Proteste gegen Corona-Politik: Mehrere Tausend auf den Straßen

Stand: 11.01.2022 19:30 Uhr

Erneut haben landesweit mehrere Tausend Menschen gegen die Corona-Maßnahmen protestiert - zum Teil begleitet von Gegenveranstaltungen. In Rostock versuchten Demonstranten, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben am Montag mehr als 15.000 Menschen gegen Corona-Einschränkungen und eine mögliche Impfpflicht demonstriert. Aktionen gab es in 30 Städten. Die größten Protest-Aktionen wurden aus Rostock, Schwerin und Neubrandenburg gemeldet. Aber auch in Greifswald, Neustrelitz, Waren, Röbel, Wismar, Stralsund und Anklam kamen jeweils mehrere Hundert Menschen zusammen, die zu Losungen wie "Gemeinsam gegen Ausgrenzung" demonstrierten. Kleinere Gegenveranstaltungen dazu gab es in Rostock, Greifswald, Neubrandenburg und Anklam.

Rostock: Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein

In Rostock zogen mehrere Tausend Protest-Teilnehmer durch die Innenstadt. An einigen Stellen versuchten Demonstranten, Polizei-Absperrungen zu durchbrechen. Die Polizei setzte daraufhin Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Mehrfach hatte die Polizei die Demonstration gestoppt und gefordert, dass die Teilnehmer sich an die verordnete Maskenpflicht halten. Der Großteil folgte dem nicht. Die Polizei fuhr auch zwei Wasserwerfer in der Rostocker Innenstadt vor. Sie kamen aber nicht zum Einsatz.

"Präsentes Auftreten" des rechtsextremen Spektrums

Demonstration gegen die Corona-Politik in Rostock am 10.01.2022 - mit roter Warnweste Sven Krüger, Erster von rechts Daniel Sebbin
Auf der Rostocker Demo am 10. Januar: Daniel Sebbin (1. von rechts) und Sven Krüger (3. von rechts, Warnweste).

Wie bereits in der vergangenen Woche nahmen in Rostock nach Angaben der Polizei auch Personen aus dem rechtsextremen Spektrum sowie der gewaltbereiten Fußball-Szene an der Demonstration teil. In einer Reihe liefen unter anderem Daniel Sebbin, ein prominenter Kopf der Identitären Bewegung, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft, und der vorbestrafte Rechtsradikale Sven Krüger aus Jamel bei Grevesmühlen.

Laut Polizei ist von den Gruppierungen der Rechtsextremen und der gewaltbereiten Fußball-Szene "die Vielzahl der Widerstandshandlungen" ausgegangen. Durch ihr präsentes Auftreten, teils an der Spitze des Demonstrationszuges mit Bannern, und das aggressive Verhalten gegenüber der Polizei hätten sie über einen langen Zeitraum die Versammlung gelenkt. Die Demonstrierenden im hinteren Teil des Zuges seien gefolgt. Insgesamt wurden demnach zehn Strafanzeigen unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung aufgenommen worden. Laut Polizei demonstrierten in Rostock gestern rund 4.000 Menschen gegen die Coronabeschränkungen, 300 Personen bei Gegendemonstrationen. Die Polizei war mit rund 580 Kräften vor Ort.

Demos in Neustrelitz und Anklam

In Schwerin wurden von der Polizei rund 2.400, in Neubrandenburg rund 1.800 und in Greifswald 650 Demonstranten gezählt. In Greifswald versuchten Gegner den Protestzug mit Sitzblockaden aufzuhalten. In Neustrelitz nahmen etwa 700 Menschen an einer Versammlung gegen die Impfpflicht teil. Weitere Proteste wurden unter anderem aus Parchim, Güstrow, Grimmen und Pasewalk gemeldet. Vereinzelt musste die Polizei Ordnungsgelder an Teilnehmer verhängen, die sich nicht an Auflagen hielten.

Auch in Anklam wurden die Auflagen zum Tragen einer Maske nicht eingehalten. Eine unangemeldete Demonstration gegen Corona-Maßnahmen zog am Abend durch die Stadt. Kurz zuvor hatten Anklamer noch eine Menschenkette gebildet, um ein Zeichen gegen Gewalt und unangemeldete Demos, wie es sie bereits in der vergangenen Woche gab, zu setzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 10.01.2022 | 20:00 Uhr

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