Stand: 11.10.2019 05:44 Uhr

Landtagsparteien bedauern Sellerings Rückzug

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Zu seinem 70. Geburtstag in einer Woche kündigte Sellering einen kleinen Abschieds-Empfang im Landtag an.

Mecklenburg-Vorpommerns ehemaliger Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hat seinen Rückzug aus der Landespolitik erklärt. Sellering gibt sein Landtagsmandat auf. Als Termin nannte er den Freitag nächster Woche. Dann wird er 70 Jahre alt: "Ein passender Moment, um endgültig Abschied zu nehmen von der aktiven Politik", sagte Sellering auf einer Pressekonferenz in der SPD-Landtagsfraktion.

Sellering tritt aus Altersgründen zurück.

Erwin Sellering zieht sich aus Politik zurück

Nordmagazin -

Der ehemalige Ministerpräsident Erwin Sellering zieht sich aus der Politik zurück. Die Landtagssitzung in der kommenden Woche wird seine letzte als Abgeordneter sein.

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Erkrankung ist nicht Grund für den Abschied

Es sei schön gewesen, nach der Zeit als Ministerpräsident noch zwei Jahre lang als Abgeordneter zu arbeiten. Sellering trat im Mai 2017 wegen einer Krebserkrankung überraschend als Ministerpräsident zurück. Nach erfolgreicher Therapie erklärte er im Dezember 2017 sein Comeback als Landtagsabgeordneter. Bei seinem Auftritt am Donnerstag stellte er klar, sein Abschied habe nichts mit seiner Erkrankung zu tun. Er fühle sich fit und sei - wenn man das bei dieser Krankheit sagen könne - "vollständig gesund".

"Gemeinsam gut vorangekommen"

Im Rückblick auf 17 Jahre erst als Justizminister, dann - ab 2006 als Sozialminister - und anschließend als Hausherr in der Staatskanzlei sagte Sellering, er habe sich gern "für dieses wunderbare Land eingesetzt" und er danke den Mecklenburgern und Vorpommern für ihr Vertrauen. Mecklenburg-Vorpommern habe sich gut entwickelt, es gebe den Menschen eine liebenswerte Heimat. Sellering formulierte dabei auch einen Satz, der als "Klassiker" seiner Regierungszeit gilt: "Dabei sind wir alle gemeinsam gut vorangekommen." Künftig böten sich mehr Chancen, wenn Menschen von außerhalb kämen und sich hier engagierten, dazu müsse Mecklenburg-Vorpommern attraktiv sein. Mit Blick auf den östlichen Landesteil sagte Sellering: "Ich würde auch immer wieder den Vorpommern sagen, wenn man klagt, führt das nicht dazu, dass Leute gerne kommen und helfen".

Sellering will kein Pensionärs-Leben führen

Mit seiner Nachfolgerin im Amt, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), habe er ein vertrauensvolles Verhältnis, er wolle sich öffentliche Ratschläge von außen aber verkneifen: "Ich hoffe sehr, dass ich meinen Vorsatz beibehalten kann, da einfach immer den Mund zu halten". Ein Pensionärs-Leben will Sellering dennoch nicht führen. Er bleibe im Aufsichtsrat der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Außerdem will er sein Spezialgebiet "Russland" beackern - als Vorsitzender der deutscher-russischen Partnerschaft im Nordosten.

Erwin Sellering: Stationen seiner Laufbahn

Abschieds-Empfang im Landtag geplant

Trotzdem bleibe künftig mehr Zeit für die Familie, sein Sohn sei gerade fünf Jahre alt geworden: "Wir haben sehr interessante Gespräche", verriet Sellering mit einem schelmischen Lächeln. Zu seinem 70. Geburtstag in einer Woche gibt Sellering einen kleinen Abschieds-Empfang im Landtag, eine Woche später dann folgt die große Feier - mit allen ehemaligen engen Mitarbeitern. Diese Party steigt dann - typisch Sellering - bei seinem Lieblingsitaliener in Schwerin.

Allseits Bedauern über Sellerings Abschied

Vertreter aller Landtagsparteien bedauerten den angekündigten Abschied Sellerings. Ministerpräsidentin Schwesig sagte, der Schritt sei schade, aber nachvollziehbar. Sellering habe Großartiges für Mecklenburg-Vorpommern geleistet, das Land sei in seiner Regierungszeit wirtschaftlich vorangekommen. Er habe mit den Verbesserungen in den Kitas und der Ehrenamtsstiftung des Landes wichtige Entscheidungen getroffen.

AfD lobt Sellerings sachorientierte Haltung

SPD-Fraktionschef Thomas Krüger verwies auf Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Die SPD habe ihm viel zu verdanken. In den Augen von Linksfraktionschefin Simone Oldenburg hat Sellering als Landesvater hohes Ansehen genossen, er sei in der politischen Auseinandersetzung immer ein fairer Partner gewesen. Die AfD unterstrich Sellerings sachorientierte Haltung - trotz unterschiedlicher Auffassungen zolle man ihm Respekt, so Fraktionschef Nikolaus Kramer.

CDU: Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Vom Koalitionspartner CDU hieß es, die Zusammenarbeit mit Sellering sei von großem Vertrauen geprägt, er könne seine Entscheidung gut nachvollziehen, so Fraktionschef Vincent Kokert. Für Sellering dürfte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rostock, Cathleen Kiefert-Demuth ins Parlament nachrücken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.10.2019 | 16:15 Uhr

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