Stand: 13.06.2018 17:39 Uhr

Schlüssel-Notdienste: Abzocke soll aufhören

Von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Zuletzt hat ein Fall aus Rostock Schlagzeilen gemacht: Ein 24-Jähriger sollte für einen eilig herbeigerufenen Schlüssel-Notdienst 1.500 Euro zahlen - der Mann hatte sich ausgesperrt und in der Wohnung lag eine Pizza im Ofen. Weil er die geforderte Summe nicht bei sich hatte, "pfändete" der unseriöse Schlüsseldienst kurzerhand die Musikanlage des 24-Jährigen. Kein Einzelfall, meint die Kripo. Oft seien es Anbieter, die über kostenlose 0800-Nummern oder über das Internet beauftragt werden, die dann mit Abzocke auffallen, so die Polizei. Die Politik will den schwarzen Schafen der Branche jetzt einen Riegel vorschieben. Von Donnerstag an berät die Verbraucherschutzminister-Konferenz der Länder unter anderem über dieses Thema.

Ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes öffnet eine Tür.

Wie unseriöse Schlüsseldienste abzocken

Markt -

Wer sich ausgesperrt hat, kann einen Schlüsseldienst in der Nähe anrufen. Doch oft landen Kunden in einem weit entfernten Callcenter - und zahlen bis zu 2.000 Euro für das Öffnen der Tür.

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Schlüssel-Dienste sollen Preisverzeichnisse veröffentlichen

Bayern hat einen Vorschlag auf den Tisch gelegt - und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt ihn. Justiz- und Verbraucherschutzministerin Katy Hoffmeister (CDU) sagte: "Wer in ausweglosen Situationen überhöhte Preise verlangt, handelt sittenwidrig." Schlüssel-Notdienste sollen künftig gesetzlich verpflichtet werden, den Aufsichtsbehörden eine Preisliste zu übergeben. Diese Preisverzeichnisse könnten Verbrauchern und Gerichten dann Hinweise darauf geben, welche Leistungen klar sittenwidrig sind. Außerdem sollen die Kontrollbehörden - also die Gewerbeaufsichtsämter der Kreise - gestärkt werden. Mit Blick auf die Kosten sagte Hoffmeister: "Über Geld muss man dann zu gegebener Zeit sprechen."

Unseriöse Anbieter wechseln häufig Anschrift

Die CDU-Politikerin erklärte, es sei bisher schwer, sich gegen überzogene Forderungen von Schlüssel-Notdiensten zu wehren. "Wenn die Rechnung erst einmal bar bezahlt ist, sind die überteuerten Schlüssel-Notdienste oftmals schwer zu ermitteln, da die Anschrift und die Inhaberstruktur häufig wechseln", so Hoffmeister.

Diese Erfahrung hat auch Matthias Wins gemacht, Experte bei der Verbraucher-Zentrale Mecklenburg-Vorpommern. Wins beobachtet die Abzock-Praxis seit Jahren: "Fast jeden Tag meldet sich jemand, der wieder ein paar Hundert Euro zahlen sollte."

Verbraucherschützer warnt vor zu großen Erwartungen

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Wins sieht in den Ankündigungen der Politik einen Schritt in die richtige Richtung, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Denn ähnlich wie bei Anbietern von Kaffeefahrten gehe es bei den windigen Schlüssel-Notdiensten um Unternehmen, die oft nur kurz am Markt seien und sich nicht um gesetzliche Bestimmungen kümmerten. Dennoch könne ein Preisverzeichnis den Auftraggebern zusätzliche Sicherheit geben: "Zumindest die großen Unternehmen werden etwas vorsichtiger sein müssen und die Verbraucher sind besser informiert und wissen, dass sie nicht jeden Preis sofort zahlen sollten, jedenfalls dann, wenn es für wenige Minuten mehrere Hundert Euro sind."

Vorsicht vor allem bei Barzahlung

Wins rät, möglichst den lokalen Schlüssel-Notdienst zu beauftragen, der habe aber meist nur zu den normalen Geschäftszeiten geöffnet. Wenn dann doch nur der Internet-Anbieter bleibe, empfiehlt der Experte größte Vorsicht, gerade bei Barzahlung. Einmal beglichene Beträge seien nur schwer wieder zurückzufordern. Die Verbraucherzentrale hat ihre Ratschläge im Internet zusammengefasst.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.06.2018 | 16:10 Uhr

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