In einem Hühnerstall stehen Legehennen für die Produktion von Eiern aus Freilandhaltung dicht beieinander. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Stallpflicht: Weniger Freilandeier aus MV wegen Geflügelpest

Stand: 03.03.2021 15:10 Uhr

Aufgrund der Geflügelpest müssen eigentlich im Freiland gehaltene Legehennen im Stall bleiben. Die Eier sind dadurch weniger wert, Landwirte erleiden Verluste.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Seit Ende Oktober 2020 grassiert die Geflügelpest in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr Betriebe als in den Jahren zuvor sind betroffen, vor allem auch Halter von Legehennen. Sie müssen ihre Tiere seit Wochen im Stall halten, um sie vor dem Virus zu schützen. Und das hat nun erste Auswirkungen auf die Vermarktung von Eiern.

Weniger Freilandeier in den Regalen zu erwarten

In den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels wird es laut Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten Tagen weniger Freilandeier geben. Das liegt an einer Vorgabe der Europäischen Union. Sie bezieht sich auf Legehennen, die wegen regionaler Stallpflichten nicht mehr im Freiland gehalten werden dürfen. Nach 16 Wochen endet eine Frist. Dann dürfen ihre Eier nicht mehr als Freilandeier deklariert werden. Sie müssen als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden. Läuft diese Frist aus, müssen sich betroffene Betriebe an das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) melden. Es vergibt die Printnummern, damit Eier neu gekennzeichnet werden können. Laut LALLF sind landesweit drei erste Legehennenhalter (Stand: 3. März 2021) betroffen. Ihre Betriebe liegen in den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Vorpommern- Rügen und Ludwigslust-Parchim. Zudem gelten in den Kreisen des Landes spezielle Tierseuchenverfügungen zur Aufstallung von Geflügel. Darin sind Beobachtungs- und Sperrgebiete klar definiert. Die zuständigen Veterinärämter vor Ort entscheiden, ob aus einem Sperrbezirk weiterhin auch gewerbliche Eier vermarktet werden dürfen. Voraussetzung ist, es handelt sich um gesunde Legehennen.

Einbußen durch Stallpflicht: Drei Cent Verlust pro Ei

Wenn Landwirte ihre Ware von Freiland auf Bodenhaltung anpassen müssen, erhalten sie mindestens drei Cent weniger pro Ei, schätzt Silvia Ey vom Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern. "Die Verluste sind enorm. Wie hoch sie tatsächlich ausfallen, hängt von den jeweiligen Vertragspartnern im Handel ab". Silvia Ey formuliert zudem die höheren Ausgaben der Betriebe während eines Seuchengeschehens, etwa für hygienische Maßnahmen. Laut Statistischem Amt Mecklenburg-Vorpommern leben hierzulande 2,38 Millionen Legehennen. Von ihnen werden 655.000 Tiere ökologisch gehalten, 675.000 Tiere in Bodenhaltung und rund 1,05 Millionen Legehennen werden im Freiland gehalten, in seuchenfreien Zeiten natürlich.

Vogelgrippe hat Auswirkungen auf den europäischer Eiermarkt

Die Vogelgrippe grassiert nicht nur in vielen Teilen Deutschlands, sondern auch in anderen Staaten Europas. Das hat Auswirkungen auf den Handel mit Freilandeiern. Margit M. Beck bewertet und analysiert seit 30 Jahren den Eiermarkt. Sie arbeitet beim Branchendienst Marktinfo Ei&Geflügel und weiß: "Deutschland kann seinen Bedarf an Freilandeiern allein nicht decken. Vor allem aus den Niederlanden werden Freilandeier importiert." Doch das Land ist selbst von der Geflügelpest betroffen, seit Ende Oktober 2020 besteht dort ein nationales Freilandhaltungsverbot für kommerzielles Geflügel. Das bedeutet laut Beck, dass die Nachfrage nach Freilandeiern ungebremst da ist aber nicht das Angebot. "Das wirkt sich auf die aktuellen Preise aus". Und Silvia Ey vom Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern fügt hinzu. "Der Marktdruck ist enorm. Legehennenhalter hierzulande ziehen momentan leider den Kürzeren." Umso wichtiger sei es, diese Betriebe zu unterstützen. Sie hofft, dass Verbraucher auch weiter regionale Eier kaufen.

Verbraucher können betroffene Betriebe unterstützen

Der Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern appelliert auch an den Lebensmitteleinzelhandel, sich mit betroffenen Betrieben zu solidarisieren. So könnten laut Ey auf den Verpackungen Hinweise stehen – etwa "aufgrund der angeordneten Stallpflicht Eier aus Bodenhaltung". Dies ist keine Pflichtangabe, auch der Inhalt des Schriftzuges ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Herkunft der Eier ist anhand des Stempels auf ihnen erkennbar, "13" steht für Mecklenburg-Vorpommern, "0" für Bio-, "1" für Freiland- und "2" für Bodenhaltung.

Virusübertragung durch Verzehr unwahrscheinlich

Wichtig ist auch ein weiterer Aspekt im Sinne des Verbraucherschutzes. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine Übertragung des Vogelgrippe-Erregers über infizierte Lebensmittel theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich. Das gilt auch für Eier. Auf die Einhaltung von Hygieneregeln im Umgang mit Geflügelprodukten sollte dennoch grundsätzlich geachtet werden. Laut BfR sollten Eier vor dem Verzehr so gekocht werden, dass Eiweiß und Eigelb fest sind. Denn das Virus ist gegenüber hohen Temperaturen äußerst empfindlich. Gut durcherhitzte Lebensmittel können also unbedenklich verzerrt werden. Dies gilt für eine Temperatur von mindestens 70 Grad.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.03.2021 | 05:00 Uhr

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