Windenergie der Nordsee: Niedersachsen sieht großes Potenzial

Stand: 25.04.2023 18:52 Uhr

Die Windenergie in der Nordsee soll künftig maßgeblich zur Stromversorgung Europas beitragen. Das haben Deutschland und weitere Anrainerstaaten beschlossen. Das Land Niedersachsen begrüßt die Pläne.

Bis 2030 soll sich die Menge des Stroms, der allein in Deutschland aus Offshore-Anlagen gewonnen wird, verdreifachen. Auch andere europäische Staaten wollen den Ausbau massiv vorantreiben, wie die Anrainer am Montag bei einem Gipfeltreffen vereinbarten. Niedersachsen mit seiner Nordseeküste ist besonders betroffen - und sieht in den Plänen für die Offshore-Windenergie großes Potenzial für das Bundesland. So hält das Wirtschaftsministerium den Windstrom aus Anlagen in der Nordsee für eine entscheidende Säule der Energiewende. Es hofft zudem, dass sich durch die ambitionierten Pläne neue Industrie in den Küstengebieten ansiedelt.

Schleswig-Holstein: Zukunft der Energieversorgung in Nordsee

Auch Schleswig-Holstein möchte den verstärkten Ausbau der Windenergie in der Nordsee mit aller Kraft unterstützen, wie der Energieminister des Bundeslandes, Tobias Goldschmidt (Grüne), am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. "Das gilt besonders für die Genehmigung notwendig werdender Offshore-Anbindungsleitungen sowie neuer Wasserstoffnetze." Der Minister aus Schleswig-Holstein sieht in den Gewässern der Nordsee eine zukunftsträchtige Energieversorgung - und nicht etwa in den Gas- und Ölfeldern von Katar bis Sibirien.

Keine Windräder im Wattenmeer

In der Nordsee sollen in den kommenden Jahren sehr viele neue Windräder gebaut werden - allerdings nicht im Nationalpark Wattenmeer wie Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) betonte. Die größte Gefahr für das Wattenmeer sei laut dem Grünen-Politiker ohnehin der Klimawandel. Diesen mit Windrädern zu bekämpfen, bedeute auch das Wattenmeer zu schützen.

Energie für 300 Millionen Haushalte

"Mit der Nordsee haben wir das Energie-Powerhouse quasi vor der Haustür", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf dem Gipfeltreffen am Montag im belgischen Ostende. Erklärtes Ziel ist es, den Ausbau von Windparks vor der Küste voranzutreiben sowie die Nordsee zum grünen Kraftwerk und größten Energielieferanten Europas zu machen. Dazu wollen die Nordsee-Anrainerstaaten - neben Deutschland und Belgien auch die Niederlande, Frankreich, Norwegen, Dänemark, Irland, Luxemburg und Großbritannien - bis 2030 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 120 Gigawatt bauen. Bis 2050 soll die Leistung in der Nordsee auf mindestens 300 Gigawatt erhöht werden. Davon ließen sich 300 Millionen Haushalte mit Energie versorgen, sagte Belgiens Regierungschef Alexander De Croo.

Stockender Ausbau der Windenergie in der EU

Der Ausbau der Offshore-Windenergie kam in Deutschland und der EU zuletzt nur langsam voran. Im vergangenen Jahr erzeugten die neun Staaten nach Angaben der belgischen Regierung rund 30 Gigawatt Offshore-Windenergie. Etwa acht Gigawatt kamen aus Deutschland, davon der Großteil aus der Nordsee. Frankreich, Norwegen und Irland wiederum produzierten jeweils deutlich weniger als ein Gigawatt.

"Wissen, dass kritische Infrastruktur bedroht ist"

Zugleich haben sich die Staaten zum Ziel gesetzt, die Produktion von grünem Wasserstoff auszubauen. Die Ostende-Erklärung gibt "uns den nötigen Rückenwind, um den Weg zur Klimaneutralität einzuschlagen", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Gleichzeitig warnte sie: "Wir wissen, dass unsere kritische Infrastruktur bedroht ist". Sie erwähnte dabei eine gemeinsame Arbeitsgruppe der EU und der NATO, die unter anderem an einem Stresstest-Programm arbeite.

Scholz will keine Zeit mehr verlieren

Auch Scholz sieht noch einige Aufgaben zu erledigen. Vor allem müsse es schneller gehen als bisher. "Bei der Identifikation von Flächen, bei Genehmigungen, beim Bau von Anlagen und Netzen dürfen wir keine Zeit mehr verlieren", so der SPD-Politiker. Der Bundeskanzler wähnt sich dabei auf einen guten Weg. Viele Gesetze in der EU und in Deutschland würden geändert, um den Ausbau erneuerbarer Energie zu beschleunigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.04.2023 | 16:00 Uhr

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Meer und Küste

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