Stand: 17.01.2019 05:06 Uhr

MV-Wirtschaft stellt sich auf harten Brexit ein

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Ein ungeordneter Brexit hätte für die Euro Baltic Fischverarbeitung in Sassnitz-Mukran spürbare Folgen. (Archivbild)

Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich auf einen ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU, einen sogenannten harten Brexit ein. Innen- und Europaminister Lorenz Caffier (CDU) wertet die Entscheidung als Belastung für ganz Europa. Betroffen sind in MV neben Exporteuren von Agrargütern vor allem Unternehmen aus der Fischerei und der Fischverarbeitung. Das größte Herings-Verarbeitungsunternehmen Deutschlands, die Euro Baltic Fischverarbeitung in Sassnitz-Mukran auf Rügen, bezieht nach eigenen Angaben überwiegend Fänge aus der britischen Nordsee.

Bei Brexit dürften EU-Schiffe nicht mehr fischen

Laut Geschäftsführer Uwe Richter werden 80 Prozent der Heringe für Mukran - rund 40.000 Tonnen pro Jahr - vor der schottischen Küste gefangen. Die Fanggebiete liegen in der britischen außerordentlichen Wirtschaftszone. Sollten die Briten - wie geplant - Ende März die EU verlassen, dürfte in diesem Bereich kein EU-Schiff mehr fischen. Davon betroffen wären auch drei Fang- und Verarbeitungsschiffe der niederländischen Gruppe Parlevliet & Van der Plas mit Sitz in Sassnitz sowie zwei größere Kutter der Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostsee.

Handel mit Zollbeschränkungen

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin, Siegbert Eisenach, sieht in einem ungeordneten EU-Austritt der Briten für alle Beteiligten das "Worst-Case-Szenario". Dann würden Zölle und Grenzkontrollen folgen, was den Handel und bestehende Lieferketten erheblich beeinträchtige. Das jedoch sieht der Chef des Papierherstellers "NK Paper" in Neu Kalliß, John Paul Fender, nicht ganz so dramatisch. Anfangs gäbe es wohl schon chaotische Zustände, später aber würde der Handel auch mit Zollbeschränkungen funktionieren - so wie mit anderen Staaten auch, sagte er gegenüber NDR 1 Radio MV. Das Unternehmen liefert einen Großteil seiner Produkte nach Großbritannien.

Linksfraktion fordert Engagement von der Landesregierung

Der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Karsten Kolbe, erwartet von der Landesregierung mehr Engagement. Ein bilaterales Abkommen mit Großbritannien könnte die deutschen Fischereirechte in britischen Gewässern und damit die Fischfabrik in Mukran erhalten, so Kolbe. Nach früheren Angaben würden bei einer Schließung dort 230 Jobs verloren gehen, weitere 200 bei Dienstleistern in der Region.

Caffier geißelt Rechtspopulismus und Nationalismus

Mecklenburg-Vorpommerns Innen- und Europaminister Lorenz Caffier (CDU) wertete das Scheitern des Brexit-Abkommens als Belastung für ganz Europa und Mahnung, im Werben für ein geeintes Europa nicht nachzulassen. "Die Abstimmung in London zeigte, wohin Rechtspopulismus und Nationalismus führen: ins Chaos, in Unsicherheit, in tiefste Spaltung der Gesellschaft", betonte Caffier am Mittwoch in Schwerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 17.01.2019 | 05:30 Uhr

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