werden.

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