Stand: 30.11.2016 16:43 Uhr

Mittelalterliche Schiffswracks werden geborgen

Unterwasser-Archäologen spüren derzeit vor der Hafeneinfahrt von Wismar einem lange vergangenen Kapitel der Seefahrtsgeschichte im Ostseeraum aus der Hansezeit nach. Taucher bargen am Mittwoch bei stürmischem Wetter vom Ostseegrund Wrackteile zweier mittelalterlicher Schiffe. Die Schiffswracks waren im April entdeckt worden, als Taucher nach Munition in der Ostsee suchten.

Landesarchäologe: Sehr bedeutsamer Fund

Wie Mecklenburg-Vorpommerns Landesarchäologe Detlef Jantzen mitteilte, wurden die Schiffe mit Analysen zum Bestimmen des Holzalters auf das 13. Jahrhundert datiert. Sollten sich die bisherigen Untersuchungen bestätigen, würde die Bauzeit der Schiffe eng mit der Stadtgründung Wismars um 1229 zusammenfallen. "Ich bin gespannt, ob wir die Stadtgeschichte umschreiben müssen", sagte der Sprecher der Hansestadt, Marco Trunk. Die Wracks sind laut Jantzen so interessant, weil es kaum Vergleichsfunde aus dieser Zeit gebe. Auch das vor 20 Jahren entdeckte Wrack der "Poeler Kogge" sei nach neuesten Untersuchungen deutlich jünger als früher vermutet - es sei nicht wie zunächst vermutet 650 sondern höchstens 250 Jahre alt.

"Echte Neuentdeckungen"

Zum Schutz vor Wracktauchern und Schatzräubern müsse der genaue Fundort streng gesperrt und die Öffentlichkeit solange abgeschirmt bleiben, bis die Schiffe komplett an Land gehievt sind, so Jantzen. "Diese Schiffe sind eine echte Neuentdeckungen. Wir haben es auf jeden Fall mit mittelalterlichen Schiffsresten zu tun", so der Landesarchäologe weiter.

Wrackteile in gutem Zustand

Seit Monaten werden die Funde vom Meeresgrund akribisch vermessen und dokumentiert, wie Roman Scholz von der Rügener Bergungsfirma UWA-Logistik am Mittwoch sagte. Die Wrackteile sind demnach in einem guten Zustand. Die Wissenschaftler führen das auf die dicken Schichten aus Sand, Schlick und Muscheln zurück, unter denen die im Flachwasser versunkenen Schiffe mehrere Jahrhunderte lang begraben waren.

Wracks liegen 60 Meter voneinander entfernt

Neben hölzernen Planken, Tauresten, Lederfragmenten und Tierknochen wurden rund um die Wracks auch mittelalterliche Keramikgefäße gefunden. Der Rest liegt noch unter dickem Schlamm begraben und wird nach und nach freigelegt. Die beiden Wracks sind ungefähr 18 Meter lang. Sie liegen 60 Meter voneinander entfernt in knapp zwei Meter Tiefe vor der Wismarer Hafeneinfahrt. An dieser Stelle soll es damals eine Werft gegeben haben.

Brandspuren an einem Wrack

Laut dem Bergunsgteam sind die beiden Segler kompakt aus mächtigen Eichenholz-Spanten gezimmert worden. Dies deute auf Handelsschiffe hin. "Das macht die Sache so spannend: Wir wollen verstehen, zu welchem Schiffstyp die Hölzer gehören", sagte Jantzen. Ob es sich um Koggen, dickbauchige Hanse-Schiffe, handele, sei noch unbekannt. Die Forscher interessiert insbesondere die Frage, unter welchen Umständen die beiden Schiffe gesunken sind. Eines weise Brandspuren auf, hieß es. Ob wegen eines Unfalls oder kriegerischen Ereignisses, müsse noch erforscht werden. Auch von einem 3D-Modell, das die Archäologen erstellen wollen, erhoffen sie sich weitere Aufschlüsse. Die Bergung beider Wracks soll 2017 abgeschlossen werden. Dann sollen sie ins Unterwasser-Depot vor Kap Arkona auf Rügen gebracht werden.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.11.2016 | 16:00 Uhr

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