Schüler in Ludwigslust, Frida Pauline Huber: "Waren ja ewig zu Hause!"

Stand: 19.06.2021 10:12 Uhr

Wie geht es uns? Was brauchen wir jetzt? Um über den zweiten Sommer in der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Winter 2020 und Sommer 2021 erlebt haben.

von Carolin Kock

Durch das ständige Öffnen und Schließen der Schulen wussten Frida Pauline Huber und ihre Mitschüler nie, wie es weitergeht. Vor sechs Monaten hätte sie nicht gedacht, dass sie vor den Sommerferien ihre Schule noch einmal von innen sieht: "Das war mir so fern, wir waren ja ewig zu Hause, haben die Hälfte der 11. Klasse nicht erlebt. Ich habe nicht gedacht, dass ich jetzt in der Schule bin."

"Der erste Schultag war total aufregend"

Der Online-Unterricht hatte für Frida Pauline gut funktioniert. Ihre Mitschüler der Oberstufe hat sie so noch einmal ganz anders kennengelernt, denn alle waren zu Hause und konnten das Zuhause der anderen sehen. Frida versuchte, positiv zu bleiben und nahm fleißig an jeder Stunde per Videokonferenz teil. Doch der Austausch und auch die Anerkennung dafür fehlten ihr besonders. Der erste Schultag am Goethe-Gymnasium Ludwigslust war dann für alle besonders: "Es war total aufregend! Plötzlich war die Schule wieder so voll, alle waren glücklich, dass man sich wiedersieht."

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"Mit dem Schulbeginn sind die Sorgen kleiner geworden"

Schon zu Beginn der Pandemie stand für Frida Pauline fest, dass sie ein gutes Abitur braucht, denn sie will Ärztin werden. Mit Blick auf die zwölfte Klasse hatte Frida sich im Dezember Sorgen gemacht, den Anschluss zu verpassen. Vor allem deshalb ist sie froh, jetzt wieder in der Schule zu sein: "Mir ist am wichtigsten, dass ich jetzt so gut wie möglich darauf vorbereitet werde, die Schule zu verlassen." Das geht aber nicht all ihren Mitschülern so - viele verlassen die Schule bereits vorzeitig.

"Ein 'Gut gemacht' würde vielen Schülern helfen"

Einige Sorgen bleiben also - zum Beispiel nach dem Abschluss als Corona-Jahrgang zu gelten. Einige von Frida Paulines Mitschülern wünschen sich schon jetzt einen Bonus bei den Abschlussnoten, weil sie das Gefühl haben, soviel verpasst zu haben. "Was wir jetzt brauchen, ist Unterstützung. Es wäre gut, wenn den Schülern genug zugetraut wird, dass auch wir das schaffen können, auch wenn Corona da ist. Ein 'Gut gemacht' würde glaub' ich schon ganz vielen helfen." Frida Pauline wünscht sich auch, dass bei allen Entscheidungen die Schüler mehr einbezogen werden - nicht nur über den Landesschülerrat. Fridas Arbeit in der Schülervertretung ist durch die Pandemie bis heute erschwert. Noch immer darf sie die Klassensprecher der anderen Jahrgänge nicht treffen.

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Noch immer Vorurteile gegen die junge Generation

Die Freizeit verbrachte Frida Pauline während des Lockdowns vor allem mit ihrer Familie. Sie war im ersten Corona-Jahr in die 11. Klasse gekommen, 16 geworden und wäre gern mit ihrem Freund auf Partys gegangen. "Aber es ist natürlich besser, gesund zu bleiben, als feiern zu gehen", sagte Frida Pauline im Dezember und auch heute, denn Partys und Konzerte finden noch immer nicht statt. Gleichzeitig fühlt sich Frida im Alltag auch Vorurteilen ausgesetzt. Ihre Generation gelte als die sorglos und nachlässig: "Und das, obwohl wir so viele Einbußen haben, ich glaube die Älteren sollten sich da mehr zurücknehmen."

"Jedes Gespräch dreht sich um Corona"

Frida Pauline geht es heute sehr gut, sagt sie, auch wenn Freizeit und Schule noch immer von der Pandemie bestimmt sind. Jedes Gespräch drehe sich um Corona - egal wie man es anfängt. Sie hofft, bald wieder von normalen Sachen erzählen zu können. Für den Sommer wünscht sich Frida, dass trotzdem jeder Rücksicht nimmt: "Ich möchte auch meinen Sommer genießen können, in den Urlaub fahren - vielleicht an die Ostsee - und hoffe, dass da alles gesittet abläuft."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.06.2021 | 05:00 Uhr

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