Stand: 22.05.2018 15:06 Uhr

Ludwigslust-Parchim: Der Dienstälteste hört auf

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Im Landkreis Ludwigslust-Parchim treten drei Männer und eine Frau bei der Landratswahl an.

Vier Kandidaten und kein klarer Favorit: Im Kreis Ludwigslust-Parchim, dem zweitgrößten Deutschlands - stellt sich Amtsinhaber Rolf Christiansen (SPD) nicht noch einmal zur Wahl. Er tritt nach 24 Jahren als dienstältester Landrat Mecklenburg-Vorpommerns ab. 1994 bereits begann seine erste Amtszeit, damals noch im Kreis Ludwigslust - seit der Kreisgebietsreform 2011 ist er für Ludwigslust-Parchim zuständig. Christiansen geht nicht, ohne einen Kronprinz aufgebaut zu haben. Stefan Sternberg will seinem Ziehvater nachfolgen - derzeit ist er Bürgermeister in Grabow. Doch Landrat beziehungsweise Landrätin werden wollen auch die Kreistags- und Landtagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt von der Partei Die Linke, Klaus-Michael Glaser von der CDU und Matthias Pasternak von der AfD.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim

Einwohner: 212.562
Fläche: 4.752,44 km²
Verwaltungssitz: Parchim
Kreisgliederung: 147 Gemeinden
Landrat: Rolf Christiansen (SPD)

Die Kandidaten im Landkreis Ludwigslust-Parchim

Sternberg: Ehrenamtliche unterstützen

Im Wahlkampf ist bei den Kandidaten viel von Heimat die Rede - wie schön und lebenswert sie sei. Glaser und Pasternak haben den Begriff sogar auf ihre Wahlplakate gedruckt: "Stark für die Heimat" der eine, "aktiv für die Heimat" der andere. Auch SPD-Kandidat Stefan Sternberg will sich für die Heimat engagieren. Der 34-Jährige ist der jüngste unter den Kandidaten und will für die Sozialdemokraten in die Fußstapfen Christiansens treten. Der Familienvater ist seit fast fünf Jahren Bürgermeister in Grabow. Der Handelsfachwirt ist Präsidiumsmitglied im Landessportbund. Sternberg sieht das Amt des Landrats für sich als den nächsten Schritt.

Zu seinen Kernthemen zählt er das Ehrenamt. Als Landrat will er sich dafür einsetzen, dass sich Engagierte auf ihre Arbeit konzentrieren können und sich nicht mit unnötiger Bürokratie aufhalten müssen. Außerdem müsse das Ehrenamt finanziell unterstützt werden. Als Landrat wolle er zudem Einfluss auf die Landesregierung nehmen, um auf bestehende Defizite bei der medizinischen Versorgung hinzuweisen. Es gelte auch, moderne Wohnformen zu finden, damit junge Familien und ältere Menschen nicht an die Ränder verdrängt werden.

Glaser: Chancen der Digitalisierung nutzen

Der 58-jährige Klaus-Michael Glaser ist in Hamburg aufgewachsen. Der Jurist betont seine Verbundenheit zu den Kommunen. Als Referent im Städte- und Gemeindetag habe er viele Entwicklungen im Land juristisch begleitet. Außerdem sei er als Streitschlichter tätig gewesen. Derzeit ist er als stellvertretender Bürgermeister in Pinnow ehrenamtlich tätig und engagiert sich dort auch im Kultur- und Heimatverein.

Kurzporträts der Kandidaten

Stefan Sternberg (SPD)

Die wichtigsten Themen für den SPD-Kandidaten Stefan Sternberg sind der demografische Wandel, das Ehrenamt und Bildung. Zudem möchte er die bestehenden Krankenhäuser sichern. mehr

Jacqueline Bernhardt (Die Linke)

Die wichtigsten Themen für die Linken-Kandidaten Jacqueline Bernhardt sind mehr Bürgerbeteiligung und bessere Rahmenbedingungen für Bildung. Auch der Breitbandausbau müsse zügig vorankommen. mehr

Matthias Pasternak (AfD)

Der AfD-Kandidat Matthias Pasternak will zwischen Verwaltung und Bürgern sowie Unternehmern vermitteln. Zudem möchte er "lokale Dynamiken" fördern, um Arbeitsplätze zu schaffen. mehr

Klaus-Michael Glaser (CDU)

Die wichtigsten Themen für den CDU-Kandidaten Klaus-Michael Glaser sind Tradition, Werte und Identität sowie finanzielle Spielräume für Kommunen. Zudem möchte er das Ehrenamt stärken. mehr

Glaser will sich dafür stark machen, dass die kommunale Familie wieder enger zusammenrückt. Die Zusage einer stabilen, moderaten Kreisumlage sei dafür notwendig. Die Digitalisierung biete die Möglichkeit zu flexibleren Arbeitszeiten und -orten, meint Glaser. Das könne Berufspendlern zugute kommen und neuen Zuzug in den Kreis fördern. Dass der Landkreis seit einiger Zeit einen Teil der Abfallwirtschaft selbst erledige, sei falsch. Das dränge Unternehmer aus dem Markt, sagt Glaser.

Bernhardt: Höhere Attraktivität des Kreises schaffen

Die 41-jährige Jacqueline Bernhardt ist in Leipzig aufgewachsen, für ihre neue Heimat Mecklenburg findet sie viele lobende Worte. Die Juristin ist verheiratet und Mutter. Sie ist seit Jahren in der Politik tätig: Für die Linke sitzt sie im Landtag, im Kreistag ist sie Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss. "Mir wird gerne vorgeworfen, dass ich Berufspolitikerin bin", sagt Bernhardt. "Nein. Ich bin Politikerin mit Herz."

Ein Landrat müsse ausgleichen zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen, ist sie überzeugt. Bernhardt möchte als Landrätin die Städte und Dörfer im Kreis attraktiver und lebenswerter machen. Sie beschwört einen neuen Politikstil: "dass wir miteinander reden und so den Landkreis gemeinsam nach vorne bringen." Ein großes Thema dabei sei die Infrastruktur. Bernhardt will sich für ein gut abgestimmtes Bus- und Bahnsystem einsetzen. Dazu gehöre auch die Wiederertüchtigung der Südbahn und ein Ausbau des Rufbus-Systems.

Pasternak: Landrat muss vermitteln

Der 50-jährige AfD-Kandidat Matthias Pasternak ist in Lübz geboren und hat in Güstrow studiert, später Jura in Kiel. Er war Oberamtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft in Dessau, danach selbstständig und arbeitet heutzutage als Immobilienmakler und Grundstücksverwalter. Pasternak kennt den Landtag aus der Arbeit für einen Abgeordneten. "Da ich stets der Neutralität verpflichtet war, ist es jetzt eine Chance, als neuer, vierter Kandidat sozusagen nicht von den etablierten Parteien anzutreten und das Amt dementsprechend neutral zu führen." Die vordringlichste Aufgabe eines Landrats sei es, zwischen Wirtschaft und Verwaltung und zwischen den Bürgern und der Verwaltung zu vermitteln.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.05.2018 | 20:15 Uhr

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