MV-Werften: Job-Abbau rückt näher

Stand: 13.11.2020 19:42 Uhr

Erste Anzeichen für einen bevorstehenden Job-Abbau auf den MV-Werften gab es schon vor einem Vierteljahr. Da kündigte der Mutterkornzern "Restrukturierungsmaßnahmen" an - jetzt wird es konkreter.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV.

Auf den MV-Werften droht ein deutlicher Arbeitsplatz-Abbau. Der Mutter-Konzern Genting in Hongkong will nach NDR Information bis zu 1.200 der insgesamt rund 3.100 Jobs streichen. Besonders betroffen ist offenbar der Standort Stralsund in Vorpommern. Auf der ehemaligen Volks-Werft stehen knapp 500 der rund 650 Jobs auf der Kippe. Dort soll im wesentlichen nur die Konstruktionsabteilung bleiben. Längst ist von einer "kalten Werft" die Rede.

Erste Vorbereitungen für einen Sozialplan

Auch die beiden anderen Standorte Wismar und Rostock sind betroffen. Möglicherweise werden Auszubildende nicht übernommen, auch ein Gehaltsverzicht ist im Gespräch. Erste Vorbereitungen für einen Sozialplan sind getroffen, am vergangenen Mittwoch hat es eine erste Runde mit Betriebsräten gegeben. Das bestätigte Finanzminister Reinhard Meyer (SPD): Es habe Gespräche zwischen Werftleitung und den Belegschaften gegeben, dabei sie von einem massiven Stellenabbau die Rede gewesen.

Finanzminister kritisiert Jobabbau trotz Hilfen

Meyer hat für die Pläne kein Verständnis: Am Ende sei es schwer zu vermitteln, so Meyer, dass das Unternehmen Hilfe vom Land haben wolle aber gleichzeitig einen massiven Beschäftigungsabbau betreibe. Ärgerlich findet es Meyer, dass die Wirtschaftsgutachten, die den Werften und seinem Mutterkonzern eine positive Fortführungsperspektive bescheinigen sollen, noch immer nicht vorlägen. Die Papiere gelten als Vorausaussetzung für die komplette Auszahlung der Corona-Hilfen des Bundes - bisher ist als Abschlag erst eine Teilsumme in Höhe von 193 Millionen Euro zugesagt worden. Insgesamt geht es um Kredite von bis zu 575 Millionen Euro aus dem Retttungsschirm des Bundes.

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Glawe hält Diskussion um Arbeitsplatz-Abbau für schädlich

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erklärte, die Standorte müssten gesichert werden. Dafür müssten die Werften planen und die Produktion vorbereiten. Erst dann werde geguckt, "wie viel Manpower man dafür braucht. Daraus ergibt sich das Personal". Debatten über den Abbau von Jobs hält Glawe offenbar für schädlich, dem NDR Nordmagazin bestätigte er allerdings: "Wichtig ist die Botschaft, dass 2.000 Leute in Arbeit bleiben." Das Unternehmen sei mit einem Bein unter dem Rettungsschirm, es werde "momentan intensiv daran gearbeitet, auch komplett unter der Rettungsschirm des Bundes zu kommen." Glawe mahnte zu Geduld, die Gutachten seien in Arbeit.

Werft strebt "gestrecktes Bauprogramm" an

Ein Werftensprecher bestätigte "Gespräche über Auswirkungen auf die Beschäftigung". Man habe "in dieser sehr schwierigen Phase" mit den Betriebsräten über einen Sozialplan gesprochen. Die Mitarbeiter seien über den Auftakt informiert worden. Ziel sei es, "die Zukunftsfähigkeit der Werft durch eine Phase mit einem gestreckten Bauprogramm zu retten und langfristig Arbeitsplätze zu sichern". Am späten Nachmittag will die IG-Metall ihre Mitglieder über den aktuellen Stand informieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 13.11.2020 | 20:00 Uhr

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