Stand: 31.01.2019 17:21 Uhr

"Nordkreuz": Ermittlungen gegen Polizisten in MV

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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2017 wurde eine Razzia in der "Prepper"-Szene in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. (Archivbild)

Die Schweriner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Polizisten wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das hat eine Sprecherin der Behörde bestätigt. Der Beamte aus Banzkow - einem Dorf südlich von Schwerin - steht im Zusammenhang mit der mutmaßlich rechtsextremen "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz". Über den Fall berichtet auch das ARD-Magazin Panorama.

Offenbar illegale Waffen entdeckt

Spezialkräfte hatten die Wohnung des Polizisten bei einer Razzia Ende August 2017 durchsucht. In dem Anti-Terror-Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen die "Prepper"-Szene wurde er seinerzeit aber lediglich als Zeuge aufgeführt. Allerdings entdeckten die Ermittler bei ihm offenbar illegale Waffen. Dieser "Beifang" löste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin aus. Der Polizist war LKA-Beamter, er ist seit 2015 aber wegen Krankheit nicht mehr im Dienst. Seine gesamten Waffen - auch die legalen - seien sichergestellt worden, so das Innenministerium in Schwerin auf Anfrage.

Fünf weitere Verfahren

Gegen den Mann sei eine Disziplinarklage erhoben worden, die mit einer Entlassung enden könnte. Insgesamt führen die Ermittler im Land weitere fünf Verfahren gegen fünf Beschuldigte, in vier Fällen geht es um Verstöße gegen das Waffengesetz, in einem Fall um den Verdacht des Besitzes von kinderpornografischen Schriften. Auslöser für alle Verfahren sind offenbar die Ergebnisse der Razzia der Bundesanwaltschaft. Das ergibt sich auch aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des Linksabgeordneten Peter Ritter.

Wer sind "Prepper" und "Doomer"?

Der Begriff "Prepper" ist vom englischen "to be prepared" ("vorbereitet sein") hergeleitet. Gewöhnliche "Prepper" sind Menschen, die sich gegen Katastrophen und Krisen aller Art schützen wollen - von Unwettern über den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bis hin zum Untergang der Zivilisation ("Doomer"). Dazu horten sie Nahrungsmittel, Versorgungsgüter und manchmal auch Waffen. Unter den "Preppern" gibt es echte Vorsorge-Profis, aber auch Verschwörungstheoretiker aller Art. Die Bewegung kommt aus den USA und wächst angesichts von Klimawandel, Kriegsangst und Terrorbedrohung auch in Deutschland.

Beschuldigter soll in AfD-Arbeitskreis mitgearbeitet haben

In dem Anti-Terror-Verfahren gegen die "Nordkreuz"-Gruppe ermittelt die Bundesanwaltschaft weiter gegen zwei Beschuldigte: Gegen einen weiteren Polizisten aus Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und einen Rostocker Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker. Beide sollen Listen von als links eingeschätzten Personen gefertigt haben, um diese in einem Krisenfall festzusetzen und zu töten. Der Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Recherchen des NDR hatten im Januar des vergangenen Jahres aufgedeckt, dass der Polizist trotz des Terrorverdachts gegen ihn in einem Arbeitskreis der Landes-AfD zu Sicherheitsfragen mitarbeitet.

AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer, Mitglied im Landesvorstand, erklärte, trotz der Ermittlungen gelte die Unschuldsvermutung. Wie sein Kollege aus Banzkow ist der Polizist aus Grabow vom Dienst suspendiert. Das Innenministerium betont, dass beide Beamte "keine Zugriffsmöglichkeit auf dienstliche Bewaffnung" haben.

Weitere Informationen
Das Erste: Panorama

Wieder Waffenfund bei "Preppern": Keine systematische Erfassung bei Behörden

19.09.2017 21:15 Uhr
Das Erste: Panorama

Bei dem Gründer der rechten "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz", Marko G., wurden offenbar illegale Waffen gefunden. Aktuell wird gegen ihn wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.01.2019 | 19:00 Uhr

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