Stand: 05.12.2019 05:00 Uhr

Ministerium zieht immer mehr Lehrer aus den Schulen ab

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Leeres Klassenzimmer © dpa- report Foto: Peter Endig
Bildungsministerin Martin sucht händeringend nach neuen Lehrern - gleichzeitig verlassen immer mehr von ihnen die Klassenräume und bekommen schulferne Aufgaben zugewiesen.

In Mecklenburg-Vorpommern werden trotz des Lehrermangels immer mehr Lehrkräfte aus den Schulen abgezogen. Das Bildungsministerium weist ihnen Aufgaben außerhalb des Unterricht zu. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die NDR 1 Radio MV vorliegt.

Ein Drittel mehr abgeordnete Lehrer

Danach waren im vergangenen Schuljahr 2018/2019 rund 300 Lehrer abgeordnet. In diesem Schuljahr ist die Zahl um etwa ein Drittel auf 400 gestiegen. Mehr als 60 von ihnen hatten zuvor an Berufsschulen unterrichtet - diese Schulart ist besonders vom Lehrermangel betroffen. Oft sind die Lehrer direkt ins Ministerium beordert worden, andere arbeiten für das Institut für Qualitätsentwicklung oder eines der vier Schulämter. Auch in der Landeszentrale für politische Bildung sind Lehrer beschäftigt, meist ist die Abordnung zunächst auf ein Jahr befristet, wird aber auch verlängert. Dem als stressig geltenden Schulalltag sind die Lehrer erst einmal entkommen.

Oldenburg: "Unglaubliche" Praxis

Die Lehrer entwerfen Prüfungsaufgaben oder Unterrichtsinhalte. Gefragt sind sie auch für die Fortbildung ihrer Kollegen. Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, kritisiert, das Ministerium verschärfe den Lehrermangel durch unverantwortliches Handeln. "Schier unglaublich ist das", so Oldenburg. Statt dafür zu sorgen, die Personalnot an den Schulen zu lindern, ziehe Ministerin Bettina Martin (SPD) noch einmal 100 Lehrkräfte ab.

Ministerium: Einsatz der Lehrer unabdingbar

Das Ministerium erklärte in der Antwort, der Einsatz der abgeordneten Lehrkräfte sei unabdingbar und für die Unterrichtspraxis äußerst wichtig. Es gehe darum, dass die Lehrer Erfahrungen der "aktuellen Schulrealität" mitbringen und diese mit Theoriekenntnissen und neuen Entwicklungen der Unterrichtsgestaltung verbinden. Warum die Zahl der Abordnungen gestiegen ist, teilte das Ministerium in der Antwort nicht mit.

Im Land sind an den öffentlichen Schulen laut Bildungsstatistik rund 11.500 Lehrer beschäftigt, rund 5.000 von ihnen gehen bis zum Schuljahr 2030/31 in den Ruhestand.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.12.2019 | 07:00 Uhr

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