Stand: 03.09.2019 20:22 Uhr

Nicht genug Quereinsteiger an Schulen qualifiziert

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Viele Seiteneinsteiger im Lehrberuf werden unvorbereitet in die Klassenräume geschickt.

Das Schweriner Bildungsministerium hat offenbar versucht, die Probleme bei der Beschäftigung von sogenannten Seiteneinsteigern an Schulen kleinzureden. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte zum Schulstart erklärt, ein großer Teil von ihnen habe sich vor Unterrichtsstart in einem Kompaktkurs qualifiziert. Die tatsächlichen Zahlen vermitteln dagegen ein anderes Bild.

Seiteneinsteiger brauchen mehr Unterstützung

Der Hintergrund: Zum Auftakt des Schuljahres hat das Land 220 neue Seiteneinsteiger eingestellt, jeder dritte neue Lehrer ist damit ohne Ausbildung. Mit den insgesamt 651 Neueinstellungen sei es gelungen, einen geordneten Schulstart zu sichern, so die Ministerin. Seiteneinsteiger sind Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium und passende pädagogische Ausbildung. Diese Praktiker aus meist schulfernen Bereichen gelten bei einigen Lehrern als hochmotiviert und als willkommene Bereicherung, auch um Unterrichtslücken zu füllen. Andere beklagen, dass sie ohne Vorbereitung in die Klassenräume geschickt werden. Auch die Betroffenen verlangen mehr Unterstützung vom Land. Laut Martin hat sich vor dem Beginn der Schule "ein großer Teil der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger während der Sommerferien in einem Kompaktkurs qualifiziert".

Linke fordert dreimonatigen Grundkurs für Seiteneinsteiger

Aus Antworten ihres Ministeriums auf Anfragen der Linksfraktion ergibt sich jedoch, dass nur 41 der neuen Seiteneinsteiger den Kurs absolvieren konnten - das sind weniger als 20 Prozent und wäre nicht "ein großer Teil". Die Bildungsexpertin der Linken, Simone Oldenburg, warf Martin vor, die Aussagen wider besseres Wissen getroffen zu haben. Die Angaben zeigten, dass es keinen Plan zur Qualifizierung der Seiteneinsteiger gebe. "Auch die neue Bildungsministerin ist offenbar noch nicht bei den Problemen angekommen", erklärte Oldenburg. Sie fordert erneut einen dreimonatigen Grundkurs für die Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung, dann müsse ein anderthalbjähriges Referendariat folgen.

Neue Lehrkräfte sollen in Herbstferien qualifiziert werden

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass lediglich 41 neue Seiteneinsteiger an dem Kompaktkurs teilgenommen haben, darauf habe sich die Ministerin in ihrer Aussage aber nicht bezogen. Denn zu diesen 41 seien noch einmal 45 Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung gekommen, die bereits vor einiger Zeit eingestellt worden seien. "Das macht zusammen 86 und das ist keine kleine Menge". Ministerin Martin hatte zugesichert, dass alle Seiteneinsteiger, die erst kürzlich eingestellt wurden, im laufenden Schuljahr qualifiziert werden. Erstmals soll das in den einwöchigen Herbstferien Anfang Oktober geschehen. Die Seiteneinsteiger sind in dieser Woche auch erneut Thema im Landtag, am Wochenende kommen Betroffene zu einer Konferenz zusammen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.09.2019 | 07:00 Uhr

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