Stand: 06.11.2019 17:34 Uhr  - NDR 1 Radio MV

"Nordkreuz": Termin für Prozess steht fest

Von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Zwei SEK-Beamte zwischen Transportern
Ein Teil der Datensätze wurde bei Razzien in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt. (Archivbild)

Ein führender Kopf der mutmaßlich rechtsextremen Nordkreuz-Gruppe muss sich demnächst vor Gericht verantworten. Die Große Strafkammer des Landgerichts Schwerin will in zwei Wochen den Prozess gegen den Polizisten Marko G. beginnen. Das teilte ein Sprecher des Gerichts am Mittwoch mit. Für den Prozess sind zunächst sieben weitere Verhandlungstage bis Mitte Januar 2020 angesetzt.

Angeklagter soll Waffen und Munition gesammelt haben

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hatte vor knapp zwei Monaten Anklage erhoben. Der 49-jährige soll unerlaubt Munition, Waffen und Bombenmaterial  gesammelt und gelagert haben und damit gegen Bestimmungen unter anderem des Kriegswaffenkontrollgesetzes und des Sprengstoffgesetzes verstoßen haben. Als Teil der Chatgruppe "Nordkreuz" ist der Beamte laut Staatsanwaltschaft an Vorbereitungen auf einen "Tag X" und einen möglichen Krisenfall beteiligten gewesen.

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Erste Razzia bereits im August 2017

Die Männer dieser Gruppe, die den sogenannten "Preppern" zugeordnet wird, sollen unter anderem Verabredungen getroffen haben, Politiker wegen ihrer liberalen Flüchtlingspolitik zu liquidieren. Bei einer ersten Razzia der Bundesanwaltschaft Ende August 2017 wurden in seinem Wohnhaus südlich von Schwerin bereits Waffen sichergestellt. Damals war der Mann lediglich Zeuge in einem Anti-Terrorverfahren. Im Fokus der Ermittlungen wegen einer schweren staatsgefährdenden Gewalt steht bisher unter anderem ein Rostocker Anwalt. Auch mehr als zwei Jahre nach der Durchsuchung ist nicht klar, ob der Generalbundesanwalt Anklage gegen ihn erhebt. 

Wer sind "Prepper" und "Doomer"?

Der Begriff "Prepper" ist vom englischen "to be prepared" ("vorbereitet sein") hergeleitet. Gewöhnliche "Prepper" sind Menschen, die sich gegen Katastrophen und Krisen aller Art schützen wollen - von Unwettern über den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bis hin zum Untergang der Zivilisation ("Doomer"). Dazu horten sie Nahrungsmittel, Versorgungsgüter und manchmal auch Waffen. Unter den "Preppern" gibt es echte Vorsorge-Profis, aber auch Verschwörungstheoretiker aller Art. Die Bewegung kommt aus den USA und wächst angesichts von Klimawandel, Kriegsangst und Terrorbedrohung auch in Deutschland.

Als Scharfschütze und Schießtrainer tätig

Bei einer neuerlichen Razzia im Juni dieses Jahres wurden im Wohnhauses von Marko G. und eines von ihm genutzten Bungalows erneut Waffen, Sprengkörper und 31.000 Schuss Munition gefunden. Auch eine Maschinenpistole vom Typ Uzi, die 1993 aus Beständen der Bundeswehr gestohlen wurde, war laut den Ermittlern darunter. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft, er ist vom Dienst suspendiert. Der Polizist war seit 2004 als Mitglied im Spezialeinsatz-Kommando (SEK) der Polizei unter anderem als Scharfschütze und Schießtrainer tätig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen zwei weitere aktive und einen ehemaligen Beamten der Landespolizei - auch sie gehörten zum SEK in Mecklenburg-Vorpommern.

Ergebnisse der Sonderkommission in Kürze

Als Konsequenz aus den Vorfällen hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) noch im Juni eine Sonderkommission unter Leitung des ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Heinz Fromm eingerichtet. Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet. Als erste Maßnahme hatte Caffier das Training des SEK auf einem weitläufigen Schießplatz bei Güstrow stoppen lassen. Der Verdacht kam auf, dass Munition von diesem Gelände entwendet wurde.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 06.11.2019 | 17:00 Uhr

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