Ein AED-Schild. © picture alliance/dpa | Carolin Eckenfels Foto: Carolin Eckenfels

Vorpommern-Greifswald: Paten für Defibrillatoren gesucht

Stand: 20.09.2021 18:02 Uhr

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald können Menschen ehrenamtliche Paten für einen Defibrillator werden. Zu dieser Initiative rufen der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Unimedizin Greifswald und der Landkreis auf.

Die Aktion zielt darauf ab, schnelle Hilfe bei einem Herzstillstand zu leisten. Defibrillatoren retten Leben, wenn sie zügig zum Einsatz kommen. In der Regel entscheiden zehn Minuten über Leben und Tod. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern müssen Ersthelfer so einen automatisierten elektrischen Defibrillator - kurz AED - im Notfall schnell zu Hand haben. Aber genau hier liegt das Problem. Denn dafür müssen Ersthelfer auch wissen, wo das nächste Schockgerät hängt.

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Standorte von rund 100 Defibrillatoren im Kreisgebiet bekannt

Rund 100 solcher automatisierten elektrischen Defibrillatoren kennen die Rettungsdienste im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie hängen etwa in Schwimmhallen, in Ämtern, einige auch in Geschäften. Das sei in sehr vielen Fällen nicht bekannt, so der Arbeiter-Samariter-Bund. Denn es gebe keine Pflicht, die Anschaffung irgendwo anzumelden. "Wir wissen nicht, wo die Dinger hängen, weil das in Deutschland nie jemand nachgefragt hat und auch momentan mit der Datenschutzgrundverordnung argumentiert wird, dass das nicht herausgegeben werden darf", sagt Prof. Klaus Hahnenkamp, der Direktor der Greifswalder Klinik für Notfallmedizin.

Notfall-App "MV Schockt" registriert Defibrillatoren

Deshalb veröffentlicht der Wohlfahrtsverband seit 2018 in der Notfall-App "MV Schockt" Standorte von Defibrillatoren. Für Prof. Hahnenkamp ein hervorragendes Projekt: Man könne dort die AEDs registrieren, "und wir wissen dann, wo sie sind." Diese Daten sind allerdings unvollständig. Das wollen der ASB, die Unimedizin Greifswald und der Landkreis Vorpommern-Greifswald ändern. Dazu haben sie nun eine AED-Patenschaft ins Leben gerufen. Gemeinsam wollen sie Ehrenamtliche gewinnen, die Defibrillatoren in ihrer Nähe betreuen und dem ASB übermitteln, wo die Geräte hängen, wann sie zugänglich sind und ob sie funktionieren. "Das geht eben nur mit der Patenschaft. Es wäre toll, wenn wir dieses Projekt so umgesetzt bekommen", so ASB-Geschäftsführer Mathias Wähner.

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Paten gesucht

In Vorpommern-Greifswald könnten vielleicht 350 Ehrenamtliche helfen, die über das Projekt "Landretter" zu Ersthelfern für den ländlichen Raum geschult wurden. Weil die Landretter im Kreis sehr ungleich verteilt sind, wünscht sich Vize-Landrat Dietger Wille weitere Helfer. "Jeder, der in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis mal jemanden hatte, der einen Herzstillstand hatte und dem mal geholfen werden konnte, ich glaube, den braucht man nicht überzeugen."

Ein Problem in ganz Deutschland

Die Patenschaft soll möglichst auch über den Landkreis Vorpommern-Greifswald hinaus Schule machen. Denn das Problem, dass Defibrillatoren nicht erfasst sind, exisitert in ganz Mecklenburg-Vorpommern und auch bundesweit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2021 | 17:20 Uhr

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