Stand: 18.10.2018 14:00 Uhr

Studie: Hohe Abbrecherquote bei Lehramtsstudium

von Birgit Schröter, NDR 1 Radio MV

Bild vergrößern
Bis zu 65 Prozent der Lehramtsstudenten brechen ihr Studium im Laufe der Zeit ab.

Ein Großteil der Lehramtsstudierenden an den Universitäten in Rostock und Greifswald bricht das Studium ab oder schafft den Abschluss nicht. Das geht aus einer Untersuchung der Universität Rostock hervor, die das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben hatte. Die Studie liefert erstmals für Mecklenburg-Vorpommern Aussagen über den individuellen Studienverlauf bei Lehramtsstudierenden.

Abbruch wegen Uni- oder Studienfachwechsel

Für die Untersuchung wurden der Studienverlauf und die Prüfungsdaten von gut 4.300 Studierenden in Rostock und mehr als 1.400 Studierenden in Greifswald ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sehr viel mehr Studierende als bisher angenommen das System "Lehramtsausbildung" in Rostock und Greifswald verlassen, um die Hochschule oder das Studienfach zu wechseln.

Interview mit Professer Falk Radisch.

Viele Gründe führen zum Studienabbruch

Nordmagazin -

Falk Radisch vom Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung sieht viele Gründe für den Abbruch des Lehramtsstudiums. Falsche Erwartungen spielen eine große Rolle.

3,67 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Hohe Schwundquoten an beiden Unis

Der Studie zufolge brechen an der Universität Rostock 15 Prozent der Studierenden für das Lehramt an Grundschulen ihr Studium nach dem dritten Fachsemester ab - nach dem zehnten Fachsemster sind es 30 Prozent. Im Lehramt für Regionale Schulen verlassen 40 Prozent der Studierenden ihr Studium nach dem dritten Semster, nach dem zehnten Semester fehlen hier bereits mehr als 70 Prozent der Studierenden. An der Universität Greifswald brechen mehr als die Hälfte der Studierenden das Lehramtsstudium für Regionale Schulen nach dem dritten Fachsemester ab. Nach dem zehnten Fachsemester steigt diese Quote auf 85 Prozent. Von den Studierenden, die Gymnasiallehrer werden wollten, fehlen an der Universität Rostock nach dem zehnten Fachsemester rund 65 Prozent - an der Universität Greifswald waren es 55 Prozent.

Studierenden fehlt der praktische Bezug

Auf der Suche nach den Gründen für diesen Schwund haben die Autoren gezielt Studierende befragt, die zwischen dem Sommersemester 2017 und 2018 ihr Lehramtsstudium abgebrochen oder das Studienfach beziehungsweise die Universität gewechselt haben. Häufig wurde genannt, dass das Studium kaum Bezug zum späteren Berufsfeld habe. Für viele Befragte stimmten die Erwartung an ihr Studienfach und die Studienrealität sowie die Leistungsanforderungen nicht überein. Die Fülle des Studienstoffs, die Zahl der Prüfungsleistungen und Probleme in der Studienorganisation wurden als weitere Gründe genannt.

Studium muss besser werden

"Die Gründe für den Schwund sind vielfältig und unterschiedlich für die einzelnen Fächer und Lehrämter", sagte Falk Radisch vom Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung an der Universität Rostock bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Schwerin. Sowohl die Studie als auch Erfahrungen aus anderen Ländern und Universitäten zeigten, dass es nicht genügen wird, die Zahl der Studienplätze und die Immatrikulationszahlen pauschal zu erhöhen. Größeres Potenzial stecke in solchen Veränderungen, die dafür sorgen, dass mehr geeignete Lehramtsstudierende ein Studium aufnehmen und dann auch einen Abschluss erreichen. Sicherlich müsse die Qualität des Lehramtsstudiums auf verschiedenen Ebenen verbessert werden.

Hesse: Dringende Änderungen nötig

"In der Lehrerbildung an unseren Universitäten muss sich dringend etwas ändern," sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). In Abstimmung mit den Rektoren beider Universitäten solle nun eine Arbeitsgruppe ausloten, wie das Lehramtsstudium verbessert werden kann. Der Arbeitsgruppe sollen neben Vertretern der Universitäten und des Minsteriums auch Experten des Zentrums für Lehrerbildung, Studierende sowie Schulleiterinnen und Schulleiter angehören. "Wir wollen sicherstellen, dass mehr Lehramtsstudierende ihr Studium mit Erfolg abschließen und auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit wir den Unterricht an unseren Schulen auch in Zukunft absichern können", so Hesse.

Weitere Informationen

Künftig vier Einstellungstermine für Referendare

Mecklenburg-Vorpommern bietet Lehramtsabsolventen künftig vier Einstellungstermine für ihr Referendariat an. Zum Februar 2019 sind 370 Plätze ausgeschrieben. mehr

Viele Seiteneinsteiger unter Nachwuchs-Lehrern

Zum Schuljahresbeginn starten 633 neue Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern an den Schulen. Bildungsministerin Hesse sieht das als Erfolg. Doch viele der Lehrkräfte sind Seiteneinsteiger. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.10.2018 | 16:00 Uhr

Viele Seiteneinsteiger unter Nachwuchs-Lehrern

Zum Schuljahresbeginn starten 633 neue Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern an den Schulen. Bildungsministerin Hesse sieht das als Erfolg. Doch viele der Lehrkräfte sind Seiteneinsteiger. mehr

Nachwuchs-Lehrer kehren MV den Rücken

Zum Schuljahresbeginn in knapp zwei Wochen bleiben in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 300 Stellen für Referendare unbesetzt. Besonders Grund-, Regional- und Berufsschulen sind betroffen. mehr

Wenn Pädagogen von Lehramtsstudenten lernen

In Mecklenburg-Vorpommern touren Lehramtsstudenten mit einem neuartigen Projekt. Im "Lernbüro" können Lehrer neue Ansätze für ihren Unterricht finden - zu Gunsten der Schüler. mehr

Talk im Funkhaus zum Problemfall Schule

Was läuft schief im Klassenzimmer? Über das Streitthema "Schule" diskutierten Experten, Schüler und Eltern jetzt beim Talk im Funkhaus. mehr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:36
Nordmagazin

Wie geht es weiter mit dem Wolf?

19.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:34
Nordmagazin

Rüstungsexporte komplett gestoppt

19.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:40
Nordmagazin

Wismar: Jede Nacht kommen die Wildschweine

19.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin