Uniklinik Rostock (Screenshot)

Unimedizin Rostock: Landesregierung sieht keine Fehler bei sich

Stand: 21.09.2021 17:55 Uhr

Die rot-schwarze Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern hat eine Mitschuld an der Misere der landeseigenen Unimedizin Rostock und der dortigen Kinderklinik abgestritten. Nach einer gemeinsamen Sondersitzung der Ausschüsse für Bildung und Gesundheit erklärten Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU), das Land habe umfassend gehandelt.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Anfang des Monats dauerte die Befragung noch sechs Stunden, dieses Mal immerhin noch vier. Im Mittelpunkt der geheimen Sitzung hinter verschlossenen Türen stand erneut Bildungsministerin Martin. Die meinte im Anschluss: "Wir haben heute alle Fragen beantwortet und geklärt." Das klang so, als sei das Streitthema Uniklinik und die Kindermedizin abgeräumt. Für den Rostocker CDU-Abgeordneten Daniel Peters war aber auch nach der Sitzung nichts geklärt. Offen sind Fragen zum Personalmangel, dem Sparzwang und den Engpässen bei der Versorgung der Patienten. Peters - einer der Hauptkritiker der Ministerin - meinte: "Ich habe nach wie vor Zweifel daran, dass nicht früher schon hätte erkannt werden können, was für Zustände und Vorgänge es an de Unimedizin gab und gibt."

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Nicht die Wahrheit gesagt? "Das ist Unsinn"

Anders formuliert: Peters fragt sich weiter, wann die Landesregierung von der Misere gewusst hat, ob sie Warnmeldungen der Mediziner ignorierte und wann sie dann gehandelt hat. Ministerin Martin erklärte auch mit Blick auf Peters, natürlich habe es schon vorher Hinweise gegeben, aber der Ernst der Lage, wiederholte die Ministerin, sei erst mit dem Brandbrief der Unimediziner von Anfang August deutlich geworden. An die Adresse von Peters sagte sie, es sei "unredlich" ihr vorzuwerfen, sie habe die Unwahrheit gesagt. "Das ist Unsinn", beschied Martin. Sie warf Peters ein simples Wahlkampfmanöver vor. Der zeigte sich unbeeindruckt. Nach der Sitzung am Dienstag gebe es für ihn keinen Anlass, Aussagen zu korrigieren. Peters hatte Martin in der vergangenen Woche den Rücktritt nahegelegt.

Glawe stärkt Martin den Rücken

Rückendeckung für Martin kam von einem anderen CDU-Abgeordneten, von Gesundheitsminister Glawe. Der will auch nach der Wahl noch mit der SPD regieren und nahm wohl auch deshalb seine SPD-Kollegin in Schutz. Der Konflikt werde kein Streitthema, die Unimedizin müsse wieder in ruhiges Fahrwasser. Wie Martin wies auch er eine Mitschuld der Regierung an der Misere im landeseigenen UnikKlinikum zurück: "Die Landesregierung hat nicht spät gehandelt, die Landesregierung hat der Situation gerecht werdend gehandelt", beschied der CDU-Politiker.

"Man hat frühzeitig Bescheid gewusst und hätte handeln müssen"

Was das genau heißt, das konnte auch Glawe nicht erklären. Er verwies auf mehr Geld des Landes für zusätzliche Stellen an der Kinderklinik und eine verstärkte Mediziner-Ausbildung. Die Rostocker Mediziner, die im Ausschuss aussagten, sollen zuvor klargemacht haben, dass sich die Misere immer mehr abgezeichnet habe und am Ende dann unübersehbar geworden sei. Der Links-Abgeordnete Torsten Koplin zieht auch deshalb diese Bilanz. "Fakt ist, man hat frühzeitig Bescheid gewusst und hätte handeln müssen." Auch der AfD-Abgeordnete Jens-Holger Schneider sieht das Land in der Pflicht. Der Auftritt der Landesregierung habe gezeigt, dass es Material für einen Untersuchungsausschuss gebe. "Definitiv", sagte Schneider.

Land will Eltern-Kind-Zentrum forcieren

Glawe und Martin blickten am Ende nach vorn: Der Unimedizin und ihrer Kinderklinik könne langfristig nur geholfen werden, wenn sie mit dem kommunalen Südstadt-Klinikum zusammen gingen - im sogenannten Eltern-Kind-Zentrum. Der Vorschlag wird seit fast zehn Jahre diskutiert. Jetzt will das Land Nägel mit Köpfen machen. "Wir werden jetzt nicht mehr zugucken", sagte Glawe. Er und Martin habe alle Beteiligten in Rostock zu einem runden Tisch eingeladen.

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NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 21.09.2021 | 18:00 Uhr

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