Die Greenpeace-Schiffe "Esperanza" und "Arctic Sunrise" im Rostocker Hafen. © NDR Foto: Dimitri Paul

Warnemünde: Greenpeace bereitet sich auf neue Einsätze vor

Stand: 23.11.2020 16:33 Uhr

Im Hafen von Warnemünde legen derzeit zwei Schiffe von Greenpeace International eine längere Pause ein. Die Besatzung nutzt den Aufenthalt für Reparaturen und Übungen, für die sonst kaum Zeit ist.

von Dimitri Paul, NDR 1 Radio MV

Überfischung, Klimawandel, Plastik in den Ozeanen, Artenschwund. Die Themen, mit denen sich die Besatzungen der Schiffe von Greenpeace International auseinandersetzen, sind vielfältig. Bei ihren Aktionen gehen sie beispielsweise gegen unerlaubte Schleppnetzfischerei vor, unternehmen Forschungsreisen oder führen Informationsveranstaltungen in Häfen durch, erzählt Ocke Deutschmann, Kapitän auf dem Greenpeace-Forschungsschiff Esperanza. Weltweit gibt es insgesamt drei solcher Schiffe. Mit der Arctic Sunrise und der Esperanza legen zwei von ihnen seit Ende Oktober eine längere Pause im Hafen von Warnemünde ein.

Corona-Krise erschwert Arbeit der Besatzungen

Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen machen die tägliche Arbeit an Bord der Greenpeace-Schiffe komplizierter, beispielsweise wenn es um den Austausch der Crew geht. Auf der Esperanza leben und arbeiten gerade 19 Menschen, 17 sind es auf der Arctic Sunrise. Neue Besatzungsmitglieder müssen etwa in Quarantäne, bevor sie zum Arbeiten aufs Schiff kommen können. Die Gänge unter Deck sind eng und bei Manövern auf See muss es auch mal schnell gehen - so kann der Mindestabstand an Bord nicht immer eingehalten werden, erklärt Kapitän Deutschmann.

Warnemünde: Günstiger Hafen für große Pötte

Häfen außerhalb von Nordeuropa anzulaufen sei nicht einfach, so Deutschmann weiter. Oft seien die Liegekosten, das sogenannte Hafengeld sehr hoch, außerdem gebe es strenge Bestimmungen. Warnemünde falle im internationalen Vergleich günstig aus, deswegen sei die Wahl mit Blick auf einen längeren Aufenthalt auf den norddeutschen Hafen gefallen.

Pluspunkt: Landstromanschluss im Hafen

Ein anderer wichtiger Punkt: Warnemünde biete Landstrom, so Deutschmann. Werden die Schiffe während ihrer Liegezeit im Hafen mit Landstrom versorgt, können die Generatoren an Bord, die meist mit Marinedieselöl betrieben werden, ausgeschaltet bleiben. Dadurch verringert sich nach Angaben der Stadtwerke Rostock die Umweltbelastung durch Abgase, Lärm und Abwärme der Schiffe - fossiler Brennstoff wird gespart. Zudem kann der Landstrom, im Gegensatz zum Strom aus Dieselmotoren, vollständig aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, wodurch das Klima zusätzlich geschont wird. Außerdem sei die Infrastruktur in Warnemünde günstig, ergänzt Deutschmann. So gibt es in der Nähe einen Bio-Laden, der die Schiffe mit Lebensmitteln beliefert und eine Greenpeace-Ortsgruppe zur Unterstützung.

Vorbereitungen für die nächsten Aktionen

Ihren Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern nutzen die Besatzungen der Schiffe vor allem, um beispielsweise umfangreiche Reparaturen sowie Rettungs- oder Brandübungen durchzuführen, für die sonst wenig Zeit ist. Das ist besonders wichtig, weil die Crew nicht nur aus erfahrenen Seeleuten besteht, erklärt der Kapitän. Viele Besatzungsmitglieder kommen aus der Wissenschaft und haben kaum Erfahrung auf See.

Arctic Sunrise bricht nach Afrika auf

Während die Arctic Sunrise Ende November zum nächsten Einsatz in Richtung Afrika reist, bleibt die Esperanza wohl vorerst bis Ende Dezember im Hafen von Warnemünde. Für Interessierte soll es bald einen digitalen Rundgang über das Schiff geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.11.2020 | 17:30 Uhr

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