Zu sehen ist ein Acker aus der Vogelperspektive, über den ein Traktor fährt © BeneA / photocase.de Foto: BeneA

Warum kauft Greifswald Acker zu überteuertem Preis?

Stand: 19.08.2021 13:48 Uhr

4.500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gehören der Hansestadt Greifswald und der stadteigenen Peter-Warschow-Stiftung. Und nun hat die Stadt weitere Hektar dazugekauft. Zu einem Preis, der deutlich über dem Verkehrswert liegt.

Jurrien Lalkens ist 2016 von den Niederlanden nach Groß Kiesow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) gekommen und hat einen konventionellen Milchviehbetrieb übernommen. Der 27-Jährige hält 400 Kühe, 300 Jungrinder, bewirtschaftet 400 Hektar Acker- und Grünland. Als nun 15 Hektar Acker zwangsversteigert wurden, hat er mitgeboten. Doch die Stadt Greifswald hat ihn und andere Landwirte überboten. Unfair, findet Lalkens: "Die haben noch Luft nach oben gehabt. Das kriegt man dann als Landwirt gar nicht mehr hin, so weit mitzubieten."

Mehrere Hunderttausend Euro für minderwertigen Acker

385.000 Euro legte die Stadt Greifswald für den minderwertigen Acker auf den Tisch. 37.000 Euro mehr als die Fläche laut eines Gutachtens überhaupt wert ist. Vize-Oberbürgermeisterin Jeanette von Busse (CDU) bestätigt, dass man sogar bis zu 400.000 Euro hätte ausgeben können. "Wir haben einen Grundsatzbeschluss bei uns bei der Politik, dass wir Flächenbevorratung betreiben sollen. Insofern haben wir auch jedes Jahr einen Haushaltstitel in bestimmter Größe im Haushalt zur Verfügung, um Ankäufe machen zu können. Und damit werden diese Sachen gedeckt."

Laut von Busse brauchte die Stadt Flächen zur Entwicklung. Wenn Wohnhäuser oder Gewerbegebiete gebaut werden sollen, dann seien Tauschflächen notwendig. Zudem gebe die Stadt Flächen ab, zum Beispiel für den Bau von Radwegen, wolle aber ihr Vermögen erhalten. Deshalb dieser Flächenkauf.

Bauernverband zweifelt Nutzen an

Der Bauernverband meint, dass die öffentliche Hand Land nur dann erwerben sollte, wenn ein öffentliches Interesse besteht bzw. es der Daseinsvorsorge diene. Das zweifelt der Verband in diesem Fall an und hat das Innenministerium um Prüfung gebeten. Diese soll Ende August abgeschlossen sein, teilt das Ministerium mit und schreibt weiter: "Bei der Ausweisung neuer Baulandflächen würden Ersatz- und Ausgleichsflächen benötigt, die auf Grund der geringen Stadtgröße im Stadtgebiet kaum noch zur Verfügung stünden. Vor diesem Hintergrund kann festgestellt werden, dass der aktuelle Grundstückserwerb der städtischen Aufgabenerfüllung dient.“

Der neu erworbene Acker soll laut Vize-Oberbürgermeisterin von Busse zur Verpachtung ausgeschrieben werden und zwar zu ortsüblichen Konditionen. Ob Jurrien Lalkens eine Chance hat, weiß er nicht. Die Stadt will vor allem Öko-Landwirte fördern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.08.2021 | 13:48 Uhr

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