Stärkster Greifvogel der Welt im Vogelpark Walsrode zu sehen

Stand: 12.06.2023 11:51 Uhr

Die Harpyie ist der stärkste Greifvogel der Welt. Ihre Heimat sind die tropischen Wälder Mittel- und Südamerikas. Seit Donnerstag ist sie im Vogelpark Walsrode zu sehen.

von Barbara Kreuzer

Der imposante Neuzugang gehöre unbedingt in den Weltvogelpark im Heidekreis, hieß es von dessen zoologischem Leiter, Andreas Frei. Etwa drei Jahre hat er den Umzug der Harpyie nach Walsrode vorbereitet. Nach weiteren vier Wochen in Quarantäne sollte die Harpyie jetzt in ihre neuen Voliere ziehen. Dafür müssen Andreas Frei und Tierpfleger Harald Zinke den imposanten Vogel an diesem Donnerstagmorgen erstmal fangen. Vor allem wegen ihrer kräftigen Fänge sind Harpyien gefürchtet. In ihrer Heimat, den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas, jagt sie Affen und Faultiere. Ihre Beute wird mit den zehn Zentimeter langen Krallen und ungeheurer Kraft durchbohrt.

Greifvogel auch für Menschen gefährlich

Das ist der Grund dafür, weshalb Tierpfleger und Harpyie eigentlich nicht zusammen in ihrem Käfig sind: Auch für den Menschen sind die mächtigen Vögel gefährlich. "Wenn ich da einen herein schicke, der sich nicht sicher ist, das würde der Vogel sofort kapieren", sagt Tierarzt Andreas Frei an der Quarantänestation. "Dann würde es für den Tierpfleger auch potenziell gefährlich werden." Einmal fliegt der mächtige Vogel auf Harald Zinke zu, schon packen ihn die Männer. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet Zinke als Tierpfleger in Walsrode. Als die Harpyie in der Holzkiste sitzt, hebt er seine Hände: Alle Finger sind noch dran.

Beeindruckende Größe: Flügelspannweite von bis zu zwei Meter

Die neue Bewohnerin des Weltvogelparks ist vier Jahre alt und wiegt bereits sieben Kilogramm. Harpyien sind bekannt für ihre beeindruckende Größe: Mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern gehören sie zu den größten Greifvögeln der Welt. Weibchen erreichen ein Gewicht von bis zu neun Kilogramm - Männchen nur etwa die Hälfte. Auch ein prächtiges, weiches Gefieder gehört zu den Merkmalen der Harpyie. Das Weibchen in Walsrode färbt gerade in das Gefieder einer erwachsenen und geschlechtsreifen Harpyie um. 

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Von den USA nach Walsrode - Ein großer bürokratischer Aufwand

Schon vor über drei Jahren stellte der Zoo in Dallas, USA, dem Vogelpark Walsrode die Harpyie zur Verfügung - im Tausch gegen rund 60 bedrohte Vögel, die aus dem Heidekreis nach Amerika gingen. "Ein guter Tausch", sagt Andreas Frei, der seitdem mit der Bürokratie um den Import der Harpyie zu tun hatte. Dabei sei es vor allem um tier- und artenschutzrechtliche Anforderungen, Unterlagen und Genehmigungen gegangen, sagt der Zoologische Leiter des Weltvogelparks. Sogar die Lebensläufe seiner Tierpfleger habe er den amerikanischen Behörden unter anderem vorlegen müssen. Außerdem seien genau in diesem Zeitraum die Vorgaben in Sachen Tierseuchen verschärft worden. "Tierparks außerhalb der Europäischen Union müssen überprüft werden und werden dann durch die EU gelistet", erklärt Frei. Der Zoo in Dallas war der erste amerikanische Tierpark der entsprechend der europäischen Vorgaben auf die Liste kam. 

Voliere mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen

In Walsrode kommt das Tier in einem speziell angepassten Gehege der Greifvogelanlage unter: Die Voliere verfügt über besondere Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Tierpfleger. Der Weltvogelpark hat bereits Harpyien gehalten. Die junge Harpyie soll hier auch nicht alleine bleiben: Gerne würde sich der Vogelpark auch in der Zucht der gefährdeten Vögel versuchen. Noch ist aber überhaupt nicht absehbar, wann und woher eine weitere Harpyie kommen könnte. Dem Tierpark stehen grundsätzlich nämlich nur gezüchtete Vögel zur Verfügung, und in europäischen Zoos gebe es bisher nur etwa eine Handvoll Harpyien, heißt es.

Tierparks wichtig für Arterhalt der Vögel

Tierparks seien allerdings wichtig für den Arterhalt der Vögel. Einerseits würden sie durch die Rodung des Regenwaldes Nistplätze und Beutetiere verlieren. Gleichzeitig bedrohten illegale Jagd und Wilderei die Vögel, sagt Frei. Dafür würde die Harpyie auch in Walsrode sensibilisieren, findet er. 

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