Stand: 01.09.2020 11:05 Uhr

Pommersche Kirchenakten ziehen um nach Schwerin

Tilmann Jeremias © Nordkirche
Bischof Tilmann Jeremias: Für die Region ein herber Einschnitt.

Das Geld ist knapp in der Landeskirche. Statt wie eingeplant 536 Millionen Euro Kirchensteuer werden nun nur noch 470 Millionen fließen. Das haben aktuelle Schätzungen ergeben. Deshalb will sich die Nordkirche nicht mehr am neuen Archivzentrum in Greifswald beteiligen. Das Zentrum ist bereits im Bau und sollte neben den Akten des Stadtarchivs auch die Kirchenakten beherbergen. Die Kirchenakten sollen nun in Schwerin gelagert werden.

"Für die Region ein herber Einschnitt"

Mehr als eine Million Euro will die Nordkirche mit der Verlegung der pommerschen Archive nach Schwerin sparen. Das zumindest ist die Summe, mit der sie sich am Bau des Archivs hätte beteiligen sollen. "Für den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und die Region bedeutet diese Entscheidung einen herben Einschnitt", sagte Bischof Tilman Jeremias. Wegen der finanziellen Situation sei die Entscheidung aber vernünftig. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder bedauerte die Entscheidung der Nordkirche sehr. "Wir lassen dadurch womöglich die Chance verstreichen, in Greifswald zusammen mit dem Land, der Kirche und der Hansestadt ein Zentrum zur Bewahrung, Erforschung und Präsentation der pommerschen Geschichte zu errichten." Unabhängig davon werde er sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Zeugnisse zur pommerschen Geschichte auch in Zukunft in Vorpommern verbleiben und dort für alle zugänglich sein werden.

Akten-Taxi für die Forscher

Die Nordkirche will mit Forschern der pommerschen Geschichte einen konstruktiven Dialog führen. Das kündigte der zuständige Dezernent Mathias Lenz an. Der Landeskirche sei daran gelegen, dass das Archivmaterial zur Landes- und Kirchengeschichte Pommerns auch weiterhin in Greifswald zugänglich ist. Die jetzige Entscheidung sei ein Kompromiss. Geplant ist, dass Forscher, die in Greifswald arbeiten wollen, benötigte Akten vorher bestellen. Sie sollen dann aus Schwerin geholt werden. Wo die Wissenschaftler mit diesen Akten arbeiten werden, ist noch unklar.

Archivgut teilweise schon seit zwei Jahren in Schwerin

Seit Sommer 2018 lagern bereits rund 200 laufende Meter pommersches Archivgut in Schwerin. Dabei handelt es sich um den zentralen Aktenbestand des früheren Konsistoriums der Pommerschen Evangelischen Kirche aus der Zeit von etwa 1945 bis 2012. Etwa 60 Prozent dieser Akten sind nach Angaben der stellvertretenden Archivleiterin, Julia Brüdegam, in den vergangenen zwei Jahren bereits erschlossen worden. Weitere 500 laufende Meter Akten der ehemaligen pommerschen Landeskirche lagern derzeit in Hamburg. Für sie wird laut Brüdegam ein Erschließungsplan erarbeitet. Das pommersche Kirchenarchiv umfasst insgesamt 700 laufende Meter Akten. Das früheste Stück: ein Erbvertrag von 1632.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.08.2020 | 18:00 Uhr

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