Stand: 29.04.2020 13:17 Uhr

Leere Löschteiche: Trockenheit bringt Feuerwehren in Not

Seit Wochen hat es so gut wie nicht geregnet, der Boden ist ausgetrocknet und Pflanzen und Bäume lechzen trotz der jüngsten Niederschläge nach Wasser. Klimaexperten erwarten ein drittes Dürrejahr in Folge.

Die Freiwillige Feuerwehr und die Landwirte in Vorpommern machen sich große Sorgen, zum Beispiel in der Gemeinde Dersekow bei Greifswald: Noch vor ein paar Jahren war der Teich mit bis zu 140 Kubikmeter Wasser gefüllt. Nun fehle das Löschwasser, sagt Wehrführer Thomas Putzar von der Freiwilligen Feuerwehr Dersekow: "Wir haben das Glück, dass wir Großschadenslagen oder große Brände in unserer Gemeinde eher weniger haben. Aber wir helfen auch Nachbargemeinden: Da gab es vor zwei Jahren den Fall, dass ein Wohnhaus und eine Garage runtergebrannt sind, weil wir nicht schnell genug handeln konnten. Wir wussten nicht, wo ist der Löschteich und auch nicht, ob da noch Wasser drin ist. Als wir ihn gefunden haben, haben wir gesehen, es ist kein Löschwasser da."

Immer weniger Wasser: Verdunstung und kein Zulauf

Dieser Zustand - ein Sinnbild für viele Teiche in Vorpommern. Viele von ihnen sind zugewachsen, verschlammt und ausgetrocknet. Die Freiwillige Feuerwehr Tribsees zwischen Rostock und Stralsund hat ähnliche Probleme. Jedes Jahr müssen sie den Teich mit Wasser aus dem nahegelegenen Fluss wieder auffüllen, wie Wehrführer Manuel Horn von der Freiwilligen Feuerwehr Tribsees erzählt: "Durch diese große Oberfläche ist natürlich eine Verdunstung da, jetzt haben wir ja so viel Sonne und keinen Regen, hier ist kein Zulauf und dann wird der Wasserstand natürlich immer niedriger und irgendwann reicht es nicht mehr aus."

Landwirte beugen mit Wassertanks vor

Fehlendes Löschwasser ist auch ein Problem der Landwirte. Carsten Stengelmann aus Dersekow weiß, dass seine Getreidelager und Traktoren leicht in Brand geraten können. Daher hat er bereits vor zwei Jahren einen seiner Hänger zu einem Wassertankfahrzeug umgebaut. So ist immer schnell Wasser vor Ort. Insgesamt passen 24.000 Liter in den Tank. Eine gute halbe Stunde kann die Feuerwehr somit überbrücken, sagt Thomas Putzar: "Wir bringen ja Wasser mit, wir haben 3.000 Liter, aber 3.000 Liter beim Flächenbrand oder Mähdrescherbrand ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, da ist das hier natürlich mit dem Tank optimal, das ist schon eine schöne Sache, wir gehen fix ran, müssen nur einen Schlauch zwischenschalten und zack haben wir das Wasser."

Geld für Löschteiche nicht eingeplant

Dennoch ist das nicht die Lösung. Langfristig müssten die Gemeinden und das Land Mecklenburg-Vorpommern in die Sanierung der Löschteiche investieren, fordert die Freiwillige Feuerwehr. Das jedoch würde etwa 100.000 Euro pro Teich kosten. Geld, das viele der Gemeinden in ihren Haushalten bislang nicht eingeplant haben.

Weitere Informationen
Ein Bauer wirbelt beim Bearbeiten eines Ackers Staub auf. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Wochenlang kein Regen: Außergewöhnliche Dürre in Ost-MV

In Mecklenburg-Vorpommern hat es zuletzt flächendeckend am 10. März geregnet. Für den Osten des Landes sprechen Forscher von einer außergewöhnlichen Dürre. Immerhin: Regen ist in Sicht. mehr

Ein Waldstück bei Rechlin (Mecklenburgische Seenplatte), das am 06.06.2018 offiziell an die Deutsche Wildtier Stiftung übergeben wurde. © dpa Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Trockenheit macht Bäumen zu schaffen

Umweltschützer in MV haben zum "Tag des Baumes" dazu aufgerufen, einen Baum in die persönliche Pflege zu nehmen. Vor allem Birken und Buchen leiden unter der Trockenheit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.04.2020 | 16:50 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ein Auto fährt über Kopfsteinpflaster vom Grenzübergang Ahlbeck zur polnischen Stadt Swinemünde. © dpa Foto: Stefan Sauer

Corona-Risikogebiet Polen: Ausnahmen für Pendler

Polen ist Corona-Risikogebiet. Berufspendler, Schüler und Studierende sind dennoch von der Quarantäne-Pflicht befreit. mehr

Grafik mit der aktuellen "Corona-Ampel" für Mecklenburg-Vorpommern. © NDR

Corona in MV: Gesamtzahl steigt auf 2.066 Infektionen

Im Vergleich zu Donnerstag stieg die Zahl um 70 Fälle. mehr

Schwerin: Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht im Plenarsaal des Landtags bei einer Beratung der Landesregierung mit kommunalen Vertretern und Gewerkschaften über weitere Schritte zur Rückkehr aus dem Corona-Lockdown mit Teilnehmern des Treffens. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Landtag verzichtet auf Maskenpflicht

Parlamentspräsidentin Birgit Hesse (SPD) spricht lediglich eine Empfehlung für den Mund-Nasen-Schutz aus. mehr

Außenansicht der renovierten Domschule in Güstrow © NDR Foto: Sabine Frömel

Strengere Corona-Regeln in Güstrow und Ludwigslust-Parchim

Infektionen am Gymnasium sind Grund für die Einschränkungen in Güstrow. mehr