Fahrzeuge und Material der Bundeswehr werden im Seehafen von Emden verladen. © Sina Schuldt/dpa Foto: Sina Schuldt

Angriff auf Deutschland - und dann? Bundeswehr erarbeitet OPLAN DEU

Stand: 01.03.2024 07:55 Uhr

Nach Ende des Ost-West-Konflikts wurde "Landesverteidigung" begriffliche Vergangenheit. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat sich vieles geändert. Was bedeutet das für Deutschland und für Niedersachsen?

Die Bundeswehr macht sich genau darüber Gedanken, seit 2023 in Form des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr. Seit Anfang März 2023 wird dort der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) entwickelt. Er soll die zivil-militärische Zusammenarbeit in einer Krisenlage bis hin zum Verteidigungsfall sicherstellen.

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Auch Energie- und Verkehrsunternehmen werden involviert

Da die damit verbundene Verantwortung auch die Bundesländer umfasst, haben Vertreter der Bundeswehr am Donnerstag mit etwa 40 niedersächsischen Vertretern und Vertreterinnen von "Blaulicht-Partnern", zivilen Hilfs- und Rettungsorganisationen, von Energieunternehmen, Verkehrsbetrieben und -behörden die Inhalte des OPLAN DEU vorgestellt. Konkret geht es um zwei Szenarien: Entweder ein Angriff auf Deutschland direkt oder ein Angriff auf ein anderes NATO-Land. Für beide Fälle will die Bundeswehr einen solchen Operationsplan entwerfen. Die Bundeswehr will dafür nun in einem ersten Schritt mit verschiedenen Vertretern Arbeitsgruppen bilden. Solche Arbeitsgruppen werden nicht nur in Niedersachsen, sondern deutschlandweit gebildet. Aus den Ergebnissen dieser Gruppen soll dann in einigen Monaten ein entsprechender Notfallplan erarbeitet werden.

Ziviler Beitrag zu Verteidigungsplänen entscheidend

Wie die Bundeswehr erklärt, ergibt sich aus der zentralen Lage Deutschlands in Europa im Verteidigungsfall die besondere Aufgabe, den vorgesehenen Aufmarsch und die Versorgung sowohl verbündeter als auch eigener Streitkräfte sicherzustellen. Im OPLAN DEU geht es daher einerseits um die militärische Unterstützung der Zivilverteidigung. Entscheidend sei aber auch der zivile Beitrag zu den militärischen Verteidigungsplanungen.

Worum könnte es bei der zivilen Unterstützung gehen?

  • Verkehrsleitung
  • Unterbringung
  • Verpflegung
  • Betankung
  • Unterstützung bei technischen Problemen

"Innere und äußere Sicherheit sind kaum mehr trennbar. Wir werden unsere Aufgaben nur mit der Unterstützung der Länder, der Behörden und der Wirtschaft erfüllen können", so Kapitän zur See Frank Fähnrich, der die Ausarbeitung des Konzepts leitet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.03.2024 | 08:00 Uhr

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