Stand: 02.06.2016 08:29 Uhr

MV-Firmen hoffen auf gute Geschäfte mit Iran

Teheran aus der Vogelperspektive. © dpa - Bildfunk Foto: Jörg Schurig
Im Iran mit seinen 80 Millionen Einwohnern stehen in den kommenden Jahren Milliardeninvestitionen an.

Seit der Unterzeichnung des Atomabkommens im Januar hofft die westliche Welt auf gute Geschäfte im dem ölreichen Iran, dessen Wirtschaft jahrzehtelang unter Sanktionen geliten hat. Auch Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen dabei mitmischen. Am Donnerstag kehrte eine von Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) geleitete gemeinsame Wirtschaftsdelegation mit Sachsen und Sachsen-Anhalt von der ersten Markterkundungsreise zurück. Allein aus Mecklenburg-Vorpommern waren 27 Vertreter von beispielsweise Arzneimittelherstellern, Luftfahrt-Dienstleistern und Windparkentwicklern mitgeflogen.

Investitionsbereit und deutschfreundlich

Dabei sei es in erster Linie darum gegangen, ein Gefühl für die iranische Geschäftskultur zu entwickeln, für den Bedarf an Produkten und Dienstleistungen sowie die derzeitigen politischen und bürokratischen Rahmenbedingungen, hieß es aus Delegationskreisen. Für deutsche Unternehmen würden sich durch die Aufhebung der Sanktionen vollkommen neue Möglichkeiten ergeben, sagte Pegel. Er erinnerte daran, dass der Iran früher ein wichtiger Handelspartner für Deutschland war und sehr deutschfreundlich sei.

Modernisierungsprojekte in Milliardenhöhe

Die 80 Millionen Iraner haben nach langen Sanktionsjahren fast in allen Bereichen einen enormen Aufholbedarf. Die Regierung will allein in den nächsten Jahren Modernisierungsprojekte im Wert von 22 Milliarden Dollar international ausschreiben. In den kommenden fünf Jahren sind laut dem iranischen Vize-Verkehrsminister Asghar Kashan 60 bis 70 Milliarden US-Dollar notwendig, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Kashan sprach von mehr als 10.000 Kilometern neuer Eisenbahnlinien, für die auch neue Lokomotiven und Waggons benötigt werden. Der zweigleisige Ausbau vorhandener Strecken stehe gleichfalls an. Dazu müssten neue Autobahnen, Landstraßen, Häfen, Flugplätze und Flugzeuge gebaut werden.

Gespräche mit hochrangigen Vertretern

Die Delegation hatte ein straffes Pensum zu absolvieren: Es gab von den Handelskammern organisierte Kontaktbörsen in Teheran und Isfahan, bei denen etliche vielversprechende Kontakte geknüpft worden seien, wie es hieß. Zudem gab es Gespräche mit hohen Regierungsvertretern - den Ministern für Öl und Energie, den Vizeministern für Landwirtschaft, Gesundheit und Transport sowie vielen weiteren fachlichen Entscheidern. Dabei seien einige verbindliche Folgeverabredungen sowie konkrete Ansätze etwa im Bereich erneuerbare Energien und auch beim Getreidehandel über den vorpommerschen Hafen Vierow getroffen worden.

Vorreiterrolle der Häfen

Pegel erinnerte an die Vorreiterrolle der Häfen in Mecklenburg-Vorpommern beim Handel mit dem Iran. Diese wickelten den Großteil der Ausfuhren aus Deutschland dorthin ab. 2015 seien insgesamt 1,56 Millionen Tonnen Waren und Güter in den Iran exportiert worden. Fast 1,1 Millionen Tonnen und damit knapp 70 Prozent gingen dabei von den Häfen Rostock, Vierow und Sassnitz aus auf Reisen, so Pegel. Insbesondere landwirtschaftliche Produkte wurden von Mecklenburg-Vorpommern aus verschifft. Potenzial für engere Wirtschaftsbeziehungen sieht Pegel außerdem bei der maritimen Industrie, den Erneuerbaren Energien, aber auch bei Auto-Zulieferern und der Gesundheitswirtschaft.

Problem Projektfinanzierung

Die iranischen Vertreter machten aber auch klar, dass ihr Land künftig mehr als nur Absatzmarkt sein will. Die besten Auftragschancen habe, wer sein Wissen teilt, Jobs im Iran schafft und sein Projekt möglichst auch gleich vorfinanziert, hieß es. Die Finanzierung sei eine Herausforderung, betonte auch Pegel. "Das größte Hemmnis derzeit ist, dass die Zahlungssysteme mit den Sanktionen zusammengebrochen sind und die Banken nicht kooperieren durften. Ich glaube aber, dass die Risiken beherrschbar sind, wenn man sich richtig informiert", so Pegel. Ostdeutschland könne dabei seine Erfahrungen aus der Wendezeit im Iran vermitteln. "Die ostdeutschen Länder haben einen kleinen Vorteil, wenn sie im Iran Gespräche führen", sagte Pegel. Denn der Osten habe selbst einen Umbruch erlebt. Im Iran nehme man wahr, was im Osten Deutschlands in 25 Jahren an Aufbauprozess erfolgt sei.

Solar-Boom im Öl-Staat?

Pegel hofft auch beim Thema Wind- und Sonnenenergie im Iran mitmischen zu können. Das Land wolle nach eigenem Bekunden trotz erheblicher Reserven an Erdgas und Erdöl stärker auf regenerative Energien setzen. Mit 300 Tagen Sonnenschein im Jahr sei der Iran geradezu prädestiniert für die Nutzung der Solarenergie. Bei Gesprächen im iranischen Energieministerium verwies Pegel darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern seinen Strombedarf rechnerisch schon jetzt zu 100 Prozent aus selbsterzeugter Öko-Energie decke. Um Probleme etwa bei der Netzeinspeisung zu lösen, wolle der Iran von den Erfahrungen Deutschlands bei der Energiewende profitieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.06.2016 | 12:00 Uhr

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